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Do., 29.06.2017

Die Neuen im Landtag, Teil 7: Ellen Stock (50) aus Lage vertritt die lippische SPD im neuen Landtag Das Wort Provinz mag sie nicht

Nur einen Steinwurf von ihrem Haus entfernt liegt der See, in dem Ellen Stock als Kind das Schwimmen lernte.

Nur einen Steinwurf von ihrem Haus entfernt liegt der See, in dem Ellen Stock als Kind das Schwimmen lernte. Foto: Oliver Schwabe

Von Dietmar Kemper

Lage (WB). Die Stocks haben das Kümmer-Gen. Ellen Stocks Großvater gründete 1953 den SPD-Ortsverein Lage-Waddenhausen, und der Vater schärfte der Tochter ein: »Es nützt nichts, wenn wir nur am Küchentisch diskutieren.« Ellen habe ein Haus, die Kinder seien aus dem Gröbsten raus, da könne sie doch für den Landtag kandidieren, sagte er.

Ellen Stock setzte sich im Wahlkreis 97 (Lippe I) durch und macht nun in Düsseldorf Politik. »Mein Vater wäre stolz«, sagt Ellen Stock. Er war im November gestorben, aber sein Kümmer-Gen lebt in der Tochter weiter. Im Kindergarten buk sie Kuchen, in der Schule war sie Sprachrohr der Eltern. Seit 2009 ist die 50-Jährige SPD-Mitglied, seit 2012 Ortsvereinsvorsitzende in Lage-Waddenhausen, seit 2014 Ratsmitglied, seit 2016 Kreisvorsitzende der SPD Lippe und Vize-Vorsitzende des Landesparteirates der NRW-SPD.

Politische Bühne ist jetzt der Landtag

»Ich bin ein Ortsvereins-Mensch«, sagt Ellen Stock. Aber jetzt ist ihre politische Bühne der Landtag und damit viel größer.

Die Neuen im Landtag

Neun Politiker aus OWL sind zum ersten Mal im Parlament, vier von der CDU, zwei von der SPD und AfD und ein Liberaler. In einer Serie stellt das WESTFALEN-BLATT sie vor.

Bisher erschienen:

Matthias Goeken (CDU) aus Höxter, Markus Wagner (AFD) aus Bad Oeynhausen, Christina Weng (SPD) aus Minden, Stephen Paul (FDP) aus Herford, Bernhard Hoppe-Biermeyer (CDU) aus Delbrück, Bianca Winkelmann (CDU) aus Rahden

In Düsseldorf wird sie erst einmal zu den unbekannten Abgeordneten gehören und sich Konturen zulegen müssen. Das will sie mit dem Thema Demographie erreichen. Die Versorgung in Dörfern mit Supermärkten, Busverbindungen, Internet und Treffpunkten für Jung und Alt sicherstellen – darum möchte sie sich kümmern. »Die Gesundheitsversorgung im Kreis Lippe ist eine Herausforderung, weil viele Hausärzte in Rente gehen«, nennt sie einen weiteren Punkt.

»›Provinz‹ ist für mich ein Unwort, auch die Bezeichnung ›ländlicher Raum‹ missfällt mir«, sagt Stock. Das klinge so, als gäbe es nur plattes Land, und ein Bauernhof reihe sich an den anderen. »Natürlich haben wir auch Höfe, aber es haben sich Industrie und Hochschulen angesiedelt und es gibt viel Kultur«, betont sie. In Lage-Waddenhausen, wo Ellen Stock mit ihrem Mann Michael, einem Wirtschaftsinformatiker, und den Töchtern Leonie und Mariella wohnt, mutet alles wie Idylle pur an. Wald umsäumt die Siedlung, und in dem 30 Meter entfernten See hat Ellen Stock Schwimmen gelernt.

Heimatverbundenheit und ehrenamtliches Engagement

Heimatverbundenheit und ehrenamtliches Engagement, damit Heimat nicht zu einem leeren Wort verkommt, sind ihr wichtig. Lage-Waddenhausen habe das kleinste Freibad Lippes, die »Pfütze«, erzählt sie. Von Müttern und Vätern ehrenamtlich betrieben, öffne es während der Schulferien und koste dann nur einen Euro.

An Ritualen für das Familienleben hält Ellen Stock fest. »Der gemeinsame Urlaub ist ein absolutes Muss«, erzählt sie. Wenn die vierköpfige Familie abends zusammen etwas isst, werden die Handys ausgeschaltet, SMS und E-Mails haben dann zu warten. Stock: »Ich renne ja auch nicht alle fünf Minuten zum Briefkasten.« Als Landtagsabgeordnete in Düsseldorf will Stock trotzdem so oft wie möglich zuhause sein. Drei Tage in der Landeshauptstadt sollten reichen, meint sie. Eine Wohnung sucht sie nicht, ein Hotelzimmer genügt ihr.

Beharrlichkeit bezeichnet sie als eine ihrer Charaktereigenschaften. Weil sie als Politikerin trockene Gesetzestexte verdauen muss, liest Stock in der Freizeit keine Sachbücher. Krimis von Sebastian Fitzek verschlingt sie, darüber hinaus ist sie Dauergast im Landestheater Detmold. Dass sie sich für Kunst interessiert, wird jedem deutlich, der ihr Haus betritt. Überall hängen selbstgemalte Bilder, die vom Meer erzählen. Den Blick für Proportionen brauchte Ellen Stock schon in ihrem früheren Beruf. Nach einer Schneiderlehre absolvierte sie eine zweijährige Weiterbildung zur Bekleidungstechnikerin. Modeschöpfer legten ihre Zeichnungen vor, und Stock machte das Schnittmuster dazu. Zählten früher modischer und technischer Verstand, sind es jetzt politisches Gespür und Engagement. Wie sagte ihr Vater zu ihr: »Du darfst nicht nur schimpfen, sondern musst etwas tun.«

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