Roland Jankowsky liest schräge Krimis in der Grundschule Hohenhausen
Overbeck zeigt viele Gesichter

Kalletal-Hohenhausen (WB). Die Fans der Fernsehserie „Wilsberg“ kennen den großspurigen Kriminaloberkommissar Overbeck, gespielt von Roland Jankowsky als sympathischen Angeber mit Sonnenbrille. Die Brille hat er zu Hause gelassen. Dafür hat er das Buch „Waffe weg! Over…!“ mit ins Kalletal gebracht und in der Grundschule Hohenhausen daraus vorgelesen.

Dienstag, 11.02.2020, 14:40 Uhr aktualisiert: 11.02.2020, 15:00 Uhr
Roland Jankowskys Buch „Waffe weg! Over…!“ enthält mehrere Geschichten von psychisch auffälligen Persönlichkeiten, die er authentisch verkörpert. Fotos: Frank D. Lemke

Das Buch ist eine Zusammenstellung von Kurzgeschichten verschiedener Autoren, die genau in seine Kragenweite passen. Roland Jankowsky ist der Herausgeber. Vor der eigentlichen Lesung lernt das Publikum den 52-Jährigen als freundlichen Mann kennen, der gerne lacht: „Erst haben wir gedacht: Trauen wir uns das überhaupt, Herrn Jankowsky in das Kalletal einzuladen?“, sagte Heiderose Osterhage. Die VHS Kalletal und die Gemeindebücherei hatten es sich getraut. Der Saal in der Grundschule ist ausverkauft, wegen des Orkans blieben einige Plätze unbesetzt.

Mario Hecker betont bei seiner Begrüßung die Arbeit der Organisatoren. Der Bürgermeister und der Autor scherzen gemeinsam über die nächsten Wahlen und über Fußball. Dann nimmt Roland Jankowsky Platz und schlägt das Buch auf. In diesem Moment vollzieht sich eine Wandlung seines Wesens. Sein Ausdruck, seine Mimik, Stimmung und Gestik: Roland Jankowsky verwandelt sich in eine andere Person. „Ich habe alle freundlichen Mittel ausgeschöpft“, liest Roland Jankowsky vor.

„Ich war krank vor Sorge“

Er blickt unschuldig und irre zugleich das Publikum an. Seine Augen suchen unruhig in den Tiefen seiner eigenen Seele: „Ich war krank vor Sorge. Ich habe alles unternommen, um ihn vor sich selbst zu retten“, sagt Roland Jankowsky und greift mit den Händen ein imaginäres Lenkrad, mit dem er einen Sportwagen durch die Nacht auf eine Autobahn lenkt.

„Doch damit ist jetzt Schluss. Heute Abend erobere ich mir meinen Seelenfrieden zurück“, geifert er, während sich sein vom Hass verzerrter Blick auf den Wagen vor ihm richtet. „Was ist das denn? Kann der nicht Auto fahren?“ brüllt er wütend. Kurz darauf fällt er wieder in seinen Monolog. „Hoffentlich klappt alles“, kichert er. Roland Jankowsky gibt der namenlosen Hauptfigur der Autorin Martina Krempff eine Furcht einflößende Gestalt. Seine Bewegungen wirken abgehackt. Sein Blick ist starr. Von einer Sekunde auf die andere fällt er in Stimmungsschwankungen, die seinen zwanghaften Gedanken folgen.

Er beschreibt sich als gerechten Nachbarn, der sich doch alle Mühe gegeben hat, den Jungen von nebenan zu tolerieren. Der Teich im Garten hat 50.000 Euro gekostet. Einfach zuschütten? Weil der Junge darin ertrinken könnte? Der Übergang zum Wahnsinn ist fließend. „Ich habe alles gut erwogen, auch das Wort Mord“, sagt Roland Jankowsky, während im Kofferraum ein hungriger Pitbull knurrt, der bei 250 Stundenkilometern auf der Autobahn hin und her rollt. Den will er auf sein Opfer loslassen. „Zugegeben. Das ist schon eine drastische Maßnahme den Jungen vor dem Ertrinken zu retten”, sagt Roland Jankowsky und führt weiter seine Fantasien aus. Doch die Kurzgeschichte „Der Teich“ nimmt ein tragisch glückliches Ende. Der Pitbull überlebt den Unfall an der Autobahnausfahrt. Der Irre am Steuer nicht. Der Traktor vor ihm war einfach zu langsam.

„Böse, böse. Aber wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein“, sagt Roland Jankowsky nach der Geschichte, wieder mit entspannten Gesichtszügen. Sein Publikum ist wie gebannt. Roland Jankowsky hat insgesamt vier Kurzgeschichten gelesen. Am Ende des Abends haben die Gäste es begeistert applaudiert. Wer die Lesung verpasst hat, aber Roland Jankowsky dennoch hören möchte, kann auf sein Hörbuch „Die verlorene Bibliothek“ ausweichen. Seine Stimme allein trägt jeden Charakter.

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