Mi., 17.07.2019

Junge Musiker der Detmolder Sommerakademie im Kulturland »Der schönste Arbeitsplatz in NRW«

Die jahrhundertealte Möller-Orgel der Abtei Marienmünster hat Hans Hermann Jansen (rechts) am Dienstag (16. Juli) den Teilnehmern der Sommerakademie der Hochschule für Musik (Detmold) vorgestellt. Professor Martin Sander (hinten links) leitet die Gruppe. Der junge Musiker Lukas (14) durfte sie sogar kurz spielen.

Die jahrhundertealte Möller-Orgel der Abtei Marienmünster hat Hans Hermann Jansen (rechts) am Dienstag (16. Juli) den Teilnehmern der Sommerakademie der Hochschule für Musik (Detmold) vorgestellt. Professor Martin Sander (hinten links) leitet die Gruppe. Der junge Musiker Lukas (14) durfte sie sogar kurz spielen. Foto: Harald Iding

Von Harald Iding

Marienmünster/Detmold (WB). Die Konkurrenz auf dem Musikermarkt ist groß. Technik ist dabei aber nicht alles. »Wir möchten gerne aus jungen Menschen Persönlichkeiten machen, die in der Lage sind, sich allumfassend mit Musik zu befassen, sie nicht nur ausüben, sondern auch intellektuell reflektieren«, sagte am Dienstag Friedrich von Plettenberg dem WESTFALEN-BLATT. Junge Musiker der Sommerakademie der Hochschule für Musik (HfM) in Detmold sind derzeit auf Stippvisite im Kulturland – auch in Marienmünster.

Dort hieß die jungen Leute im Alter zwischen 14 bis 19 Jahren, die aus ganz Deutschland angereist sind und in ihrem Fachbereich »Orgel« von Martin Sander (internationaler Konzertsolist und Professor für Künstlerisches Orgelspiel an der HfM in Detmold) betreut werden, der künstlerische Leiter der Gesellschaft der Musikfreunde der Abtei, Hans Hermann Jansen, willkommen.

Der Organist und Musikpädagoge Jansen hat eine ganz besondere Affinität zur Abtei-Barockorgel, die einst (1736) vom Lippstädter Orgelbauer Johann Patroclus Möller erbaut wurde – und die zu den wohl bedeutendsten und klangschönsten Instrumenten in der weiten Region zählt. Nach fast zweieinhalbjähriger umfangreichen Sanierung wurde die prachtvolle Orgel im November 2012 wieder ihrer Bestimmung übergeben. Sie verfügt über 42 Register auf drei Manualen und berührt mit ihren Musik immer wieder die Seele. »Das ist der schönste Arbeitsplatz in Nordrhein-Westfalen, an dem ich hier sitze«, sagte am Dienstag Hans Hermann Jansen mit freudigem Gesicht, als er dem musikalischen Nachwuchs der Sommerakademie die Technik und Vielfältigkeit der »Königin aller Instrumente« vorstellte.

Die jungen Musiker der Sommerakademie kommen aus ganz Deutschland. Sie sind von der Orgel in Marienmünster begeistert. Foto: Harald Iding

»Um ein wenig von dieser wundervollen Orgel zu verstehen, müssen wir die Grundierung, die wir hier im Prospekt haben, kennenlernen. Wir ziehen einfach mal etwas ganz Falsches, eine Mixtur, dazu. Und dann die Trompete vielleicht einmal – mit drei Registern.« Und dann nimmt er noch eine Posaune dazu. »Aber nur eine«, lacht Jansen.

Die jungen Zuhörer kleben mit den Augen an seinen Fingern und verfolgen jeden seiner Schritte. Das ist ein Unterricht, wie ihn wohl jeder Musikschüler liebt. Direkt und ohne Umwege, einfach das Instrument in seiner Bedeutung und ganzen Kraft direkt und live erleben. Der 14-jährige Lukas Schulze aus Berlin darf sich an die Orgel setzen und die Tasten (Klaviatur) berühren. »Ich spiele seit fünf Jahren Orgel«, verrät der Jugendliche. Auch sein älterer Bruder würde an der Akademie teilnehmen. Später ist dann noch ein Besuch der Gruppe im Orgelmuseum von Borgentreich vorgesehen. Auch da gibt es viele Impulse.

»Hochschulluft schnuppern«

Rund 30 Kilometer entfernt von der Abtei übt der 13-jährige Nachwuchshornist Lukas Singer aus Brakel. Er wird von Professor Norbert Stertz im Rahmen der Detmolder Sommerakademie (15. Auflage) unterrichtet. Lukas sagte gestern: »Ich nehme daran teil, um von einem Lehrer wie Herrn Stertz neue und vor allen Dingen differenzierte Tipps für mein Hornspiel zu erhalten. Außerdem wollte ich austesten, ob ein Musikstudium für mich infrage kommt. Beides trat bereits nach kürzester Zeit ein!«

Und was ist der Grund für diese intensive, frühe Förderung? Dazu HfM-Sprecher Friedrich von Plettenberg: »Ob jemand das Potential hat, später einmal Musiker zu werden, erkennt man oft schon im Kindesalter. Lernerfolge stellen sich da zumeist schneller ein und sicherlich geht es auch darum, sich so früh wie möglich eine solide Technik auf seinem Instrument anzueignen, die einem später keiner mehr wegnehmen kann.«

Hornist Lukas Singer (13) aus Brakel vor dem Hochschulgebäude in Detmold: »Durch die Akademie bekomme ich differenzierte Tipps!« Foto: Hochschule für Musik

Die intellektuelle Reflexion beginne jedoch nicht erst mit dem Studium, sondern bereits lange Zeit davor. »Neben unserer Detmolder Sommerakademie haben wir auch ein Jungstudierenden-Institut, in dem junge Nachwuchsmusiker sich neben der Schule auf ein Musikstudium vorbereiten können. Das alles tun wir deswegen, weil wir aktiv Nachwuchsarbeit betreiben möchten!«

Übrigens: Bei der Akademie, die jedes Jahr als Ausklang des Sommersemesters stattfindet, handelt es sich um eine Nachwuchsförder­initiative. Von Plettenberg: »Wir laden junge Menschen mit Potential (wie Preisträger von ›Jugend musiziert‹) zu uns ein. Sie erhalten hier ein Stipendium und können quasi eine Woche lang ›Hochschulluft‹ schnuppern.«

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