Di., 14.01.2020

Cajus Caesar aus Kalletal ist Waldbeauftragter der Bundesregierung „Jeder Baum braucht den richtigen Standort“

Die große Buche ist 140 Jahre alt, die junge, die Cajus Caesar hält, etwa fünf Jahre. Neben Buchen leiden Fichten am meisten unter den beiden Dürrejahren. Der Waldbeauftragte der Bundesregierung setzt auf andere Baumarten.

Die große Buche ist 140 Jahre alt, die junge, die Cajus Caesar hält, etwa fünf Jahre. Neben Buchen leiden Fichten am meisten unter den beiden Dürrejahren. Der Waldbeauftragte der Bundesregierung setzt auf andere Baumarten. Foto: Andreas Schnadwinkel

Von Andreas Schnadwinkel

Kalletal(WB). Der Waldbeauftragte der Bundesregierung, Cajus Caesar aus Kalletal im Kreis Lippe, warnt davor, an den falschen Stellen aufzuforsten. „Vor Neuanpflanzungen müssen die Standorte genau analysiert werden. Was wächst wo am besten? Und mit welchen Baumarten schaffen wir Vielfalt? Das sind die entscheidenden Fragen“, sagt der Waldexperte.

Dass so viele Bäume unter den Dürrejahren 2018 und 2019 gelitten haben, liege nicht nur an klimatischen Veränderungen. „Die Schäden sind dort am größten, wo die Bäume nicht optimal wachsen, weil sie nicht den richtigen Standort haben. Regional hatten wir in den vorigen beiden Jahren weniger als die Hälfte des normalen Niederschlags. Auch OWL ist stark betroffen, besonders bei Fichten und Buchen. Und zwar am meisten dort, wo diese Baumarten nicht hingehören“, erläutert Caesar. Aus seiner Sicht müsse mehr auf Boden, Nährstoffe, Kalkgehalt, Wasserversorgung, Sonne, Wind und Lage geachtet werden.

Sein Leben lang beschäftigt sich der 68-Jährige mit dem Wald. Schon in seiner Jugend war er Waldbesitzer, später Diplom-Forstingenieur beim Landesverband Lippe, und auch als lippischer CDU-Bundestagsabgeordneter und Mitglied im Haushaltsausschuss setzte er sich für die Land- und Forstwirtschaft ein.

Dieser Buchenstamm ist von einem Pilz befallen. Buchen sind durch die beiden Dürresommer geschwächt und leicht angreifbar. Foto: Schnadwinkel

Als Waldbeauftragter im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft geht seine Arbeit weiter. Dabei blickt er auf langfristige Entwicklungen, denn so schnell wachsen Bäume nicht. „Nach dem Zweiten Weltkrieg ging es darum, die Bevölkerung mit Brennholz zu versorgen. Auch dadurch entstanden großflächige Kahlschläge. Damit die Böden nicht zu Heide oder unfruchtbar wurden, forstete man auf. Dabei war sicher ein Fehler, zu viele Reinkulturen zu pflanzen. Aber man hatte eben kein anderes Pflanzgut als Fichte und Buche. Es war ja damals richtig, überhaupt aufzuforsten.“ Heute wolle man einen vielfältigen, mehrschichtigen Bestand. Dadurch sollen die Bäume widerstandsfähiger und der Wald wieder gesund werden.

Gesund sei der Wald derzeit nämlich nicht, betont Caesar. „Wenn Bäume durch Trockenheit gestresst sind, kommen die Schädlinge, wie Borkenkäfer und Pilze. Und wenn es über zwei Jahre so extrem trocken ist, dann werden nicht nur einzelne Bäume befallen, sondern viele Bäume.“ Und diese Bäume müssten möglichst schnell aus dem Wald entfernt werden. Der Holzmarkt sei nicht in der Lage, diese Mengen so schnell aufzunehmen. Außerdem gebe es nicht genügend Betriebe, die so viel Holz in so kurzer Zeit aus dem Wald holen können.

Versuchsflächen in Lippe und im Sauerland

Chemie gegen Schädlinge einzusetzen lehnt Caesar ab. „Man kann den Borkenkäfer spritzen, aber wir wollen den Einsatz chemischer Mittel vermeiden und im Wald gar nicht einsetzen.“

Deswegen sind andere Baumarten gefragt. „Gegen Küstentannen und Douglasien haben Borkenkäfer keine Chance, weil diese einen starken Harzfluss haben. Da gibt es praktisch keinen Befall“, sagt Caesar. Wenn man kahle Fichten neben grünen Küstentannen stehen sieht, weiß man, was er meint.

Schon vor den Dürrejahren hat er sich für Forschung an resistenteren Baumarten eingesetzt. Auf Versuchsflächen in Lippe und im Sauerland werden Douglasien, Küstentannen, Libanonzedern, Mammutbäume, Esskastanien, Traubeneichen und Platanen gepflanzt. „Aus anerkannten Beständen, mit Saatgut von hoher Qualität“, sagt Caesar.

Schädlingsbefall: An dieser Fichte sind die Bohrlöcher des Borkenkäfers gut erkennbar. Foto: Schnadwinkel

Die Zukunft der Fichte sieht er nicht in Ostwestfalen-Lippe, sie werde sich in Lagen zurückziehen, die höhere Niederschläge und geringere Temperaturen haben, also in Mittel- und Hochgebirge oder auf relativ saure Böden.

Damit die Wiederbewaldung der Kahlflächen gelingen kann, sei mehr Expertise gefragt. „Wir brauchen mehr gut ausgebildete Forstleute, denn manche Waldbesitzer werden dazu durch Erbe und haben noch keine Fachkenntnisse. Sie müssen beraten werden, damit sie zum Beispiel in der Nähe von Staunässe keine Buchen pflanzen, denn das wäre der sichere Tod dieser Bäume.“

„Wald auf Rezept“

Beim Aufforsten mit vielfältigen Baumarten, das der Bund mit 547 Millionen Euro fördert, müsse auch der Bedarf bedacht werden. Caesar: „Zu 90 Prozent wird Nadelholz für Statik und Bau nachgefragt, zu zehn Prozent Laubholz für Möbel.“

Als Regierungsbeauftragter will er die Bedeutung des Waldes in die Gesellschaft tragen und seinen Beitrag zur „Waldstrategie 2050“ leisten, die in Julia Klöckners Ressort formuliert werden soll. „Das werden etwa 100 Ideen und Thesen, die unter anderem bei fünf Dialogveranstaltungen zum Thema Wald entstehen, die letzte ist Ende Januar in Wernigerode.“

Caesar hat jüngst von den Krankenkassen „Wald auf Rezept“ gefordert. Damit meine er aber nicht, dass Versicherte Prämien für Waldspaziergänge bekommen sollen. „Es ist erwiesen, dass Therapien zur Behandlung von stressbedingten Symptomen im Wald besonders erfolgversprechend sind.“ Und da träfe es sich ganz gut, wenn der Wald gesund ist, damit der Mensch gesund wird.

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