Mo., 08.07.2019

Missbrauch: Vater und Mutter aus Horn-Bad Meinberg werden insgesamt 51 Taten vorgeworfen Eltern angeklagt

Die Haustür mit den Resten des Polizeisiegels. Das Haus wurde im März durchsucht.

Die Haustür mit den Resten des Polizeisiegels. Das Haus wurde im März durchsucht. Foto: Christian Althoff

Von Christian Althoff

Horn-Bad Meinberg/Detmold (WB). Ein Ehepaar aus Horn-Bad Meinberg, das seit vier Monaten in Untersuchungshaft sitzt, soll sich wegen sexuellen Missbrauchs eines Mädchens verantworten. Staatsanwältin Helene Werpup, die derzeit zusammen mit ihrer Kollegin Jaqueline Kleine-Flaßbeck im Missbrauchsprozess Lügde die Anklage vertritt, hat nun auch in dem Fall aus Horn-Bad Meinberg die Anklage erhoben. Der Prozess-Termin steht noch nicht fest.

Der Mann und die Frau lebten mit zwei Töchtern in einem Einfamilienhaus am Stadtrand von Horn-Bad Meinberg. Die jüngere Tochter ist ein gemeinsames Kind, die ältere das Kind der Frau. Im März soll die Mutter einem Bekannten gegenüber Bemerkungen gemacht haben, in denen es um Sex mit der jugendlichen Tochter ging. Der Bekannte machte sich Sorgen um das Mädchen und informierte die Polizei Lippe, die sofort reagierte. Nur Stunden später nahm sie die Eheleute fest, und die Töchter wurden vom Jugendamt in Obhut genommen.

Die Ermittlungen ergaben, dass das ältere Mädchen missbraucht worden sein soll. Die Anklage geht davon aus, dass der Stiefvater das Mädchen vor seinem 14. Geburtstag, also als es noch ein Kind war, 21 Mal missbraucht hat und 15 Mal nach dem 14. Geburtstag. Die Taten sollen bis zum Geschlechtsverkehr gereicht haben. Der Mutter werden insgesamt 15 Taten zur Last gelegt, wobei die Staatsanwaltschaft fünf Fälle als Missbrauch und zehn als Beihilfe bewertet.

Rechtsanwalt Christian Thüner aus Herford, der den Mann vertritt: »Ich gehe davon aus, dass die beiden im Prozess gestehen werden.« Sein Mandant sei »völlig fertig« gewesen, nachdem er die Anklage gelesen habe. »Er kann sich nicht vorstellen, warum er das alles getan hat.« Dem Mann, der zuletzt in einem Technikunternehmen gearbeitet hatte, droht eine mehrjährige Haftstrafe. Deborah Weinert, die Anwältin der Mutter, sagte am Freitag, ihre Mandantin sei inzwischen »erschüttert« über das Geschehen. Die Eltern hätten die Mädchen seit der Inhaftierung nicht mehr gesehen.

Mit diesem Fall setzt sich die Reihe bekanntgewordener Missbrauchsfälle im Kreis Lippe fort, deren Zahl im vergangenen Jahr zugenommen hatte. 2018 wurden 63 Fälle bekannt – ein Plus von 65 Prozent gegenüber 2017, wobei der Fall Lügde in diesen Zahlen noch nicht enthalten ist.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6760242?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198397%2F2949425%2F