Fr., 08.03.2019

Hinweis auf Taten von Andreas V. 2002 und 2008 – Ermittlungen gegen vier Familienhelfer Tatort Campingplatz: 900.000 Fotos gesichtet

Ein Polizist steht vor der Behausung des Hauptverdächtigen auf dem Campingplatz in Lügde.

Ein Polizist steht vor der Behausung des Hauptverdächtigen auf dem Campingplatz in Lügde. Foto: Althoff

Von Christian Althoff

Bielefeld (WB). Die Ermittlungskommission »Eichwald«, die den mutmaßlich tausendfachen Missbrauch auf dem Campingplatz in Lügde-Elbrinxen aufklären soll, kommt voran: Bei der Auswertung von Kinderpornografie haben sich die Mitarbeiter bis Ende Februar mehr als 27.000 Videos und etwa 900.000 Fotos angesehen. Kräfte mehrerer nordrhein-westfälischer Polizeidienststellen seien daran beteiligt gewesen, hieß es gestern im Polizeipräsidium Bielefeld.

Die Dateien stammen aus dem Besitz der drei Hauptbeschuldigten Andreas V. (56) aus Lügde, Mario S. (33) aus Steinheim und Heiko V. (48) aus Stade. Bei ihnen waren nach Polizeiangaben insgesamt 15 Terabyte Daten sichergestellt worden. Die Auswertung wurde mit Hochdruck betrieben.

Theoretisch hätten die Beschuldigten nämlich auch im Besitz von Videos oder Fotos sein können, die einen aktuell noch andauernden Missbrauch von Kindern durch andere Pädokriminelle zeigen. Dann hätte man diese Opfer identifizieren und aus ihrer Lage befreien müssen.

Liste von vor 20 Jahren entdeckt

Auch die zweite Bielefelder Ermittlungskommission ist einen Schritt weiter. Sie ermittelt gegen acht Jugendamtsmitarbeiter aus NRW und Niedersachsen, vier Mitarbeiter von Familienhilfe­organisationen (sie waren für die Kontrolle von Andreas V. und seiner Pflegetochter zuständig) sowie gegen zwei Polizisten aus Lippe.

Diese »EK Behördenermittlungen« hat in der Detmolder Polizeibehörde eine Liste entdeckt, die offenbar vor 20 Jahren angelegt wurde und in der seitdem Hin­weise auf Sexualdelikte in Lippe erfasst wurden.

In einigen Fällen steht neben dem Hinweis eine sogenannte Tagebuchnummer. Das bedeutet, dass der Vorgang ins polizeiliche Computersystem eingegeben wurde und dort unter der automatisch vergebenen Tagebuchnummer wiedergefunden werden kann (sofern die Daten nicht nach spätestens zehn Jahren gelöscht wurden, was oft die Regel ist).

Andere Hinweise auf Sexualstraftaten scheinen nicht elektronisch erfasst worden zu sein, jedenfalls stehen auf der Liste auch Eintragungen ohne Tagebuchnummer.

Unklar, was daraus wurde

Laut dieser Aufstellung wurde im Januar 2002 der Verdacht an die Polizei herangetragen, dass der heutige Hauptbeschuldigte Andreas V. ein achtjähriges Mädchen missbraucht haben soll. Ausgerechnet neben diesem Eintrag fehlt eine Tagebuchnummer. Die Bielefelder Ermittler können deshalb noch nicht sagen, ob damals ein förmliches Ermittlungsverfahren gegen Andreas V. geführt ­wurde.

Neben der Liste fand die Ermittlungskommission im elektronischen Vorgangsbearbeitungssystem der Polizei Lippe die Notiz, dass Andreas V. 2008 einen sexuellen Missbrauch begangen haben soll. Der Vorgang soll damals bearbeitet worden sein, doch ist unklar, was daraus wurde und ob er an die Staatsanwaltschaft Detmold übergeben wurde.

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