Sa., 21.03.2020

87-Jähriger erstes Opfer in Ostwestfalen-Lippe – Labor stockt auf Corona-Patient stirbt in Detmold

Symbolbild.

Symbolbild. Foto: dpa

Von Christian Althoff

Detmold (WB). In Detmold ist ein 87 Jahre alter Corona-Patient gestorben. Der Mann habe Vorerkrankungen gehabt und sei im Klinikum Lippe behandelt worden, wo er verstorben sei, teilte der Kreis Lippe am Freitag mit. Nach vorläufigen Informationen ist der Patient das erste Todesopfer des neuen Virus in Ostwestfalen-Lippe, einer Region mit 2,05 Millionen Einwohnern.

Lippes Landrat Axel Lehmann (SPD) sagte, seine Gedanken seien bei den Angehörigen und Freunden des Verstorbenen. Lehmann appellierte an die Bevölkerung, sich an die Regeln zur Eindämmung des Virus zu halten, den Kontakt zu anderen deutlich zu reduzieren und möglichst zu Hause zu bleiben. In einer Video-Botschaft sagte er, in Italien seien allein am Mittwoch 475 Menschen an Corona gestorben, und im Großraum Madrid alle 17 Minuten ein Mensch. „Das wollen wir hier verhindern.”

In Ostwestfalen-Lippe waren am Freitag 699 positiv getestete Menschen bekannt – 16 Prozent mehr als am Donnerstag (592). Bielefeld meldete 72 Betroffene, der Kreis Gütersloh 179, der Kreis Herford 84, der Kreis Höxter 16, der Kreis Lippe 133, der Kreis Minden-Lübbecke 140 und der Kreis Paderborn 75.

Der Aussagewert dieser Zahlen ist allerdings sehr eingeschränkt. Zum einen sind manche positiv Getestete inzwischen wieder gesund, zum anderen nutzen die Kreise die Diagnose durch Abstriche unterschiedlich stark. So wird der Kreis Höxter sein Abstrichzentrum erst in der kommenden Woche eröffnen, während solche Zentren in anderen Kreisen schon länger arbeiten. Je mehr Abstriche gemacht werden, umso mehr Infektionsfälle werden bekannt.

Der Kreis Minden-Lübbecke kündigte sogar an, weniger Abstriche zu nehmen, um Ressourcen zu schonen, was die Daten noch weniger vergleichbar machen wird. So sollen im Kreis Minden-Lübbecke nur noch die kränksten Menschen eines Haushalts zum Abstrich geladen werden. Und Verdachtsfälle innerhalb des Klinikpersonal sollen beim Auftreten erster Symptome gar nicht mehr getestet, sondern für zwei Wochen in Quarantäne geschickt werden. Nach Abklingen der Symptome sollen die Mitarbeiter dann unter Einhaltung der Hygienevorschriften wieder arbeiten.

Unterdessen weitet das Labor Krone in Bad Salzuflen, das größte Corona-Diagnosezentrum Nordrhein-Westfalens, seine Kapazitäten aus. Prof. Dr. Carsten Tiemann, Laborleiter Molekulare Diagnostik, sagte am Freitag: „Wir arbeiten jetzt auch sonntags, weil die Abstrichzentren ebenfalls sieben Tage pro Woche arbeiten.” Im Moment würden pro Tag annähernd 2000 Rachenabstriche auf das Corona-Virus untersucht. „Bei uns laufen ständig elf Analysegeräte, in die jeweils 96 Proben passen.” Man sei in der Lage, die Zahl der Analysen noch weiter hochzufahren, wenn das in den kommenden Wochen nötig werde.

Inzwischen erkundigten sich auch Unternehmen, ob das Labor die Belegschaften testen könne. „Aber es macht überhaupt keinen Sinn, Menschen zu testen, die keine Symptome haben und keinen bekannten Kontakt zu Infizierten hatten”, sagte Tiemann. Man werde auch keine Aufträge annehmen, unter denen die Ärzte, Krankenhäuser und Gesundheitsämter in Ostwestfalen-Lippe zu leiden hätten.

Eine wissenschaftliche Auswertung der Daten, die im Labor Krone anfallen, gibt es noch nicht, aber eine Aussage wagt der Molekularbiologe trotzdem: „Die ursprüngliche Annahme, das Virus treffe mehr Männer als Frauen, scheint sich nicht zu bestätigen. Da spricht im Moment viel für eine annähernd ausgeglichene Verteilung.”

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