Historisches Wohngebäude aus dem Siegerland entsteht im Freilichtmuseum Detmold neu
Hallo, altes Haus!

Detmold (WB) -

Wenn das Freilichtmuseum Detmold in diesem Jahr 50-jähriges Bestehen feiert, dann macht es sich selbst ein Geschenk von historischen Wert: Im Sommer wird der Wiederaufbau eines mehr als 200 Jahre alten Wohnhauses aus dem Siegerland vollendet.

Freitag, 26.02.2021, 23:18 Uhr aktualisiert: 27.02.2021, 13:45 Uhr
Unterhalb der Kapellenschule (links) entsteht auf dem Museumsgelände das historische Wohnhaus.
Unterhalb der Kapellenschule (links) entsteht auf dem Museumsgelände das historische Wohnhaus. Foto: Kolesch

Das Fachwerkgebäude ist das erste Wohnhaus auf dem Gelände des künftigen Siegerländer Weilers, das unterhalb des Sauerländer Dorfs auf dem Museumsgelände entsteht. Hier will das Museum die dörflichen Verhältnisse der 1950er- und 1960er-Jahre im Siegerland präsentieren. Geprägt ist die Epoche einerseits noch von einer historischen Gebäudesubstanz, andererseits aber bereits von technischen Neuerungen. Plumpsklo und Fernsehgerät existierten nebeneinander.

Bislang waren im Museum lediglich Funktionsgebäude aus der Siegerländer Region zu sehen: Die Kapellenschule aus dem Ort Werthenbach, in der neben dem Gottesdienstraum ein abgetrenntes Klassenzimmer eingerichtet war, und die Tankstelle aus Siegen-Niederschelden, die sich zu einem Treffpunkt für Alttraktorenclubs aus der Region entwickelt hat.

Eine Tankstelle aus Siegen-Niederscheiden bei der Eröffnung im Jahre 1951. Seit 2013 steht sie auf dem Gelände des Freilichtmuseums.

Eine Tankstelle aus Siegen-Niederscheiden bei der Eröffnung im Jahre 1951. Seit 2013 steht sie auf dem Gelände des Freilichtmuseums. Foto: Lwl Detmold

Das zweistöckige Haus Stöcker hat eine Geschichte, die weit über das vorige Jahrhundert hinaus reicht. Untersuchungen der Jahresringe im Balkenholz haben bestätigt, dass das Haus im Jahr 1797 errichtet wurde. Es stand auf einem Grundstück in Burgholdinghausen im Kreis Siegen-Wittgenstein, Bauherr war ein Mann namens Benjamin Moses. Das Gebäude ist damit der erste nachweisbare Hausbau ei­nes Juden in dem Kreis.

Benjamin Moses war „der erste Jude, der sich nach den Vertreibungen des Mittelalters im Fürstentum Nassau-Siegen niederließ. Gebaut hat er ein, für damalige Verhältnisse, sehr modernes Wohnhaus, das durch einen Bruchsteinsockel besser vor der Bodenfeuchte geschützt war“, heißt es in den Informationen des Museums.

Die Familie Moses nutzte das Haus zunächst für mehrere Jahrzehnte selbst, das Grundstück nebst einem Waldstück hatten sie vom Freiherrn zu Fürstenberg gekauft. Den Recherchen des Museums zufolge wanderten die Mitglieder der Familie Moses aber nach und nach ab. Das Haus wurde an den Freiherrn zu Fürstenberg verkauft.

Fast 100 Jahre im Besitz der Familie Stöcker

Fast 100 Jahre, von 1860 bis 1959, sei das zweistöckige Fachwerkhaus dann von der namensgebenden Familie Stöcker gepachtet worden. „Die Haushaltsvorstände sind hauptberuflich Bergleute, Eisenbahner, Maurer oder Postbeamte und betreiben eine kleine Landwirtschaft im Nebenerwerb“, heißt es in der Beschreibung des Museums.

„Im Haus Stöcker geht es uns darum, den Aufbruch in die 1960er Jahre zu zeigen. Das Wohnen veränderte sich in dieser Zeit, denn moderne Errungenschaften hielten nach und nach Einzug. Auch wenn die Eheleute Herbert und Annette Stöcker auf dem kleinen Hof ein bescheidenes Leben führten, versuchten sie doch, sich durch gezielte und für damalige Verhältnisse sehr vorausschauende und moderne Anschaffungen, Stück für Stück das Leben zu vereinfachen. So wurden beispielsweise in den 50er Jahren ein Kühlschrank, der bereits erwähnte Fernseher und das ein oder andere moderne Möbelstück angeschafft. Auch ein neuer Herd kam hinzu, der aus zwei Elementen bestand, einem Elektroherd mit Backofen und einem Festbrennstoffherd (beheizbar mit Holz oder Kohle) mit Platte und Backofen. Diese Anschaffungen leistete sich damals noch nicht jede Familie“, erläutert Museums-Sprecherin Ruth Lakenbrink. „Andererseits gab es auch noch das Plumpsklo im Hof und den an den Wohnbereich angrenzenden Stall, denn zum Haus gehörte eine kleine Landwirtschaft mit zwei Kühen, einem Schwein und Hühnern.“

Nachdem die Familie Stöcker das Haus aufgegeben hatte, diente es als Sitz der Forstverwaltung des Stahlindustriellen Albrecht ­Woeste aus Düsseldorf. Bereits im Jahr 1963 wurde das Haus für Museumszwecke gesichert – allerdings nur in seinen Einzelteilen. Während Museen heutzutage versuchen, historische Gebäude als Ganzes oder in zusammenhängenden Teilen zu sichern, blieben vom Haus Stöcker nur Steine und Balken, die nun Stück für Stück wieder zusammengesetzt wurden.

Das Haus soll nicht das einzige im neuen Weiler bleiben. Derzeit ist das Museum auf der Suche nach einem Bungalow aus jeder Zeit. Museumssprecherin Ruth Lakenbrink: „Wir wären daher für Tipps dankbar, falls jemand einen Bungalow aus dem Siegerland abgeben möchte.“

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