Mi., 27.03.2019

Amt nimmt zwei Mädchen in Obhut – keine Verbindung zum Fall Lügde Neuer Missbrauchsfall in Lippe: Eltern in Untersuchungshaft

Polizisten haben ihr Siegel an der Haustür wieder durchschnitten, um das Gebäude zu durchsuchen: In diesem Haus in Horn-Bad Meinberg soll ein Mädchen monatelang sexuell missbraucht worden sein. Im Umfeld soll niemand etwas geahnt haben.

Polizisten haben ihr Siegel an der Haustür wieder durchschnitten, um das Gebäude zu durchsuchen: In diesem Haus in Horn-Bad Meinberg soll ein Mädchen monatelang sexuell missbraucht worden sein. Im Umfeld soll niemand etwas geahnt haben. Foto: Christian Althoff

Von Christian Althoff

Horn-Bad Meinberg/Detmold (WB). Im Kreis Lippe ermittelt die Kriminalpolizei seit knapp zwei Wochen in einem neuen Fall von mutmaßlichem Kindesmissbrauch. Gegen ein Ehepaar wurden Haftbefehle erlassen.

Auf dem Rasen vor dem Einfamilienhaus in Horn-Bad Meinberg blühen gelbe Narzissen, neben der Haustür steht eine Schale mit Katzenfutter. Auf der Fußmatte steht »Welcome«, auf dem Klingelschild »Familie ....«. Das Haus, in dem bis vor kurzem eine vierköpfige Familie wohnte, ist verwaist: Die Eltern sitzen im Gefängnis, die beiden Mädchen wurden vom Jugendamt des Kreises Lippe in Pflegestellen gegeben. Und der Hund soll bei Nachbarn untergekommen sein.

Nach WESTFALEN-BLATT-Informationen stehen der Vater und die Mutter im Verdacht, eine Tochter seit längerem in dem Haus sexuell missbraucht zu haben.

Polizisten nahmen die Eheleute fest

Die Mutter soll kürzlich gegenüber einer dritten Person entsprechende Andeutungen gemacht haben. Diese Person alarmierte nach unbestätigten Informationen am 15. März, einem Freitag, die Behörden. Die reagierten innerhalb weniger Stunden: Polizisten nahmen die Eheleute fest, und Mitarbeiter des Kreisjugendamtes kümmerten sich um die beiden Mädchen. Das Einfamilienhaus wurde von der Kripo versiegelt.

Die Eheleute wurden zur getrennten Vernehmung nach Detmold gebracht und am nächsten Tag einem Haftrichter vorgeführt. Er erließ auf Antrag der Staatsanwaltschaft Haftbefehle. In der Folgewoche durchsuchte die Kripo das Haus und nahm offenbar sämtliche Datenträger mit, auf denen sich Fotos oder Videos befinden könnten. Ob die bisherige Auswertung Missbrauchsbilder zutage gefördert hat, wurde gestern nicht bekannt.

Der Missbrauch durch den Mann, der bei einem Technikunternehmen beschäftigt ist, soll bis zum Geschlechtsverkehr gereicht haben. Die Mutter der Mädchen soll sich an Taten beteiligt haben. Nach vorläufigen Informationen soll sich der Missbrauch nur gegen die ältere Tochter gerichtet haben. Irgendeinen Zusammenhang zum Missbrauchsfall Lügde soll es nicht geben.

2018 wurden 63 Fälle bekannt

Mit diesem neuen Fall setzt sich die Reihe bekanntgewordener Missbrauchsfälle im Kreis Lippe fort, deren Zahl im vergangenen Jahr deutlich zugenommen hatte. 2018 wurden 63 Fälle bekannt – ein Plus von 65 Prozent gegenüber 2017. Der Fall Lügde ist in diesen Zahlen noch nicht enthalten. Hier geht die Polizei nach eigenen Angaben von einem insgesamt tausendfachen Missbrauch an mindestens 34 Kindern aus. Drei Männer sitzen deshalb in Untersuchungshaft, der Prozess gegen sie soll im Juni beginnen.

Der niedersächsische Landkreis Hameln-Pyrmont teilte unterdessen mit, er habe einer Jugendamtsmitarbeiterin fristlos gekündigt. Die angestellte Sozialarbeiterin hatte nach Angaben des Landrats zugegeben, im Dezember aus einer Pflegekindakte einen Hinweis auf Pädophilie des Hauptbeschuldigten Andreas V. gelöscht zu haben. IT-Spezialisten hatten den Text rekonstruiert.

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