Bürgerbusverein feiert »runden Geburtstag«
Drei Jahrzehnte mobil im Kalletal

Kalletal (WB). 1989 wurde der Bürgerbusverein Kalletal im Rahmen eines Pilotprojektes des Landes Nordrhein-Westfalen und des Bundes ins Leben gerufen, um mit fünf weiteren Modellversuchen in NRW Möglichkeiten zur Aufrechterhaltung von öffentlichem Personennahverkehr auf dem Lande zu erkunden und umzusetzen. Der Bürgerbus Kalletal war der Erste in Ostwestfalen-Lippe. Jetzt feierte der Verein sein 30-jähriges Bestehen.

Mittwoch, 02.10.2019, 08:00 Uhr
Manfred Gruber und Reinhold Rieger überraschen Volker Aust. Er fährt nach 30 Jahren die selbe Route wie zum Start. Foto: Toppmöller
Manfred Gruber und Reinhold Rieger überraschen Volker Aust. Er fährt nach 30 Jahren die selbe Route wie zum Start. Foto: Toppmöller

Zunächst eine Überraschung

Genau vor dreißig Jahren am 24. September 1989 ist Volker Aust, der geistige Vater des Kalletaler Bürgerbusses, seine erste Tour im Kalletal gefahren. Auf den Tag genau stand er jetzt wieder auf dem Plan als ehrenamtlicher Fahrer und fuhr die gleiche Tour wie am ersten Tag. Reinhold Rieger, Chef des Bürgerbusvereins, und Manfred Gruber, gratulierten.

Volker Aust, der von der Aktion nicht wusste, machte große Augen, als er mit dem Bürgerbus an die Haltestelle an der Lemgo Straße fuhr. »Es ist aber nicht meine letzte Tour, die mache ich erst im Februar nächsten Jahres«, sagte er völlig überrascht. Die beiden Gratulanten hatten Süßigkeiten mitgebracht, die der Jubilar an diesem Tag an die Fahrgäste verteilte.

Dann eine Feierstunde

Zur offiziellen Feierstunde für den Bürgerbus waren dann nicht nur befreundete Vereine, sondern auch viele geladene Gäste nach Hohenhausen gekommen.

Das Programm beinhaltete Grußworte, Beiträge aus der Vereinsgeschichte, Ehrung und Dank für die ehrenamtlich Tätigen. Für die musikalische Unterhaltung sorgten Werner Strootmann und Timor Isakow von der Musikschule der Gemeinde Kalletal. Den Festvortrag hielt Achim Oberwöhrmeier, Geschäftsführer der KVG Lippe, unter dem Titel: »Rückblick und Perspektive« – ein spannender oder gewagter Blick in die Zukunft des ÖPNV, mit oder ohne Bürgerbusse.

Doch zunächst begrüßte Reinhold Rieger die Gäste im PZ der Grundschule Hohenhausen. Er erinnerte an die erste Fahrt von Volker Aust mit nur einem Fahrgast. »Das änderte sich schon im zweiten Jahr. Da waren wir schon im grünen Bereich. Im dritten Jahr hatten wir unsere Kapazitäten schon überschritten«, erinnerte sich der Vorsitzende.

Im Jahr 2015 kam »Der Kleine Kalle« hinzu, »und aktuell haben wir 173.000 Fahrgäste im Jahr.« Aber Rieger sprach auch die Zukunft an. »Da wird es für die Fahrzeughersteller schwierig werden, auf Grund der neuen Bestimmungen und Fahrzeugantriebe Busse zu liefern, die unter 3,5 Tonnen wiegen. Darüber aber dürfen wir mit unseren Führerscheinen nicht mehr fahren, was bedeutet, dass die Fahrer extra Busführerscheine machen müssen. Dies würde sicher das Aus für die Vereine bedeuten, die auf das ehrenamtliche Engagement ihrer Fahrer angewiesen sind. Hier muss die Politik dringend handeln«, sagte er an die politischen Vertreter gerichtet.

Berghahn: »Bürgerbus muss weiterfahren«

Bürgermeister Mario Hecker sagte, dass der Bürgerbus Mobilitätslücken in der Gemeinde schließe. Der stellvertretende Landrat Kurt Kalkreuter sagte, dass die große Bürgerbusfamilie das Kalletal zusammenbringe. Bundestagsmitglied Kerstin Vieregge (CDU) bezeichnete den Bürgerbus als leuchtendes Beispiel für andere Regionen. Landtagsmitglied Jürgen Berghahn (SPD) führte aus: »Ich erwartet schnelle positive Ergebnisse im Hinblick auf die zu erwartenden Zulassungsbeschränkungen. Der Bürgerbus muss weiterfahren.«

Der Bürgerbusverein Kalletal hat 52 Mitglieder, davon 31 Aktive, eine Fahrerin und 27 Fahrer sind unterwegs. Seit 2016 ist das fünfte Fahrzeug, voll behindertengerecht, unterwegs. Es dürfen maximal acht Fahrgäste befördert werden. »go.on« als Konzessionär übernimmt die Betreuung, fachliche Schulung und betriebliche Beratung, die Gemeinde Kalletal die finanzielle Verantwortung. Der Bürgerbusverein organisiert den Fahrplan, wirbt und betreut die Fahrerinnen und Fahrer.

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