Do., 20.06.2019

Warum Merten Kunisch ein Kreuzfahrtschiff auf dem Lemgoer Marktplatz platziert hat – mit Video Echt gefälscht!

Merten Kunisch lässt einen Kreuzfahrtriesen übern den Lemgoer Marktplatz fahren.

Merten Kunisch lässt einen Kreuzfahrtriesen übern den Lemgoer Marktplatz fahren. Foto: Merten Kunisch

Von Florian Weyand

Lemgo (WB). Echte Hingucker: In seinen Bildern legt Merten Kunisch die Bielefelder Sparrenburg auf die Seite oder platziert ein Kreuzfahrtschiff auf dem Lemgoer Marktplatz. Ab Sonntag stellt der Fotograf aus dem Kreis Lippe seine besten Bildmontagen im Weserrenaissance-Museum im Schloss Brake aus.

Mit der Aufnahme des Kreuzfahrtschiffs auf dem Marktplatz fing 2016 alles an. »Ich habe mich über die Begradigung eines Flusses geärgert«, berichtet Merten Kunisch über die Gedanken, die ihn zu dieser Bildmontage bewegt haben. Das Foto machte ihn – der sich selbst Fotograf und nicht Künstler nennt (»Künstler schlafen immer lange, ich nicht«) – auf einen Schlag bekannt. In 55 Ländern wurden seine Montagen gezeigt. Er gab Interviews in den Niederlanden und auf dem Balkan – und ein Magazin in Asien nannte ihn in Anlehnung an den berühmten spanischen Künstler Salvador Dalí den »Neuzeit-Dalí«.

Fotograf Marten Kunisch. Foto: Florian Weyand

Mit dem Fotografieren begann Kunisch bereits als Kind. »Da habe ich meine erste Kleinbildkamera bekommen«, sagt er. Später folgte die analoge Spiegelreflexkamera – und im digitalen Zeitalter wuchs das Interesse an der Bearbeitung der Aufnahmen. »Das gibt mir die Möglichkeit, Stimmungen zu zeigen, die ein normales Foto nicht bieten kann.«

Echt oder Manipulation? Kunischs Aufnahmen sind so präzise bearbeitet, dass man oft mindestens zweimal hingucken muss, um die Fälschung zu entdecken. »Ich achte sehr auf Details«, verrät der Fotograf. Das Kreuzfahrtschiff zum Beispiel spiegelt sich in den Scheiben des Marktplatzes.

Merten Kunisch ist mit seinen Bildmontagen weltweit bekannt. Foto: Merten Kunisch

Politische Botschaften möchte Kunisch nicht unbedingt verbreiten. Dennoch haben seine Werke natürlich einen Hintergedanken. Eine seiner Montagen zeigt einen Teddybären auf einer Straße. Am Rand stapelt sich der Müll. Kunischs Botschaft: »Wir dürfen unseren Kindern nicht so viele Müllberge hinterlassen.« Ein weiteres Foto zeigt auf den ersten Blick ein Maschinengewehr. In Wirklichkeit ist es Foto-Equipment: Stativ, Blitz und Objektiv. Zusammengelegt wie eine Waffe. Er sieht die Motive eher als eine Art Warnung. »Fotos und Videos können eine Waffe sein«, sagt er.

Die Ideen zu seinen Werken hat Merten Kunisch zufällig. »Meist mache ich mir auf dem Sofa oder unter der Dusche Gedanken«, erzählt der Fotograf. So entstehen die Werke im Kopf und werden anschließend mit Kamera und Computer erstellt. Für die Erstellung einer Montage braucht er zwischen drei und fünf Stunden. So entstehen in kurzer Zeit echte Hingucker.

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) eröffnet am Sonntag die neue Sonderausstellung »Achtung Bildakrobat!« im Schloss Brake. Die Eröffnung findet im Rahmen eines Familientags zum 70-jährigen Jubiläum des Landesverbandes Lippe statt; der Eintritt ist frei. Anschließend sind die Aufnahmen immer sonntags bis dienstags von 10 bis 18 Uhr zu sehen.

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