Buch über Externsteine belegt Bedeutung fürs Christentum
Von Germanen keine Spur

Horn-Bad Meinberg (WB). Die Externsteine beflügelten schon immer die Fantasie. Waren sie eine christliche Sakralstätte im Mittelalter, ein germanisches Heiligtum oder eine Sternwarte? Ein neues Buch bringt Licht ins Dunkel.

Freitag, 16.03.2018, 15:00 Uhr aktualisiert: 16.03.2018, 20:00 Uhr
Imposant und sagenumwoben: Die Externsteine beschäftigen ebenso Besucher wie Wissenschaftler. Foto: Thomas Lunk
Imposant und sagenumwoben: Die Externsteine beschäftigen ebenso Besucher wie Wissenschaftler. Foto: Thomas Lunk

»Die Externsteine – zwischen wissenschaftlicher Forschung und völkischer Deutung« heißt das Buch, das die Ergebnisse einer Tagung im Lippischen Landesmuseum in Detmold zusammenfasst und gestern im Schatten der 40 Meter hohen und etwa 70 Millionen Jahre alten Felsformation vorgestellt wurde. Es ist nach Angaben des Mitherausgebers Michael Zelle eine »wissenschaftliche Standortbestimmung« und notwendige Antwort auf Esoteriker und Rechtsextremisten, die die Externsteine als »schöne Beute« für sich vereinnahmt hätten.

Im Tal der Wiembecke bei Horn-Bad Meinberg ist einiges mittlerweile unbestritten. Das berühmte Kreuzabnahmerelief, das Nikodemus und Joseph von Arimathia dabei zeigt, wie sie unter den Augen von Maria und des Evangelisten Johannes den gekreuzigten Christus bergen, verweist auf die Kunstfertigkeit mittelalterlicher Steinmetze und belegt die Bedeutung der Externsteine als christliche Sakralstätte.

»Sie waren im Mittelalter ein wichtiger Anlaufpunkt, aber es gibt keine Belege dafür, dass sie ein Wallfahrtsort gewesen sind, das hätte in Quellen aus dieser Zeit auftauchen müssen«, sagte Michael Zelle, der Direktor des Lippischen Landesmuseums in Detmold, dem WESTFALEN-BLATT. Das Relief entstand vermutlich um 1150, möglicherweise aber auch erst um 1190 herum. Belegt ist, dass die Externsteine von Eremiten im 14. und 15. Jahrhundert als Klause genutzt wurden.

Jährlich rund 500.000 Besucher

Das Kreuzabnahmerelief, die künstlichen Grotten, der Seiteneingang zur Kuppelgrotte mit den Resten der Petrus­skulptur, das offene Felsengrab in einer Rundbogennische und die Höhenkammer mit Altarnische ergeben ein faszinierendes Ensemble. »Die gesamte Zeit vor dem Mittelalter ist nicht belegt«, betont Zelle. Mit einer Ausnahme: An den Externsteinen wurden Werkzeuge entdeckt, die darauf hindeuten, dass Menschen in der Steinzeit dort zum Beispiel Schutz vor dem Wetter suchten.

Dass rund um die Felsformation Hermann der Cherusker 9 nach Christus die Legionen des Varus vernichtet haben soll, hält Zelle für eine Spinnerei von Heimathistorikern. »Dass die Germanen hier waren, kann man nicht nachweisen«, sagt er: »Man weiß nichts über ein germanisches Heiligtum, und es gibt auch keine Belege für eine archäologische Sternwarte.« Die Höhenkammer sei vermutlich eine christliche Kapelle gewesen und kein Bestimmungsort für die Sommersonnenwende. Dass die Externsteine zum Anziehungspunkt für völkische Kreise wurden, ist unter anderem dem SS-Führer Heinrich Himmler zu »verdanken«, der das Weserbergland als eine der urgermanischen Gegenden bezeichnet hatte.

Esoteriker wiederum glauben, dass von den Externsteinen besondere Kräfte ausgehen, und malen mit Farbe obskure Zeichen auf die Felsen – sehr zum Ärger des Landesverbandes Lippe. Zum Glück benehmen sich die allermeisten der jährlich 500.000 Besucher unauffällig. Was sie heute nicht mehr sehen können, ist das ehemalige Jagdschloss der lippischen Fürsten. Einblicke in Nutzung und Bedeutung der Externsteine gibt das 2011 neu eröffnete Infozen­trum – und jetzt das neue Buch.

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