Allein in Ostwestfalen-Lippe sagen Schulen 1965 Reisen ab
Stornierte Klassenfahrten: NRW zahlt mehr als 25 Millionen

Düsseldorf/Detmold/Bielefeld (WB). Kein Paris, kein London, kein Prag, kein Rom: Die Schulen in Nordrhein-Westfalen haben in den vergangenen Monaten mehr als 10.000 Klassenfahrten coronabedingt abgesagt.

Montag, 28.09.2020, 02:00 Uhr aktualisiert: 28.09.2020, 06:33 Uhr
Symbolbild. Foto: Tom Mihalek/dpa
Symbolbild. Foto: Tom Mihalek/dpa

Für die Reiserücktrittskosten müssen aber nicht, wie sonst, die Eltern aufkommen: Das Land springt ein. „Bis Ende Juli lagen uns Erstattungsanträge von Schulen über etwa 25 Millionen Euro vor“, sagte ein Sprecher des Schulministeriums dem WESTFALEN-BLATT.

Aus Infektionsschutzgründen hatte das Ministerium im Mai alle 5.500 Schulen angewiesen, ein- und mehrtägige Klassenfahrten, Studienreisen und Schüleraustausche mit Auslandsbezug abzusagen, die vor den Herbstferien stattfinden sollten. In dem Erlass erklärte das Land seine Bereitschaft, die Stornogebühren zu tragen. Fahrten und Exkursionen innerhalb Deutschlands blieben aber nach Auffassung des Ministeriums unter Beachtung der Infektionsschutz-Maßnahmen weiter möglich.

Erstattungsanträge für 1965 Fahrten allein in OWL

Peter Westphal von der Bezirksregierung in Detmold: „In Ostwestfalen-Lippe lagen uns bis zum 21. September Erstattungsanträge für 1965 Fahrten vor.“ Fast 1700 Anträge seien inzwischen bearbeitet worden. „Wir haben bisher 3,48 Millionen Euro Reiserücktrittskosten erstattet.“

Das entspricht einer durchschnittlichen Reiserücktrittsgebühr von etwas über 2000 Euro pro Klasse. Peter Westphal: „Die Pro-Kopf-Stornogebühren sind vergleichsweise niedrig, weil die Schulen die Fahrten zum Teil Monate vor dem geplanten Reisetermin absagen konnten.“

In Nicht-Corona-Zeiten müssen Eltern für die Stornokosten aufkommen. Das Schulministerium verweist auf die Richtlinien für Klassenfahrten, in denen es heißt: „Bei mehrtägigen Veranstaltungen und bei Veranstaltungen, die mit erhöhten finanziellen Belastungen verbunden sind, ist vor Vertragsabschluss von allen Eltern – auch von denen volljähriger Schüler – eine schriftliche, rechtsverbindliche Erklärung einzuholen, dass sie der Teilnahme an der Veranstaltung zustimmen und sich verpflichten, die Kosten zu tragen. Dabei ist auf die Möglichkeit hinzuweisen, eine Reiserücktrittsversicherung abzuschließen.“ Eltern haben die Kosten auch zu übernehmen, wenn ihr Kind aus Krankheitsgründen nicht mitfahren oder früher nach Hause zurückkehren muss.

Klassenreiseverbot und die Stornokosten-Regelung laufen aus

Nach den Herbstferien in NRW (12.-24. Oktober) gelten das Klassenreiseverbot und die Stornokosten-Regelung des Landes nicht mehr. Ein Ministeriumssprecher: „Schulen können für die Zeit nach den Ferien wieder selbst bestimmen, ob und welche Fahrten sie durchführen.“ Das täten sie dann in eigener Verantwortung. Das sei auch möglich, weil es inzwischen genügend Informationen zur Risikoeinschätzung gebe. Damit tritt auch die Kostenübernahmepflicht der Eltern wieder in Kraft – sofern nicht der Standort der Schule oder das Zielgebiet vom Robert-Koch-Institut als Risikogebiet eingestuft wurden.

Maike Finnern aus Bielefeld, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), sagt, die neue Regelung führe in manchen Schulen zu Unsicherheiten. Die Schulkonferenzen, denen Lehrer, Eltern und Schüler angehörten, hätten jetzt viele Fragen zu klären. „Etwa, ob alle Fahrten abgesagt werden sollen oder nur Auslandsreisen. Auch die Frage der Stornierungen und Finanzierung und des Infektionsschutzes vor Ort führen zu Diskussionen.“ Der Trend gehe deshalb in die Richtung, Klassenfahrten so weit wie möglich zu verschieben.

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