Di., 21.05.2019

Besonders Ostwestfalen-Lippe ist vom Unwetter betroffen – weiterhin Unwetterwarnung Tief »Axel« hält NRW weiter in Atem

Auf der Ostwestfalenstraße ist ein Lastwagen mit einem Auto frontal zusammengestoßen.

Auf der Ostwestfalenstraße ist ein Lastwagen mit einem Auto frontal zusammengestoßen. Foto: Feuerwehr Bad Salzuflen

Bielefeld/Detmold/Düsseldorf/Delbrück/Schloß Holte-Stukenbrock (dpa/WB).  Tief »Axel« hat am Dienstagmorgen auch in Nordrhein-Westfalen für starke Regenfälle gesorgt. Wie der Deutsche Wetterdienst mitteilte, lag vor allem Ostwestfalen-Lippe im Einflussgebiet des Unwetters.

Auf der Autobahn 44 kam es in der Nacht gleich zu mehreren Unfällen. Wie ein Sprecher der Polizei mitteilte, gerieten auf der Autobahn mehrere Fahrzeuge wegen des Starkregens ins Schleudern. Ein Mann aus Delmenhorst wurde verletzt: Der 49-Jährige hatte die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren, als es wegen eines Lasters vor ihm, der »plötzlich den Fahrstreifen wechselte«, abrupt bremste.

Sein Auto schleuderte gegen die Schutzplanken und kippte um. Sperrungen gab es aufgrund der Unfälle am Dienstagmorgen jedoch nicht.

In Bielefeld waren Feuerwehr und Polizei im Dauereinsatz: So wurde die Oerlinghauser Straße wegen Schlammmassen gesperrt, zahlreiche Keller liefen voll.

Feuerwehrleute befreien in Bielefeld eine Straße vom Schlamm. Foto: Christian Müller

50 Liter pro Quadratmeter

Binnen weniger Minuten fielen in Delbrück (Kreis Paderborn) mehr als 50 Liter Niederschlag pro Quadratmeter. Das Wasser drang in Keller ein, Gullideckel wurden hochgedrückt, Verkaufsräume unter Wasser gesetzt und ganze Straßen überflutet. Ein »Dachstuhlbrand« in der örtlichen Pfarrkirche entpuppte sich als Fehlalarm.

Einen größeren Einsatz im Kreis Höxter gab es zudem an der Reithalle in Steinheim. Dort standen etwa 30 Pferde 40 Znetimeter tief im Wasser. Sie wurdena us ihren Boxen herausgeholt.

Auch die L837 in Willebadessen ist vom Untwetter betroffen gewesen. Dort sind Teile der Fahrbahn mit Schlamm überspült worden.

SHS besonders betroffen

Schwerpunkt der Einsätze im Kreis Gütersloh war beim Starkregen in der Nacht zu Dienstag Schloß Holte-Stukenbrock , sagt Wehrführer Claus Oberteicher. In den Stadtteilen Schloß Holte, Sende und Liemke haben die Feuerwehrleute 34 Keller ausgepumpt.

Gegen 1 Uhr sei der Wassereinsatz beendet gewesen, allerdings währte die Pause nur kurz. Gegen 3 Uhr wurden die Feuerwehrleute zu einem Verkehrsunfall auf der A33 gerufen.

Das schwere Gewitter über Herford zu 19 Feuerwehreinsätzen geführt.

350 Einsätze im Kreis Lippe

Besonders stark betroffen war nach Angaben der Polizei der Kreis Lippe. Tief »Axel« brachte dort binnen 24 Stunden stellenweise 80 bis 90 Liter Niederschlag pro Quadratmeter. Vielerorts traten dort auch Bäche und Flüsse über die Ufer. So überschwemmte die Bega in Lemgo einen Parkplatz und mehrere Straßen.

Dei Wehren rückten insgesamt zu 350 wetterbedingten Einsätzen aus. Vollgelaufene Keller und überschwemmte Straßen waren der Hauptgrund für die Einsätze. Auch am Dienstagmorgen waren laut einem Polizeisprecher im Kreis Lippe noch 15 Straßen gesperrt.

Wie die Polizei Detmold mitteilte, ist neben einigen kleineren Straßen auch die B66 an zwei Stellen gesperrt. Auf der Ostwestfalenstraße (L 712) kam es zudem zu einem Verkehrsunfall: Ein Lastwagen und ein Auto stießen frontal zusammen, sagte ein Sprecher. Die Ostwestfalenstraße ist nach Informationen der Polizei voraussichtlich noch bis mindestens 12 Uhr heute Mittag gesperrt. Ob es Verletzte gab, war zunächst unklar.

In Dörentrup rückte sie zudem aus, um einen brennenden Dachstuhl nach einem Blitzeinschlag zu löschen. In Lemgo retteten Einsatzkräfte eine Schafherde vor den steigenden Pegelständen.

Der Deutsche Wetterdienst rechnet in Nordrhein-Westfalen bis zum Mittag weiterhin mit teils heftigem Starkregen. In OWL sei mit einzelnen Gewittern, Hagel und starken bis stürmischen Böen zu rechnen. Dort und auch im Sauerland sei bis zum Nachmittag noch mit Dauerregen zu rechnen.

Am Donnerstag soll dann ein Zwischenhoch vorerst für Entspannung sorgen – aber: Eine stabile Hochdruckwetterlage ist derzeit noch nicht in Sicht.

Kreißsaal muss geräumt werden

Große Wassermassen sind überall in Deutschland niedergegangen: In Berlin war zeitweise der Ausnahmezustand ausgerufen worden und die Autobahn 4 zwischen Herleshausen (Hessen) und Gerstungen (Thüringen) war gesperrt.

In einem Krankenhaus in Helmstedt in Niedersachsen mussten die Intensivstation und der Kreißsaal geräumt werden. Nach Angaben der Feuerwehr waren insgesamt sechs Menschen betroffen – drei Frauen aus der Entbindungsstation und drei Intensivpatienten.

Die Decke des Kreißsaals in Helmstedt stürzte nach ersten Erkenntnissen ein, nachdem sich auf dem Dach des Klinikums wegen eines verstopften Fallrohrs Regenwasser gestaut hatte. Da zum Teil der Strom ausfiel, räumten die Einsatzkräfte vorsichtshalber die angrenzende Intensivstation. Rund 150 Einsatzkräfte der Feuerwehr waren vor Ort.

»Axel« geht die Puste aus

Wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) mitteilte, beruhige sich das Wetter nach den heftigen Regenfällen vor allem im Süden und der Mitte Deutschlands in den kommenden Tagen etwas. »Das Ärgste ist vorbei«, sagte ein Meteorologe des DWD am Dienstag in Offenbach. Zwar müsse noch weiter mit Niederschlägen gerechnet werden, doch Tief »Axel« ziehe von Mittwoch an über Polen nach Osten ab.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6628417?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198397%2F2949417%2F