Di., 04.12.2018

Pensionierter Polizist Hugo Prante (81) bekommt Bundesverdienstkreuz Hunderte Opfer betreut

Hugo Prante (81) in seinem Arbeitszimmer: Der pensionierte Polizeidirektor leitete bis 2017 die Außenstelle Lippe des »Weißen Rings«, arbeitet aber weiter in dem Opferschutzverein mit. Prante ist verheiratet, hat zwei Töchter, neun Enkel und sieben Urenkel.

Hugo Prante (81) in seinem Arbeitszimmer: Der pensionierte Polizeidirektor leitete bis 2017 die Außenstelle Lippe des »Weißen Rings«, arbeitet aber weiter in dem Opferschutzverein mit. Prante ist verheiratet, hat zwei Töchter, neun Enkel und sieben Urenkel. Foto: Christian Althoff

Von Christian Althoff

Leopoldshöhe (WB). Hinterbliebene von Mordopfern, missbrauchte Frauen – als Mitarbeiter des »Weißen Rings« hat Hugo Prante (81) in 20 Jahren mehrere hundert Verbrechensopfer betreut. Dafür bekommt der frühere Polizeichef des Kreises Herford am Samstag das Bundesverdienstkreuz.

»Lange spielten Opfer für die Polizei leider keine Rolle, und auch Politiker kümmerten sich vor allem darum, dass für die Täter alles getan wurde. Gott sei Dank hat sich das geändert«, sagt der pensionierte Polizeidirektor, der in Leopoldshöhe lebt.

1956, elf Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs, hatte der Lipper seine Ausbildung bei der Polizei begonnen. »Wir mussten damals noch zum Exerzieren antreten und das Schießen mit Maschinengewehren lernen und all’ so’n Quatsch«, sagt der 81-Jährige und lacht. Als er 41 Jahre später 1997 in Herford pensioniert wurde, fragte ihn ein Studienfreund, den er in der Polizeiführungsakademie Münster kennengelernt hatte, ob er sich für den »Weißen Ring« engagieren wolle. Hugo Prante wurde Mitarbeiter der Außenstelle Lippe und war bis 2017 ihr Leiter. Die Außenstelle betreut mit sechs Ehrenamtlichen etwa 50 Menschen pro Jahr – vor allem Opfer von Sexualverbrechen.

Schicksale, die erschüttern

»Man muss zuhören können und ein mitfühlender Mensch sein«, sagt der Senior. Oft seien die psychischen Folgen von Straftaten unvorstellbar. »Sie können Leben zerstören.« Nie werde er ein Ehepaar vergessen, das nachts in seinem Haus überfallen worden war. »Die maskierten Räuber haben den 78 Jahre alten Mann und seine 76-jährige Frau im Keller gefesselt und geschlagen. Sie haben die Opfer grün und blau geprügelt, weil sie wissen wollten, ob es einen Tresor gibt.«

Die Kinder des Ehepaares hätten den alten Herrschaften später eine einbruchssichere Tür in den Schlaftrakt einbauen lassen, aber das habe nichts genutzt: »Sie waren so traumatisiert, dass sie nicht mehr in dem Haus leben konnten. Sie mussten es verkaufen und trotz des hohen Alters noch einmal umziehen.«

Erschüttert habe ihn auch das Schicksal von Eltern aus dem Kreis Lippe, deren Sohn in Berlin Opfer eines Kannibalen geworden sei. »In vier Jahrzehnten Polizeidienst habe ich viel erlebt, aber so etwas nimmt einen dann doch mit. Das muss man erst einmal wieder loswerden.« Manche Helfer des »Weißen Rings« brauchten deshalb nach solchen Einsätzen selbst Hilfe, sagt der Pensionär.

Kosten für Opferanwalt nur bei schweren Delikten übernommen

Der »Weiße Ring« ist Anlaufstelle für Verbrechensopfer und ihre Angehörigen. Ob der Verein den Menschen selbst hilft oder sie an andere Einrichtungen vermittelt, wird von Fall zu Fall entschieden. Opfer, die erst einmal nur sprechen möchten, erreichen unter 116006 rund um die Uhr einen Gesprächspartner. »Wer sich mit einem Anwalt austauschen möchte und sich das nicht leisten kann, bekommt von uns einen Beratungsscheck«, sagt Hugo Prante. Denn noch immer bezahle der Staat zwar jedem Täter einen Verteidiger, aber die Kosten für einen Opferanwalt würden nur bei schweren Delikten übernommen.

Beratungsschecks gibt es auch für einen ersten Kontakt mit einem Psychologen. »Außerdem helfen wir Opfern bei Behördengängen. Wir unterstützen sie beim Beantragen von Opferentschädigungsrenten, und wir begleiten sie, wenn sie als Zeugen vor Gericht aussagen müssen«, erklärt Hugo Prante.

Gelegentlich würden auch Beerdigungskosten übernommen – wie 2001, als ein Kasache eine Liste von Verwandten aufgestellt hatte, die er töten wollte. Er wurde gefasst, nachdem er in Lage und Detmold zwei Männer erschossen hatte. Hugo Prante: »Die Witwen hatten nicht das Geld für die Bestattungen. Die haben wir vom Weißen Ring bezahlt.«

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