Sa., 20.07.2019

Konzern nimmt nach 15 Jahren die Elektronikfertigung wieder auf Weidmüllers Comeback

Weidmüller-Vorstand Volker Bibelhausen (links) und Fertigungsleiter Hubertus Köhler zeigen eine Leiterplatte. Im Hintergrund ist Techniker Tobias Bunte zu sehen.

Weidmüller-Vorstand Volker Bibelhausen (links) und Fertigungsleiter Hubertus Köhler zeigen eine Leiterplatte. Im Hintergrund ist Techniker Tobias Bunte zu sehen. Foto: Fels

Von Paul Edgar Fels

Detmold (WB). Weidmüller macht eine 15 Jahre alte Entscheidung rückgängig und dürfte damit in der Branche für Aufmerksamkeit sorgen: Das Detmolder Familienunternehmen (4900 Mitarbeiter) lässt seine einst verkaufte Elektronikfertigung wieder aufleben. Startschuss soll bereits nach den Sommerferien sein.

Das hat der seit knapp einem Jahr amtierende Technologievorstand Volker Bibelhausen (53) am Freitag dieser Zeitung erläutert. »Damit erweitern wir unser Geschäftsmodell und das ist wichtig für die weitere strategische Ausrichtung des Unternehmens«, sagt Bibelhausen.

So wolle Weidmüller in den nächsten drei bis vier Jahren seinen Umsatz von zuletzt 820 Millionen Euro auf über eine Milliarde Euro steigern. Die Elektronikfertigung solle dabei perspektivisch einen »signifikanten Anteil« zum Gesamtumsatz beisteuern.

Hochmoderne Produktionsanlage

Unter Leitung des ehemaligen Bosch- und Phoenix-Contact-Managers Bibelhausen wurde in einer Halle in unmittelbarer Nähe zum kürzlich bezogenen neuen Technologiezentrum in Detmold eine hochmoderne Produktionsanlage aufgebaut. Weidmüller habe dafür rund fünf Millionen Euro investiert. Dort entstehen Leiterplatten, die in den Produkten des Herstellers von Verbindungstechnik eingesetzt werden. Außerdem werde Weidmüller LED-Systeme für Windkraftanlagen produzieren, nennt Bibelhausen ein Beispiel. »Wir sorgen dafür, dass Gondel und Turm beleuchtet sind«, sagt der gebürtige Bremer, der seit 1997 in Detmold lebt.

Weidmüller war 2004 aus der Elektronikfertigung ausgestiegen. Ein Fehler, wie heute viele meinen. Die Sparte wurde damals an Glöckner-Moeller verkauft. Das Bonner Unternehmen wiederum wurde später von einem amerikanischen Konzern geschluckt. Inzwischen befindet sich die Immobilie an der Ohmstraße in Detmold wieder im Eigentum von Weidmüller. »In eineinhalb Jahren wollen wir die Elektronikfertigung wieder dort ansiedeln«, sagt Bibelhausen. »Das ist dann unser Comeback«, fügt er hinzu.

Elektronikentwicklung

Bibelhausen wurde zum 1. September 2018 vom Aufsichtsratsvorsitzenden des Familienunternehmens, Christian Gläsel, in den Vorstand berufen. Sein Ziel: Weidmüller technologisch zu stärken. Gerade die Elektronikfertigung gilt als margenstark. Das heißt: Hier lassen sich gute Renditen erwirtschaften. Über eine Elektronikentwicklung mit rund 100 Mitarbeitern verfügt Weidmüller bereits seit gut sechs Jahren. Zum Know-how gehöre aber auch die Elektronikfertigung, betonte Bibelhausen. Unter Fertigungsleiter Hubertus Köhler werden in der Elektronikfertigung zunächst zehn Mitarbeiter tätig sein. Die relativ niedrige Zahl sei auf den hohen Automatisierungsgrad der Hightech-Maschinen zurückzuführen. Köhler: »Die Maschinen kommunizieren miteinander – etwa bei der Qualitätskontrolle.«

Weidmüller schwenkt damit auf den Weg ein, den andere Mitbewerber in OWL wie Harting, Phoenix Contact, Wago und Beckhoff seit längerem gehen.

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