Mario Hecker möchte sich in einer weiteren Amtszeit für Kalletal einsetzen
„Ich strebe nicht nach Höherem“

Kalletal (WB) Mario Hecker (44) ist seit Oktober 2015 parteiloser Bürgermeister der Gemeinde Kalletal. Dass er sich in diesem Jahr um eine zweite Amtszeit bewerben wird, ist schon seit längerer Zeit bekannt. Im Interview mit Redaktionsleiter Jürgen Gebhard sagt er, warum er sich nicht Besseres als diesen Job vorstellen kann.

Samstag, 25.01.2020, 07:11 Uhr aktualisiert: 25.01.2020, 07:40 Uhr
Bürgermeister Mario Hecker ist vor viereinhalb Jahren aus dem Bauamt ins Chefbüro des Rathauses umgezogen. Foto: Jürgen Gebhard
Bürgermeister Mario Hecker ist vor viereinhalb Jahren aus dem Bauamt ins Chefbüro des Rathauses umgezogen. Foto: Jürgen Gebhard

 

Am 10. Februar wird in einer Infoveranstaltung in Heidelbeck das Feinkonzept für das geplante Walderlebniszentrum vorgestellt. Wann kann das Projekt realisiert werden?

Mario Hecker: Das Feinkonzept ist umsetzungsreif. Die Fördermittelakquise läuft. Es gibt von verschiedenen Stellen positive Signale, dass wir mit dem Geld rechnen können. Der Baubeginn könnte im nächsten Jahr sein, die Fertigstellung ein Jahr später. Den Grundstein für eine solide und erfolgreiche Umsetzung dieses Großprojektes haben Kreis und Gemeinde damit gemeinsam gelegt.

Wie soll das Walderlebniszentrum genutzt werden?

Hecker: Am Konzept haben wir auch mit unseren Kitas und Grundschulen gearbeitet. Hauptzielgruppe sind die Vier- bis Zwölfjährigen im Umkreis von 50 bis 60 Kilometern. In der alten Wassermühle (dem ehemaligen Forstmuseum) wird ein Baum durch alle Etagen gehen. Vom Wurzelbereich bis hin zur Krone kann der Wald dort mit allen Sinnen erlebt werden. Die Besucher können zum Beispiel erfahren, wie sich eine Biene in einer Wabe fühlt und wie Tierkinder leben. In der Scheune wird das Dorfbüro eingerichtet, unter dem Dach geht es wieder um das Leben im Wald. Im Neubau, dem Waldauge, wird eine Werkstatt für Kinder eingerichtet, in der sie basteln oder mit Mikroskopen arbeiten können.

Missglückte Sportplatz-Sanierung

Im vergangenen Jahr wurde das Projekt Dorf-Pluspunkt Langenholzhausen realisiert. Dafür gab es kurz vor Weihnachten sogar einen Preis vom Innenministerium in Berlin…

Hecker: Der Dorf-Pluspunkt hat Langenholzhausen und dem ganzen Kalletal sehr gut getan. Einen weiteren Dorf-Pluspunkt mit Arzt, Logopädin und Platz für Vereine wird es wahrscheinlich nicht geben. Das Ministerium hat nicht die Ansiedlung einer neuen Ärztin, sondern das Gesamtkonstrukt gewürdigt – und dazu gehört die neue Nutzung der für den Offenen Ganztag viel zu großen Räume. Bedarf für Ärzte gibt es weiterhin. Deshalb würde ich mich freuen, wenn sich bei uns weitere Ärzte ansiedeln. Weitere innovative Ideen unserer ansässigen Ärzte würde ich ausdrücklich begrüßen.

Beim Sportplatz in Kalldorf läuft es nicht so rund. Wie ist hier der aktuelle Stand?

Hecker: Die SG Kalldorf als Pächterin hatte ohne Abstimmung mit uns die Erde aufgetragen. Der Verein hatte es gut gemeint, aber das Ergebnis mit dem verunreinigten Boden ist schlecht. Es geht nun darum, Haftungsfragen zu klären. Wir sind Eigentümer des Platzes, Vertragspartner sind allerdings die SG Kalldorf und der Lieferant. Der KSA (der Kommunale Schadenausgleich) hat diese Auffassung bestätigt. Ich habe zusätzlich die interkommunale Rechtsagentur des Kreises um Stellungnahme gebeten. Wenn wir die Antwort erhalten, werden wir uns noch einmal mit den Fraktionsvorsitzenden zusammensetzen und überlegen, ob und in welcher Form wir helfen können. Politik und Vorstand der SG Kalldorf wurden und werden über jeden Schritt kontinuierlich informiert. Als Bürgermeister darf ich nicht alleine entscheiden, ob wir irgendeinem Vergleich mit einer Versicherung zustimmen. Ich bin verpflichtet, alle Vereine gleich zu behandeln und kann deshalb auch keinen Präzedenzfall schaffen.

Haushaltssicherung als Etappenziel

Welche Projekte sind in diesem Jahr wichtig?

Hecker: Weil wir in der Haushaltssicherung waren, hatten wir das Privileg, von vielen Fördermitteln mit hohen Förderquoten zu profitieren. Da ist strategisch viel angeschoben worden, was jetzt zu Ende gebracht wird beziehungsweise schon wurde. Ziel von Rat und Verwaltung war der Haushaltsausgleich – dieses Etappenziel ist erreicht. Die Gemeinde hat sich bereits von einigen Gebäuden und Flächen getrennt, die nicht mehr zwingend benötigt wurden. Vorhandenes wurde oder wird jetzt auf Vordermann gebracht und energetisch saniert. Es geht um Nachhaltigkeit, aber mit Maß und Mitte. Ich halte im Übrigen nichts von blindem Aktionismus einige Monate vor der Wahl. Ich habe mich in den vergangenen viereinhalb Jahren voll für die Gemeinde reingehängt. Falls ich wiedergewählt werde, würde ich das genauso wieder machen.

