Fr., 16.08.2019

Andreas V. (56) leidet an Nervenentzündung – Gutachterin sieht große Rückfallgefahr – mit Video Missbrauchsprozess Lügde: Angeklagter im Rollstuhl

Andreas V. wird im Rollstuhl in den Saal geschoben.

Andreas V. wird im Rollstuhl in den Saal geschoben. Foto: Christian Althoff

Von Christian Althoff

Detmold (WB). Im Missbrauchsprozess Lügde ist der Angeklagte Andreas V. (56) am Morgen in einem Rollstuhl in den Gerichtssaal geschoben worden. Der Mann, der die hundertfache Vergewaltigung von Kindern gestanden hat, leidet an einer Nervenentzündung , die von einem Virus verursacht wurde.

Andreas V. durfte deshalb sitzenbleiben, als das Gericht eintrat. Zu Beginn des neunten Verhandlungstages erstattete die Gutachterin Dr. Marianne Miller ihr Gutachten über Andreas V. Sie sagte, er sei in einem behüteten Elternhaus aufgewachsen, ohne Gewalt oder Missbrauch. Die Ärztin bescheinigte dem Angeklagten eine narzistische, dissoziale Persönlichkeit. Er sei voll schuldfähig, pädophil und auf Mädchen im Grundschulalter fixiert. Seine Neigung, Kinder zu missbrauchen, sei tief in ihm verwurzelt. »Ich sehe eine große Rückfallgefahr, an der auch eine lange Gefängnisstrafe nichts ändern wird«, erklärte Dr. Miller.

Kennenlernen im Freibad

In ihrem Gutachten gab sie auch das wieder, was ihr Andreas V. über seine Pflegetochter gesagt hatte. Danach war die Mutter dieses Mädchens selbst noch ein Kind, als er sie im Freibad Lügde kennenlernte und sich dort immer wieder traf. Sehr jung habe diese Frau dann eine Tochter bekommen. Sie habe das Kind von Anfang an nicht gewollt und ein halbes Jahr gebraucht, um es erstmals auf den Arm zu nehmen. Sie habe das Kind zum ersten Mal zu ihm gebracht, als es neun Monate alt gewesen sei, dann habe sie es jedes Wochenende bei ihm abgegeben. Als das Mädchen vier oder fünf gewesen sei, habe die Mutter gesagt, er könne es abholen.

Er habe das Mädchen zu sich genommen und das Jugendamt informiert. Das habe ihm ein Jahr später vorgeschlagen, er solle doch die Pflege beantragen. Die Mutter habe zugestimmt, und er habe sie in den Jahren danach nur einmal gesehen, das Kind sei ihr egal gewesen. Diese Angaben widersprechen der bisherigen Darstellung des Jugendamts Hameln-Pyrmont, das behauptet hatte, die Mutter habe darauf bestanden, das Kind auf den Campingplatz zu geben.

Ab 11 Uhr wollen die Staatsanwältinnen plädieren, unter Ausschuss der Öffentlichkeit.

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