Forstbesitzer weisen auf Klimafunktion hin und streben Prämie an
Wald ist mehr als Holz

Dörentrup (WB). Große, bunte Achten sollen schon bald an vielen Waldrändern stehen und darauf aufmerksam machen, dass ein Hektar Mischwald pro Jahr etwa acht Tonnen des schädlichen Treibhausgases CO 2 speichert. Einer der Initiatoren der Aktion ist Joachim von Reden (65) aus Dörentrup, Vorstand im NRW-Landesverband „Familienbetriebe Land und Forst e.V.“.

Samstag, 12.09.2020, 04:00 Uhr aktualisiert: 12.09.2020, 09:10 Uhr
Joachim von Reden (65) und sein Sohn Enno (37) aus Dörentrup stellen eine Acht in ihrem Wald auf. Sie wollen darauf aufmerksam machen, wieviele Tonnen CO2 ein Hektar Mischwald pro Jahr binden kann. Foto: Althoff
Joachim von Reden (65) und sein Sohn Enno (37) aus Dörentrup stellen eine Acht in ihrem Wald auf. Sie wollen darauf aufmerksam machen, wieviele Tonnen CO2 ein Hektar Mischwald pro Jahr binden kann. Foto: Althoff

Sein Sohn Enno (37) führt den Familienbetrieb seit vergangenem Jahr in der 17. Generation. „Wir betreiben seit 1984 Biolandwirtschaft“, sagt er. „Wir bauen Möhren, Pastinaken, Erbsen, Bohnen, Dinkel und vieles mehr an, aber wir bewirtschaften eben auch 100 Hektar Mischwald.“

So wie überall haben das dritte Hitzejahr in Folge und der Borkenkäfer auch in diesem Forst schwere Schäden verursacht. „Es sind nicht nur die Fichten. Auch die ersten Buchen gehen kaputt“, sagt Joachim von Reden. Die Familie sei zum Glück in der Lage, Aufforstungen mit Einnahmen aus dem Ackerbau zu finanzieren. „Das kann nicht jeder Waldbauer.“ Vor allem Besitzer kleiner Wälder könnten mit dem Verkauf von Holz, dessen Preis im Keller sei, die Waldpflege nicht mehr bezahlen. „Das führt dazu, dass erste Wälder verschenkt werden, weil Eigentümern das Geld fehlt, um tote Bäume in Waldwegnähe fällen zu lassen und so ihrer Verkehrssicherungspflicht nachzukommen.“ Andere Waldbesitzer überließen sterbende Flächen sich selbst. „Dort geht dann durch den Borkenkäfer und die Hitze alles kaputt, und irgendwann liegt da nur noch Totholz, das kein CO 2 mehr aufnehmen kann“, sagt Joachim von Reden. „Und das wollen wir verhindern.“

Es geht um Geld

Es geht um Geld. Die Waldbauern möchten, dass sie für die Klimaschutzfunktion ihrer Bäume entlohnt werden – aus den Einnahmen, die mit CO 2 -Rechten gemacht werden. In Deutschland müssen Energieunternehmen, Unternehmen der Luftfahrt sowie energieintensive Industrien wie Zement- und Stahlwerke für jede Tonne CO 2 , die sie ausstoßen, zahlen. Von 2021 an gilt das auch für alle übrigen CO 2 -Emissionen, die durch Verbrennung fossiler Stoffe entstehen, also auch für Benzin und Heizöl. Hier müssen allerdings nicht die Verbraucher die entsprechenden CO 2 -Zertifikate kaufen, sondern die „Inverkehrbringer“, also die Firmen, die die Treibstoffe in Deutschland auf den Markt bringen. Die werden dann teurer.

Ein Zertifikat – es gibt nur eine begrenzte Zahl – für den Ausstoß einer Tonne CO 2 kostet 25 Euro. Bis 2025 werden die Preise auf 55 Euro steigen, und ab 2026 werden die Zertifikate versteigert.

Nach Angaben des World Wildlife Fund for Nature (WWF) entlastet der deutsche Wald das Klima jährlich um 50 Millionen Tonnen CO 2 . Bei der Nutzung des Holzes ist die Bilanz unterschiedlich: Kaminholz und Pellets geben beim Verbrennen CO 2 ab, während in Produkten wie Möbeln und Holzfußböden das schädliche Gas gespeichert bleibt. Noch besser ist die Bilanz, wenn Bauholz Beton oder Zementklinker ersetzt, die mit viel Energie hergestellt werden. Denn bei der Herstellung einer Tonne Zement werden nach Angaben des WWF knapp 600 Kilogramm CO 2 freigesetzt.

Möglichst viel Wald erhalten

„Es ist also in unser aller Interesse, möglichst viel Wald zu erhalten“, sagt Joachim von Reden. Das könnten Eigentümer kleinerer Flächen aber nicht mehr, weil sie finanziell mit dem Rücken zur Wand stünden. Die Waldbauern fordern eine Klimaschutzprämie, und ihre Rechnung sieht so aus: Ein Hektar Mischwald speichert im Durchschnitt acht Tonnen CO 2 pro Jahr. Weil aber auch Holz verfeuert wird, rechnen die Waldbesitzer nur mit 4,5 Tonnen CO 2 -Speicherung pro Hektar. Da die Industrie für eine Tonne CO 2 -Ausstoß 25 Euro zahlen muss, wünschen sich die Bauern diese Summe pro Hektar mal 4,5 – also 112,50 Euro pro Hektar und Jahr. Dieser Betrag würde dann analog zu den Zertifikatspreisen im Laufe der Jahre steigen.

Ohne weitere Hilfen wird diese Prämie alleine allerdings kaum reichen, um kleinere Wälder zu erhalten. Laut Landeswaldbericht NRW besitzen 139.000 der 152.000 privaten Waldeigentümer in Nordrhein-Westfalen bis zu fünf Hektar. Sie bekämen also nicht einmal 600 Euro Klima-Prämie pro Jahr. Das Land NRW hilft Waldbauern deshalb auch mit anderen Programmen und hat gerade angekündigt, Anträge und Auszahlungen zu vereinfachen.

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