Wann werden rund um Hohenhausen die Lücken im Radwegenetz geschlossen?

Hecker: Der Rat hat zugestimmt, dass wir für den Radweg nach Langenholzhausen die Umweltverträglichkeitsprüfung für Straßen.NRW auf deren Kosten durchführen. Wenn im nächsten Jahr die Trassenführung feststeht, kann es an Planung, Grunderwerb und um den Bau gehen. Das gesamte Verfahren wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Anders der Radweg Richtung Lemgo bis Huxol: Hier soll der Bauauftrag nächste Woche vergeben werden. Der Abschnitt sollte in der ersten Jahreshälfte fertig sein.

Mit dem Schnellbus zur FH

Gibt es neue Projekte im Öffentlichen Personen-Nahverkehr?

Hecker: Als Partner der KVG Lippe bewerben wir uns aktuell um ein Modellprojekt für eine Schnellbuslinie, die die Ortsmitte Hohenhausen mit dem Campus Lemgo und dem Campus Detmold im Halbstundentakt verbindet. Die jungen Leute könnten dann günstig bei uns im Kalletal wohnen und gut zur Hochschule gelangen.

Kalletal und Vlotho betreiben eine gemeinsame Internetplattform, die über Ausbildungsplätze in beiden Orten informiert. Wie wird das Angebot angenommen?

Hecker: Es wird gut angenommen und regelmäßig aktualisiert. Mehrere Firmen haben über diesen Weg bereits Auszubildende bekommen. Wir müssen den Jugendlichen vermitteln, dass eine Ausbildung und ein vernünftiger Abschluss das A und O sind. Und am besten ist es natürlich, wenn die jungen Leute hier die Ausbildung machen, hier eine Familie gründen und hier bleiben.

Gibt es im Kalletal Schrottimmobilien?

Hecker: Die gibt es überall, auch im Kalletal. In den Dörfern gibt es einzelne private Gebäude, die besser genutzt oder zumindest einmal renoviert werden müssten. Hier sind die privaten Eigentümer in der Pflicht.

Wertschätzung der Vereine

Im Herbst werden Sie sich wieder um das Amt des Bürgermeisters bewerben. Rechnen Sie mit einem Gegenkandidaten?

Hecker: Bis zum 16. Juli, 18 Uhr, können Wahlvorschläge eingereicht werden. Jeder, der wählbar ist, kann sich also bewerben, daher ist nicht auszuschließen, dass es Gegenkandidaten geben wird.

Es fällt auf, dass Sie an sehr vielen Vereinsveranstaltungen teilnehmen…

Hecker: …und zwar nicht nur einige Monate vor der Wahl. Für mich sind die Besuche zum einen eine Wertschätzung der Vereine. Zum anderen erfahre ich dort sehr viel Neues aus dem Kalletal und von den Sorgen der Leute. Aus diesem Grund veranstalten wir auch die Dorfgespräche, die sehr gut angenommen werden. Wir waren schon in Westorf, Langenholzhausen und Bentorf und sind an diesem Samstag in Talle. Dort sprechen wir über das, was im Rathaus passiert und wir hören uns an, was sich die Menschen in den Dörfern wünschen und was sie bewegt.

Haben Sie oder der Rat in den vergangenen Jahren Fehler gemacht?

Hecker: Ich glaube, dass es Entscheidungen gibt, die man mit dem heutigen Kenntnisstand möglicherweise anders treffen würde. Wichtig ist, dass wir Entscheidungen treffen und sie nicht vor uns herschieben. Wer heute Entscheidungen kritisiert, dem sage ich: Durch ein gebohrtes Loch kann man gut durchgucken.

Kalletal als verlässlicher Partner

Worauf sind Sie besonders stolz?

Hecker: Dass es der Verwaltung und dem Rat in den vergangenen viereinhalb Jahren gemeinsam geschafft haben, auf Kreis-, Landes- und Bundesebene wieder zu einem verlässlichen Partner zu werden. Davon profitieren wir unter anderem, wenn wir Fördergelder beantragen. Kreis, Land und Bund wissen: Wenn wir Kalletal fördern, dann läuft das dort auch.

Wie vereinbaren Sie ihre zeitintensive Arbeit als Bürgermeister mit ihrer Familie?

Hecker: Zum Glück bekomme ich sehr große Unterstützung von meiner Frau. Sie nimmt mir zuhause viel Arbeit ab, so dass wir als Familie mit unseren beiden Kindern noch genügend Zeit miteinander haben.

Freuen Sie sich auf die nächste Amtszeit?

Hecker: Natürlich würde ich mich freuen, wenn ich meine Arbeit fortsetzen dürfte. Aber ich entscheide das nicht. Das Wahlergebnis kennt man schließlich erst nach der Wahl.

Können Sie sich etwas Besseres vorstellen, als Bürgermeister vom Kalletal zu sein?

Hecker: Ich mache das hier sehr gerne. Die Arbeit macht mir Spaß. Das Zusammenspiel mit Rat und Verwaltung funktioniert gut. Solange ich den Auftrag der Wähler bekomme, werde ich mich für das Kalletal mit voller Kraft einsetzen. Mir ist es wichtig, das Kalletal wieder nach vorne zu bringen und dass man hier nicht nur mit sich selbst beschäftigt ist. Ich strebe nicht nach Höherem.

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