Pfarrer Jörn Schendel verabschiedet sich von Langenholzhausen
Ein Jahr der Besinnung

Kalletal (WB). Vor der Adventszeit hat er in der Kirche Langenholzhausen seinen letzten Gottesdienst gegeben: Pfarrer Jörn Schendel geht. Das Abschiednehmen fällt ihm nicht leicht. Der 58-Jährige macht eine einjährige Pause. Im Januar zieht er nach Hohenhausen.

Freitag, 27.12.2019, 08:05 Uhr aktualisiert: 27.12.2019, 08:10 Uhr
Pfarrer Jörn Schendel verlässt Langenholzhausen und zieht mit seiner Familie nach Langenholzhausen. Foto: Frank Lemke
Pfarrer Jörn Schendel verlässt Langenholzhausen und zieht mit seiner Familie nach Langenholzhausen. Foto: Frank Lemke

„Irgendwann ging es einfach nicht mehr“, sagt Jörn Schendel. Seine Arbeit als Pfarrer hat ihm viel Freude bereitet: die Gottesdienste, kirchlicher Unterricht, die Begleitung von Gemeindegruppen, Hausbesuche, Gespräche, Feste, das Singen in Chören, Pflege internationaler Kontakte. Die Liste seines Engagements ist lang. Die Arbeit als Pfarrer ist seine Berufung.

Als kleiner Junge ist er in einem Pfarrhaus in Bad Salzuflen aufgewachsen. Er studierte in Wuppertal, Tübingen und Münster Theologie, lernte als Vikar in Detmold-Hiddesen, leistete Hilfsdienst in Lemgo St. Marien und arbeitete als Pfarrer vier Jahre lang in der Ukraine. Danach leitete er die Gemeinde Sylbach in Bad Salzuflen. Schließlich kam er nach Langenholzhausen.

Die Freude an seiner Arbeit hatte zur Folge, dass er stets weitere Aufgaben übernahm. Der Leistungsdruck wurde größer. Er hielt stand. Doch nach dem Besuch einer Partnergemeinde in Amerika im Jahr 2007 fühlte er sich sehr erschöpft. „Das waren die ersten Anzeichen“, sagt Jörn Schendel im Rückblick. Er machte trotzdem weiter, bis sein Körper ihm schließlich Einhalt gebot. Heute brauche er Zeit, um neue Kraft zu schöpfen. Deswegen hat er sich eine Auszeit von einem Jahr genommen – vom Arzt verordnet.

„Die Pause verändert vieles“

„Es war am Anfang gar nicht so einfach, mir das einzugestehen“, sagt Jörn Schendel. Die Pause verändert vieles. Er denkt nach, über sich selbst, die Menschen, seine Familie, spielt in seiner freien Zeit Viola, Klavier, nimmt Gesangsunterricht. Mit seinem Sohn geht er zum Bowlen. Weihnachten hat er in Ruhe mit seiner Familie gefeiert. „Ich bin nicht der einzige, dem es so geht. Das Leben ist insgesamt kompliziert geworden. Viele Menschen leiden unter dem Leistungsdruck der Gesellschaft“, sagt Jörn Schendel. Als Pfarrer vertrauen ihm die Menschen viel an. Er hört die Sorgen und Nöte von Eltern, allein erziehenden Müttern, Kindern und Großeltern.

Der Druck auf dem Arbeitsmarkt sei groß. Viele hätten Existenzängste. In Vereinen würden Ehrenamtliche heutzutage sehr viel leisten. Kinder wären extrem vielen Eindrücken und Herausforderungen ausgesetzt. Das Mitein­ander sei insgesamt kühler geworden. „Als Christ habe ich die Gewissheit, dass Gott mich nicht nach meiner Leistung beurteilt“, sagt Jörn Schendel. Der Mensch sei so angenommen, wie er erschaffen und geworden ist. Wer sich erschöpft fühle, solle sich auf Gott und auch auf die eigenen Bedürfnisse besinnen.

Umzug nach Hohenhausen

„Ich muss mich nicht auf alles einlassen, was an mich herangetragen wird. Ein ‚Nein‘ ist manchmal die richtige Entscheidung“, sagt Jörn Schendel. Der christliche Glaube ist das Fundament seines Lebens: „Ich bin der Überzeugung, dass Gott mein Leben zu einem guten Ziel führt, auch wenn es anders läuft als ich es mir vorgestellt habe.“

Nach der Auszeit will Jörn Schendel wieder in der Lippischen Landeskirche arbeiten. Er wäre gerne in Langenholzhausen geblieben, doch er wollte der Gemeinde Planungssicherheit geben. Deswegen ist seine alte Stelle derzeit ausgeschrieben. Der zukünftige Einsatzort ist noch offen. Fürs Erste zieht er am 13. Januar mit seiner Familie nach Hohenhausen.

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