Autor Richard Brox bedankt sich in der neunten Auflage von „Kein Dach über dem Leben“ bei den Kalletalern
„Ein Ort der Menschlichkeit“

Kalletal (WB) -

An seinen Besuch in der Gemeinde Kalletal 2018 hat Deutschlands wohl berühmtester ehemaliger Obdachdachloser Richard Brox die besten Erinnerungen. Jetzt will er sich revanchieren: Kalletal wird in der kommenden neunten Auflage seines Buchs sehr lobend erwähnt.

Montag, 22.02.2021, 09:08 Uhr aktualisiert: 22.02.2021, 10:02 Uhr
Rückblick auf das Jahr 2018: Bürgermeister Mario Hecker hat Richard Brox dazu eingeladen, sich in Kalletals Goldenes Buch einzutragen. Eine Erfahrung, die der Autor bis heute als große Ehre im Gedächtnis behalten hat.
Rückblick auf das Jahr 2018: Bürgermeister Mario Hecker hat Richard Brox dazu eingeladen, sich in Kalletals Goldenes Buch einzutragen. Eine Erfahrung, die der Autor bis heute als große Ehre im Gedächtnis behalten hat. Foto: Gemeinde Kalletal

2018 hat der Autor des Bestseller-Sachbuchs „Kein Dach über dem Leben“ einen Tag in Kalletal verbracht , in der Jacobischule und im Hohenhauser Bürgerhaus Lesungen gehalten und sich nach einem Gespräch mit Bürgermeister Mario Hecker in das Goldene Buch eingetragen.

Nun möchte Brox seinen Dank ausdrücken für die freundliche Behandlung, die er in Kalletal erlebt hat. Damals habe er „eine der schönsten und besten Gemeinden in Deutschland kennengelernt“, schwärmt der Autor. Er habe in Kalletal etwas gefunden, was man an vielen Orten heutzutage vermisse: Menschlichkeit, Fürsorge und die Möglichkeit der Menschen zur gesellschaftlichen Teilhabe.

Bürgermeister Mario Hecker ist positiv überrascht: „Darüber freue ich mich sehr. Allerdings weniger, dass das Kalletal genannt wird, sondern vielmehr, warum: Es ist nach meiner Auffassung so, dass Herrn Brox, dem in seinem Leben nur wenig von der ‚sonnigen Seite‘ vergönnt war, hier Wertschätzung und Akzeptanz entgegen gebracht wurde, die ihm vermutlich gerade in jungen Jahren verwehrt geblieben ist. Das macht mich stolz auf unsere Gemeinde!“

In „Kein Dach über dem Leben“ erzählt Richard Brox von 30 Jahren auf der Straße, von erschütternden Erlebnissen eines begabten Jungen, der aus der Drogenkarriere seiner Jugend ausbricht und sich freikämpft. Das Buch ist „ein Lehrstück über die Schattenseiten unserer Gesellschaft und ihre soziale Verwahrlosung“, beschreibt es der Rowohlt Verlag.

Die neue und erweiterte neunte Auflage soll, so Brox, im Herbst erscheinen, wenn die aktuelle achte Auflage ausverkauft ist. Dann wird er einen Anhang anfügen, in dem er erzählt, wie es nach der Veröffentlichung des Buchs in seinem Leben weiterging. In diesem Anhang soll sein Tag in Kalletal auch aufgeführt werden.

Die neunte Auflage werde wohl „wieder weggehen wie warme Semmeln“, erwartet Brox. Dementsprechend groß sei die Aufmerksamkeit, die er auch der Gemeinde Kalletal verschaffen möchte. Auf diese Weise sollen der Tourismus angekurbelt und Investoren aufmerksam gemacht werden, erhofft sich Brox.

Das Buch wird zur Ausbildung von Sozialarbeitern verwendet, gehört in einigen Schulen zur Unterrichtslektüre und hat gerade im Dezember vergangenen Jahres einen besonderen Preis erhalten: den Taiwan Openbook Award für das beste fremdsprachige Sachbuch des Jahres. Er wird vom taiwanesischen Buchhandel verliehen. „Da waren 40 Bücher in der engeren Auswahl, unter anderem die Biografie von Michelle Obama“, erzählt Richard Brox. Sein Buch erzielte einen Rekordverkauf in Taiwan. Auch auf Mandarin ist es schon übersetzt worden. Für das Jahr 2021 stehen weitere Nominierungen für Preise an.

Richard Brox nutzt seine Prominenz, um sich gegen Rechts und für mehr Mitmenschlichkeit in der Gesellschaft einzusetzen. „Ich möchte, dass wir alle mehr Nächstenliebe leben“, sagt Brox. Unter anderem ist er Mitglied bei der „Selbstvertretung wohnungsloser Menschen“. Angesichts der durch Corona doppelt gefährlich kalten Jahreszeit appelliert er : „Überall sollten in einem so brutalen Winter leerstehende Hotels und Pensionen im niedrigen Preissegment für Obdachlose geöffnet werden. Die Kosten könnten sich die Kommunen, Kreise und Länder teilen.“ Man könne mit Facheinrichtungen daraus ein dezentral betreutes Wohnprojekt machen. Auch in Lippe gäbe es sicherlich Pensionen, die dafür in Frage kämen. „Wir müssen Menschen in die Wärme zurückholen“, so Brox. „Und wenn Sie einem Obdachlosen gleich helfen wollen: Geben Sie ihm einen Kaffee, etwas Eintopf – das wärmt sofort von innen auf, auch seelisch.“

Zum Autor

Das 2017 erschienene Buch „Kein Dach über dem Leben“ von Richard Brox wurde in Zusammenarbeit mit dem Co-Autor Albrecht Kieser und Dirk Kästel (Co-Autor/Recherche) geschrieben. Das Vorwort stammt von Günther Wallraff, mit dem Richard Brox befreundet ist. Brox wurde 1964 in Mannheim geboren. Er kam bereits im Alter von fünf Jahren ins erste Heim und durchlief danach eine „Heimkarriere“. Der Junge verweigerte die Schule, galt als schwer erziehbar. Nach einem Drogenentzug Mitte der 80er Jahre verbrachte Richard Brox 30 Jahre auf der Straße. Seit 2006 betreibt er den Blog ohnewohnung-wasnun.blogspot.com: ein Selbsthilfeportal von und für Obdachlose in Deutschland. Derzeit lebt er in Köln. Richard Brox: Kein Dach über dem Leben; ISBN: 978-3-499-63294-5; Rowohlt Taschenbuch; 10 Euro, 272 Seiten.

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