Mi., 18.09.2019

Lemgoer Gymnasium wollte Schüler zum Besuch von »Fridays for Future« verpflichten Ärger um Exkursion zum Klimastreik

Das Engelbert-Kaempfer-Gymnasium (EKG) in Lemgo.

Das Engelbert-Kaempfer-Gymnasium (EKG) in Lemgo. Foto: K. deerberg

Von Christian Bröder

Lemgo (WB). Wenn der Klimastreik in Ostwestfalen plötzlich offiziell zum »Pflichtfach« wird: Das Engelbert-Kaempfer-Gymnasium (EKG) in Lemgo möchte mit seinen Schülern am Freitag zum Weltklimastreiktag die örtliche Kundgebung der »Fridays for Future« -Bewegung besuchen und hatdie Teilnahme an der Demonstration kurzerhand in einem Brief an die Eltern zur Pflicht erklärt. Die Reaktion: Es gab kritische Stimmen, Protest und Beschwerden. 

Stein des Anstoßes für den Ärger ist das Schreiben, in dem Lehrer und Schulleitung den Besuch der örtlichen Veranstaltung des dritten globalen Klimastreiks ankündigen, um sich »ein eigenes Bild von dieser Bewegung machen zu können«. Das Ziel: Die Schüler sollten Erfahrungen sammeln, wie ein Bürgerrecht umgesetzt werden könne, oder einfach nur Eindrücke sammeln. »Organisatorisch wird es so sein, dass die Fachlehrer der sechsten und siebten Stunde mit ihrer Klasse eine Exkursion zum Marktplatz unternehmen. Die Anwesenheitspflicht der Schüler endet somit am Ende der regulären Unterrichtszeit auf dem Marktplatz«, heißt es weiter.

Kritik an der verpflichtenden Teilnahme

Kritik an der verpflichtenden Teilnahme hatte zunächst die Schüler-Union Lippe geübt: Wenn man Schüler dazu zwingen würde, »an einer politischen Demonstration während der Schulzeit teilzunehmen, dann sollten sich die Verantwortlichen die Frage stellen, ob sie damit nicht ihre besondere Stellung missbrauchen«, heißt es in einer Stellungnahme bei Facebook. »Wir haben das Vorhaben als falsch empfunden und deshalb reagiert. Es sollte in diesem Fall keine Bevormundung durch Lehrkräfte geben«, sagt Max Hinrichsen. Der 17-jährige Vorsitzende der Schüler-Union Lippe war selbst Schüler des EKG. Auch Eltern äußerten sich aufgebracht: Ein Vater hatte via Facebook angekündigt, dass seine Tochter nicht an der Exkursion teilnehmen werde. Er forderte zudem »Ersatzunterricht für Teilnahmeverweigerer«. Mit Erfolg?

Unterrichtsgänge seien freiwillig

Die Schulleitung war am Dienstag zwar für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Auf seiner Homepage aber teilte das Gymnasium mit, dass »die Unterrichtsgänge am Freitag für Schüler und Lehrer freiwillig« seien. Zudem würden sie in ein pädagogisches Konzept eingebettet, »bei dem der Grundsatz der schulischen Neu­tralität beachtet wird«.

Kommentare

Unglaublich

Unglaublich diese Direktive zum stattlich gefördertem Gruppenzwang.
Wer nicht Demonstriert der muss sich dafür Entschuldigen.

Direkt Brief vom Anwalt und zusätzlich Klageprüfung vorm Verwaltungsgericht.
Zack...
Würde mir da einen Spaß draus machen.
Noch gibt es eine Schulpflicht aber auch einen Lehrauftrag.

Klimastrreik

Wir haben Lehrermangel, Unterichtsstunden fallen aus. Nun soll auch noch während der Schulzeit - nicht während der Ferien oder am Wochenende - für den vermeintlichen Klimawandel die Sensibilität oder die Moral geschärft werden, zur Förderung der eigenen Hypermoral. Ich bin davon überzeugt, dass bald nicht mehr Klimawandel und Seenotrettung die Schlagfzeilen beherrschen werden, sondern Kurzarbeit, Entlassungen, Arbeitslosigkeit und explodierenden Sozialkosten. Die oft propagierte Jugendlichkeit ist nicht im ausreichenden Masse vorhanden, um den Klimaschutz durchzusetzen. Es reicht eben nicht, wenn Merkel zu einem Elfjährigen sagt: "Es ist gut, dass ihr uns Politikern Beine macht."

2 Kommentare

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