Fr., 16.08.2019

Tierschützer kritisieren Netze in Detmolder Parkhaus Tauben sitzen in der Falle

Streitthema Tauben: In Detmold hat eine Spezialfirma nach Beschwerden über Taubenkot in einem Parkhaus ein Netz gespannt, um die Tiere fernzuhalten. Tierschützer sehen in der Aktion Tierquälerei.

Streitthema Tauben: In Detmold hat eine Spezialfirma nach Beschwerden über Taubenkot in einem Parkhaus ein Netz gespannt, um die Tiere fernzuhalten. Tierschützer sehen in der Aktion Tierquälerei. Foto: dpa

Von Florian Weyand

Detmold (WB). Nach Beschwerden über Taubenkot in einem Parkhaus in Detmold spannte eine Spezialfirma ein Netz , um die Vögel fernzuhalten. Tierschützer fanden dahinter jedoch brütende Tauben. Sie sprechen nach der Aktion von Tierquälerei.

Ein Fonds des Unternehmens Deka-Investment hatte das Gebäude in der Langen Straße in Detmold erst vor einigen Monaten übernommen. »Auf dem Parkdeck hatten sich bereits unter dem Voreigentümer massenhaft Tauben angesiedelt, die die Nutzung des Parkdecks beeinträchtigt haben«, sagt ein Firmensprecher. Deshalb beauftragte die Deka ein Fachunternehmen, die unter anderem Netze gespannt hat, um ein Zurückkehren der Tauben zu verhindern.

Tierschützer von Reaktion der Polizei enttäuscht

Detmolder Tierschützerinnen kritisierten die Installation. Die Netze seien so gespannt gewesen, dass die Tauben nicht mehr rauskamen, sagt eine Tierschützerin gegenüber dieser Zeitung. »Das war kein schöner Anblick. Ich habe auch Nester mit Küken gesehen. Die Tauben wären verhungert, wenn sie nicht befreit worden wären.«

Die Detmolderin und zwei weitere Frauen reagierten. Sie riefen am vergangenen Sonntag die Polizei, um die Beamten auf den aus ihrer Sicht bestehenden Fall von Tierquälerei hinzuweisen. Von der Reaktion der Polizisten waren die drei Frauen enttäuscht. »Wir hatten das Gefühl, dass sich die Polizei über uns lustig gemacht hat. Sie sagten, dass wir uns strafbar machten, wenn wir selbst an die Netze gingen und die Tiere befreiten.«

Tierarzt macht sich Bild von der Lage

Die Polizei erklärt auf Nachfrage, dass sie natürlich ein Auge auf das Tierwohl habe. Daher seien die Beamten den Hinweisen auch mehrfach nachgegangen. »Zweimal waren Kollegen am Sonntag vor Ort, sie haben sich zuvor mit der Feuerwehr besprochen«, sagte Polizeisprecherin Dr. Laura Merks.

Vor Ort im Parkhaus ist seit mehren Tagen auch der Tierarzt Dr. Michael Beiner vom Veterinäramt des Kreises Lippe dabei. Er machte sich seit Montag ein Bild von der Situation. »Es handelt sich dort um einen großen Bereich, der aufgrund von Versorgungsschächten schwer einsehbar ist«, berichtet Beiner. Daher könnten Tauben oder ihre Nester von den Mitarbeitern der Spezialfirma übersehen worden sein, vermutet er. »Es gibt dort Unterschlupfmöglichkeiten, in denen sich die Tiere verstecken können.« Ihm sei von dem Unternehmen versichert worden, dass alles versucht werde, um die Tauben aus den Netzen zu bekommen. Daher seien auch Trichter in die Netze eingebaut worden, aus denen die Tiere hinausfliegen könnten. »Die Tauben haben die Öffnungen aber nicht gefunden«, sagt Beiner.

Experte rät zu Taubenhäusern

Der Hausmeister des Parkhauses schaue jetzt täglich nach weiteren Tieren, heißt es von der Deka. »Zudem sind wir im Austausch mit dem Veterinäramt«, erklärt ein Sprecher. Auch Lebendfallen mit Wasser und Futter seien aufgestellt worden. Am Montag wurden zehn Vögel, am Dienstag zwei Tiere entdeckt.

Ralf Unna, Tierarzt aus Köln, schlägt wirksamere Methoden vor. Er rät, Taubenhäuser zu bauen, die Vögel anzufüttern und letztlich die Eier auszutauschen, um die Population auf lange Sicht zu reduzieren. Von Netzen hält er nichts. »Alle Maßnahmen, ob Drähte, Spikes oder rutschige Erdplatten, sind besser, als irgendwelche Netze. Darin verfangen sich die Tiere und können elend zugrunde gehen«, sagt er.

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