Sa., 03.08.2019

Krankenhäuser in OWL reagieren auf Pöbeleien und Übergriffe Kliniken schulen Personal gegen Patienten-Angriffe

Im Klinikum Herford wurde eine Ärztin im Jahr 2018 schwer verletzt.

Im Klinikum Herford wurde eine Ärztin im Jahr 2018 schwer verletzt.

Von Florian Weyand

Bielefeld (WB). Gewalt in Krankenhäusern ist in Deutschland ein großes Problem. In Ostwestfalen-Lippe schulen viele Kliniken ihr Personal bereits mit einem Sicherheitstraining.

Im Klinikum Herford kam es im März 2018 zu einer Attacke auf das Krankenhauspersonal. Ohne Vorwarnung griff ein 31 Jahre alter Patient in einem Behandlungsraum eine Ärztin sowie Pfleger an. Glücklicherweise reagierte der bereits seit Jahren eingesetzte Sicherheitsdienst schnell und konnte den Mann überwältigen. Die Medizinerin wurde bei dem Angriff aber schwer verletzt.

Da die Sicherheitsleute in der Regel nur in den Abendstunden anwesend sind, setzt das Klinikum auf vorbeugende Maßnahmen. »Wir haben vor einigen Jahren begonnen, unsere Mitarbeiter in deeskalierenden Techniken zu schulen«, sagt Pressesprecherin Melanie Bax. Eine brutale Attacke wie im Vorjahr sei die Ausnahme, »aber verbale Dinge oder ein Schubser passieren immer mal wieder«, ergänzt sie.

56 Prozent der Pflegekräfte haben körperliche Gewalt erlebt

Die Erfahrungen aus Herford decken sich mit einer Studie der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege. In einer Umfrage aus dem Jahr 2018 gaben 79 Prozent der Pflegekräfte in Kliniken an, bereits Opfer von verbaler Gewalt geworden zu sein, 56 Prozent auch von körperlicher.

Bei den Mühlenkreiskliniken in Lübbecke hat man die wachsende Aggressivität ebenfalls registriert. Kritische Situationen habe es in der Vergangenheit nicht nur in der Notaufnahme, sondern auch auf den Stationen gegeben. Nicht immer sind es Patienten, die auffallen. »Es gab auch Vorfälle mit Angehörigen«, sagt Pressesprecher Christian Busse.

»Es gab Drohungen – auch gegenüber Familienangehörigen«

Mitarbeiter seien in der Vergangenheit bedroht und beleidigt worden. »Es gab Drohungen – auch gegenüber Familienangehörigen«, sagt Busse. In einem Fall äußerte ein Patient, dass er wisse, wo die Kinder eines Mitarbeiters zur Schule gehen. Die Klinik bietet seit einiger Zeit Selbstschutzkurse an. »Neben Deeskalation wird auch klassische Selbstverteidigung geschult«, sagt Busse.

Das Evangelische Klinikum Bethel (EvKB) setzt in Krisensituationen mittlerweile vermehrt auf Deeskalation. »Wichtige Inhalte sind dabei Aspekte der Kommunikation und der Körperhaltung. Zusätzlich lernen Mitarbeiter, sich bei körperlichen Attacken zu verteidigen«, sagt Pressesprecherin Sandra Gruß. Zudem bietet das Klinikum nach einem Gewalt- oder Bedrohungsszenario professionelle Hilfe an.

Am St.-Vincenz-Krankenhaus in Paderborn hat man aufgrund der gestiegenen Bedrohungslage eine Arbeitsgruppe gegründet und sich auch mit Experten der Polizei Paderborn ausgetauscht, teilt Anna Lena Winkelheide mit. Die Gruppe soll Techniken vermitteln, wie eine mögliche Eskalation bereits im Vorfeld erkannt werden könne.

Kommentare

Deeskalation?

Ich bin u.a. Dozent im Rettungswesen, Schulen, Verkehrsbetriebe usw.!! Deeskalation heißen unsere Seminare schon seit 10 Jahren nicht mehr, sondern “Umgang mit gewaltbereiten Menschen“!! Hierbei wird kein Alibilehrgang Selbstverteidigung durchgeführt. Dafür muß man mind. 2 mal die Woche trainieren gehen! Eine Schulung dauert mind. 2 Tage und muß jedes Jahr als normale Fortbildung wiederholt werden. Dabei müßen neue Gewaltphänomäne sowie aktuelle Fälle aus der jeweiligen Klinik mit eingearbeitet werden. Aber das kostet Geld und Zeit.

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