Mo., 19.08.2019

Soziales Start-up aus Lemgo soll Generationen an einen Tisch bringen Großeltern – eine Mahlzeit lang

Von wegen Roulade: Beim Testessen gab es Lachs auf Gemüsebett.

Von wegen Roulade: Beim Testessen gab es Lachs auf Gemüsebett. Foto: Albrecht

Von Jan Gruhn

Lemgo (WB). Bei Oma schmeckt’s am besten – ein Satz, den wohl viele Enkel unterschreiben würden. Ein soziales Start-up aus Lemgo macht sich dieses Prinzip zunutze.

Wohl kaum ein Familienmitglied steht sinnbildlich für so viele gute Dinge wie die eigene Oma – das ist auch bei Tosca Albrecht (23) so. Wertschätzung, Nähe und Geborgenheit, so beschreibt die Design-Studentin es. Und natürlich richtig gutes Essen.

Nadine (rechts) und Vera (2. von rechts) sind zum Testessen bei den »Großeltern« Werner und Brigitte Hellweg. Foto: Albrecht

Doch nicht jeder Enkel hat Oma und Opa, die er regelmäßig besuchen kann. Und nicht alle Senioren sind Großeltern. Deshalb will Albrecht die Generationen über ihr Projekt »Aus Großmutters Topf« an einen Tisch bringen – wortwörtlich. »Man kann sich das in etwa so vorstellen wie bei Airbnb«, erklärt die gebürtige Brandenburgerin, die fürs Studium nach Ostwestfalen-Lippe gezogen ist.

Senioren laden ein, junge Menschen kommen

Die Senioren laden zum Essen ein und hungrige junge Menschen können sich anmelden. Als Unterstützung bekommt jeder Senior einen »Enkel« oder eine »Enkelin« zugewiesen, erklärt Albrecht. Er oder sie lernt die »Oma« oder den »Opa« vorher kennen und hilft anschließend bei der Organisation. »Das Essen findet dann bei den Senioren statt«, sagt Albrecht. Und beim gemeinsamen Mittagtisch kämen die Teilnehmer dann schnell ins Gespräch.

Die Idee brachte Albrecht eigenen Angaben zufolge aus Südkorea mit. Für ein Auslandssemester reiste sie 2016 in das asiatische Land. »Dort sind die Verbindungen zwischen den Generationen noch deutlich stärker«, sagt Albrecht. »Ich habe dort so viel Hilfsbereitschaft erlebt.« Als sie zurück in Deutschland war, wollte sie selbst etwas für die Verflechtung der Generationen tun.

»Aus Großmutters Topf« läuft seit einem Monat

Seit etwas mehr als einem Monat läuft »Aus Großmutters Topf« mittlerweile. Derzeit arbeitet Albrecht daran, Aufmerksamkeit für das Projekt zu generieren. Dazu führe sie Gespräche mit Vereinen oder Kirchengemeinden. Mittelfristig, so Albrechts Idee, sollen auch Unternehmen einsteigen. »In vielen kleineren Betrieben gibt es keine Kantine«, erläutert die Studentin das Konzept. Stattdessen könnten Firmen dauerhaftere Kooperationen mit »Großeltern« eingehen, um so eine Art Mittagstisch-Angebot für ihre Mitarbeiter zu schaffen – und das soziale Miteinander gibt’s gleich oben drauf.

Doch noch ist es nicht soweit. »Wir arbeiten gerade daran, einen Senioren-Pool aufzubauen«, sagt Albrecht. Eine Oma und ein Opa haben sich Albrecht zufolge bereits gefunden, ein dritter Senior wolle bald regelmäßig mitmachen. »Es gab schon die ersten Testessen«, sagt Albrecht. Einmal wurde zur Vorspeise Spargelsuppe serviert, zum Hauptgang dann Spaghetti Carbonara. Ein anderes Mal kochten die Großeltern Lachs auf Gemüsebett. »Die Gerichte sind also gar nicht so klassisch, wie man es vielleicht bei einer Oma erwartet«, sagt Albrecht.

Nicht einmal hat ein Gast das Smartphone gezückt

Nach dem Essen habe es sogar ein dickes Lob für die jungen Teilnehmer gegeben. Nicht ein Mal hätten die junge Leute ihre Smartphones rausgeholt, habe es anerkennend von Seiten der Gastgeber geheißen. »Ihre größte Angst war, dass die junge Generation keine Manieren hätte«, sagt Albrecht. Ein Vorurteil, das durch das gemeinsame Mahl abgebaut wurde. Und genau darum gehe es. »Vorurteile beseitigen«, so Albrecht, »denn beide Seiten haben sie.« Das Start-Up wird Albrecht zufolge über das NRW-Gründerstipendium gefördert.

Senioren aus dem Raum Ostwestfalen-Lippe, die mitmachen möchten, können sich per Mail unter info@grossmutterstopf.de oder Telefon 0178/8770316 melden. Wer mal bei einem Opa oder einer Oma essen möchte, kann sich ebenfalls bei Albrecht melden. Mehr Infos.

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