Lemgoer Forscher entwickelten Datenspeicher für Geldscheine
Intelligente Banknoten

Lemgo/San Francisco (WB). Die Banknote der Zukunft soll intelligent sein. Sie kann Daten speichern und darüber Aufschluss geben, wann sie an einem Geldautomaten aus- oder im Handel an einer Kasse eingezahlt wurde. Entwickelt wird diese „smarte Banknote“ im Institut für industrielle Informationstechnik (inIT) an der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe in Lemgo.

Montag, 03.02.2020, 02:21 Uhr aktualisiert: 03.02.2020, 05:02 Uhr
Professor Volker Lohweg leitet das Institut für industrielle Informationstechnik (inIT) im lippischen Lemgo. Foto:
Professor Volker Lohweg leitet das Institut für industrielle Informationstechnik (inIT) im lippischen Lemgo.

Dessen Leiter, Prof. Volker Lohweg, präsentierte die Forschung Ende vergangener Woche auf der alle zwei Jahre stattfindenen größten Konferenz für das Fachgebiet Dokumentensicherheit, der „Optical Document Security Conference“ in San Francisco. Danach sollen die Banknoten mit chemischen Speichern ausgerüstet werden, die ebenfalls an der Hochschule OWL am Institut für Lebensmitteltechnologie (ILT.NRW) entwickelt wurden.

Sicherheit vor Fälschungen verbessern

Die Rückverfolgbarkeit der Banknoten wird Lohweg zufolge die Sicherheit vor Fälschungen wesentlich verbessern. Gleichzeitig bleibe die Anonymität der Nutzer gewahrt – für die Befürworter ein wesentlicher Grund dafür, dass das Bargeld noch nicht durch andere Zahlungsmittel wie Kreditkarte oder Bezahlen der Handy ersetzt wurde. Lohweg geht davon aus, dass das Bargeld weiter dominieren wird. Es sei zuverlässig, anonym, authentisch sowie weltweit akzeptiert und verbreitet. Zudem leide es deutlich weniger als andere Systeme unter technischer Störanfälligkeit und kriminellen Betrügereien. Allerdings: 100 Prozent sicher sei auch die Banknote nicht. Daher geht der Lemgoer Wissenschaftler davon aus, dass sich der smarte Geldschein bald durchsetzen wird.

Die Arbeitsgruppe „Diskrete Systeme“ arbeitet am inIT seit zehn Jahren daran, die Banknote sicherer zu machen. Bisher konzentrierten sich die Forscher allgemein auf die Weiterentwicklung von Sicherheitsmerkmalen wie Wasserzeichen, Hologramm, Sicherheitsfaden, eine optisch sich verändernde Druckfarbe und das sogenannte Durchsichtsfenster. Daneben wurde die Sicherheit von Bankautomaten und Tresoren dadurch verbessert, dass das Geld bei Gewalteinwirkung von außen durch Tinte oder Klebstoff, die nicht beseitigt werden können, unbrauchbar gemacht wird.

Nach Angaben der Europäischen Zentralbank sind Euro-Banknoten im Wert von insgesamt 23,2 Milliarden im Umlauf. Am gefragtesten sind 50-Euro-Scheine – allein 10,85 Milliarden.

Diskussion um die Zukunft des Bargelds

Die Diskussion um die Zukunft des Bargelds hatte zuletzt wieder durch die Forderung nach Abschaffung der kleinen Geldmünzen Fahrt aufgenommen. Sogar die neue Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, sprach sich dafür aus, E in- und Zwei-Cent-Münzen aufzugeben, weil sie teuer und unpraktisch seien. In Finnland, den Niederlanden, Belgien und Irland sind sie bereits abgeschafft. Dort werden die Beträge im Einzelhandel auf fünf Cent auf- oder abgerundet. Widerstand kommt vor allem aus der deutschen Politik. Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) kritisierte den Vorstoß der EU-Kommission. Er glaube, „dass es immer möglich sein muss, dass man sein Geld vernünftig ausgeben kann, und dass, wenn es kleine Preise gibt, man auch mit kleinen Geldmünzen bezahlen können soll”. Ähnlich äußerte sich CSU-Generalsekretär Markus Blume: „Wer den Cent nicht ehrt, dem ist Freiheit nichts wert! Hände weg von unserem Bargeld.”

Bei der Konferenz in San Francisco geht es außer um Banknoten generell um die Sicherheit von Dokumenten einschließlich Pässe. Das InIT in Lemgo forscht auf dem Gebiet der industriellen Informationstechnik und beschäftigt derzeit gut 70 Mitarbeiter.

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