Di., 23.07.2019

Vor allem WLAN und ausreichend Sitzgelegenheiten fehlen – mit Video Bahnhöfe in OWL: Grüne sehen massiven Nachholbedarf

Die Bahnhöfe in Steinheim (oben links) und Salzkotten (oben rechts) kamen gut an. An den Bahnsteigen in Brackwede (unten links) und Willebadessen (unten rechts) gibt’s nach Ansicht der Umfrageteilnehmer Verbesserungspotenzial.

Die Bahnhöfe in Steinheim (oben links) und Salzkotten (oben rechts) kamen gut an. An den Bahnsteigen in Brackwede (unten links) und Willebadessen (unten rechts) gibt’s nach Ansicht der Umfrageteilnehmer Verbesserungspotenzial. Foto: Klink, Hannemann, Thöne

Von Jan Gruhn

Bielefeld (WB). Wie steht’s um die Bahnhöfe in Ostwestfalen-Lippe? Geht’s nach den Grünen, besteht zum Teil massiver Nachholbedarf.

Das geht laut den beiden Landtagabgeordneten Matthi Bolte-Richter (Bielefeld) und Wibke Brems (Gütersloh) aus einer Umfrage des grünen Bezirksverbandes OWL hervor. Darin wurden die Aufenthaltsqualität und der Zustand des Bahnhofs, die Barrierefreiheit und die Möglichkeiten der Weiterfahrt mit anderen Verkehrsmitteln untersucht.

Die Umfrage sei zwar nicht repräsentativ, erklärten Bolte-Richter und Brems am Montag. Aber sie zeige zum Beispiel, dass Bahnhöfe in der Regel immer noch keine Orte seien, an dem sich Menschen gerne aufhalten. So seien Zahl und Qualität von Sitzgelegenheiten schlecht beurteilt, noch stärker sei das Fehlen von Warteräumen und der schlechte bauliche Zustand der Bahnhofsgebäude generell bemängelt worden. WLAN am Bahnhof sei die Ausnahme, obwohl die Aufenthaltsqualität so mit einfachen Mitteln gesteigert werden könnte, sagte Bolte-Richter.

Aufzügen und Rolltreppen

Deutlichen Aufholbedarf gebe es auch bei Aufzügen und Rolltreppen: Lediglich an acht von 42 Bahnhöfen mit mehr als zwei Gleisen sei durchgängiger Zugang zu allen Gleisen mit entsprechenden Vorrichtungen sichergestellt. Nur selten verfügten Bahnhöfe oder Haltepunkte über behindertengerechte Toiletten.

Hintergrund des Bahnhofchecks ist, dass die Klimaziele aus Sicht der Grünen nur erreicht werden können, wenn die Zahlen der Bahnfahrgäste bis 2030 verdoppelt wird. Das heißt: auf bis zu 300 Millionen Fahrgäste im Fern- und bis zu sechs Milliarden Fahrgäste im Nahverkehr. Das funktioniere aber nur mit mehr Zügen und einem besseren digitalen Schienennetz, argumentieren die Grünen. Dafür müssten die Mittel bereitgestellt werden.

»Doch die deutsche Bahn hat ein Problem in Berlin«, sagte Bolte-Richter, »und das heißt CSU.« Noch immer stehe im Bundesverkehrsministerium, geführt von Minister Andreas Scheuer (CSU), zu sehr das Auto im Mittelpunkt. Den Start des Bahnhofschecks hatte die Partei medienwirksam mit dem Chef der Bundestagsfraktion, Anton Hofreiter, im März eingeläutet.

Gute und schlechte Bahnhöfe

Grundsätzlich, so erklären Bolte-Richter und Brems, hätten die 149 Teilnehmer der Umfrage den Bahnhöfen einen guten Zustand attestiert. Am besten bewertet wurden den Angaben der Grünen zufolge die Bahnhöfe in Steinheim (Kreis Höxter), Detmold (Kreis Lippe) und Salzkotten. Aber es gebe eben auch Bahnhöfe, die den Kunden ein Dorn im Auge seien.

Glücklicherweise, so Bolte-Richter, werde zum Beispiel der als schlecht bewertete Bahnhof in Bielefeld-Brackwede gerade aufwendig umgebaut – für immerhin 17 Millionen Euro. Weitere Bahnhöfe mit miesen Noten sind laut Bolte-Richter unter anderem Bielefeld-Ost, Clarholz (Kreis Gütersloh), Willebadessen (Kreis Höxter) oder Helpup (Kreis Lippe).

Nach Ansicht von Matthi Bolte-Richter müssten mehr Züge auf die Strecken gebracht werden: »Das schaffen wir aber nicht, wenn wir – wie hier in OWL noch weit verbreitet – auf Stellwerke aus der Kaiserzeit setzen.« Zudem sollten die Bahnhöfe, so sehen es zumindest Bolte-Richter und Brems, besser an den weiteren Verkehr angeschlossen werden. »Was bringt es mir, wenn ich gut an einem Bahnhof ankomme, es dann aber nicht weiter geht.« Sowohl quantitativ als auch mit Blick auf die Taktung gebe es erheblichen Nachbesserungsbedarf. Es könne nicht sein, dass man am Bahnhof noch stundenlang auf den Zug warten müsse, erklärte Bolte-Richter.

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