Sa., 15.06.2019

Abfuhrunternehmen droht Tonnen-Sündern mit harten Konsequenzen – mit Video Kompostwerk alarmiert: zu viel Fremdstoffe im Biomüll

Dieses Gurkenglas stammt aus einem Biomüllhaufen, der im Kompostwerk angeliefert wurde.

Dieses Gurkenglas stammt aus einem Biomüllhaufen, der im Kompostwerk angeliefert wurde. Foto: Jan Gruhn

Von Jan Gruhn

Lemgo (WB). Wer im Kreis Lippe Fremdstoffe wie Plastik oder Glas in seine Bio-Tonne wirft, der bleibt demnächst auf seinen Abfällen sitzen.

Ulrich Frohmann schüttelt mit dem Kopf. Mit seinem schwarzen Arbeitsschuh tritt der Geschäftsführer der Abfallbeseitigungs-GmbH Lippe gegen ein verschlossenes Glas mit Gewürzgurken. »Das hier ist ein gutes Beispiel«, sagt Frohmann. Das Glas stammt aus einem großen Haufen Biomüll, den Mitarbeiter am Freitagmorgen im Lemgoer Kompostwerk angeliefert haben. Doch nach »Bio« sieht dieser Abfall nicht aus. Etwa ein Dutzend weiße und grüne Plastiktüten, teils bereits zerfetzt, sind in dem Haufen zu erkennen. Halbvolle Joghurtbecher, eine Plastikflasche für Orangensaft, ein alter Küchenschwamm.

»Seit der Einführung der Biotonne in den 90er Jahren hat sich die Qualität des Biomülls massiv verschlechtert«, sagt Ulrich Schlotthauer, Betriebschef des Kompostwerks. Aus dem einstigen Erfolgsmodell sei ein Problem geworden. »Ein Großteil hält sich an die Mülltrennung«, sagt Berthold Lockstedt, der gemeinsam mit Schlotthauer die Gesellschaft für Abfallentsorgung Lippe führt. »Aber einige Totalverweigerer machen es uns kaputt.« Nach Angaben der Kompost-Profis nehmen die Fremdstoffe in den Tonnen seit Jahren zu. Lockstedt: »Da werden Sachen da rein geschmissen, wo Platz ist.«

René Filla vom Unternehmen Pre Zero präsentiert eines der Schilder, die Müllsünder bald an ihren Tonnen finden sollen. Foto: Jan Gruhn

Das schaffe gleich mehrere Probleme. »Wenn wir das Material nicht zu Beginn des Verarbeitungsprozesses raus bekommen, kriegen wir Problemen mit den Maschinen«, erklärt Schlotthauer. Die könnte die Fremdstoffe nämlich nicht richtig verarbeiten. Viel schlimmer sei jedoch, dass der Kompost zunehmend mit Einträgen belastet werde, den Landwirte oder Hobbygärtner auf ihre Flächen streuen. »So ein Gurkenglas zum Beispiel wird zu kleinsten Scherben«, sagt Schlotthauer. Und der Kunststoff? Das werde zu Mikroplastik.

Dass Lippe mit diesem Problem nicht allein dasteht, wurde bereits im vergangenen Jahr klar. Forscher der Universität Bayreuth fanden in einer Studie heraus, dass Dünger aus Gärresten reichlich Mikroplastik enthält, bei einigen Proben waren es demnach bis zu 900 Stück Kunststoff pro Kilogramm. Auch vor den als kompostierbar beworbenen Plastikbeuteln für den Biomüll warnen Schlotthauer und Lockstedt. Um zersetzt zu werden, bräuchten die nämlich deutlich länger als der Rest des Mülls.

In den kommenden Wochen will Entsorgungsdienstleister Pre Zero die Bio-Tonnen genau kon­trollieren. Mit modernen Detektoren, aber auch per Hand. Dafür wird laut Niederlassungsleiter René Filla das Personal aufgestockt. Wird gegen die Regeln verstoßen, gibt’s rote Markierungsschilder – und die Mülltonne bleibt stehen. »Sie wird erst wieder zum nächsten regulären Termin abgeholt«, erklärt Filla. Wenn weiterer Biomüll anfalle, müssten die Betroffen die kostenpflichtigen Beistellsäcke nutzen.

Und die Menschen sollen dann in die Tonne klettern und den Müll per Hand sortieren? »Ja«, sagt Filla. Das sei die einfache Antwort für erboste Anrufer. Die Strategien der Vergangenheit hätten nichts gebracht. »So wollen wir einen Lerneffekt erzielen.«

Kommentare

Mit * markierte Felder sind Pflichtfelder

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6690980?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198397%2F2949427%2F