Sa., 13.04.2019

Datenträger in Hohlraum versteckt – Polizei sieht keine Panne Lügde: Arbeiter finden neue CDs und Disketten

Der Wohnwagen von An­dreas V. wird von einem Unternehmen derzeit abgerissen.

Der Wohnwagen von An­dreas V. wird von einem Unternehmen derzeit abgerissen. Foto: Althoff

Von Florian Weyand

Lügde (WB). Die Pannenserie bei den Ermittlungen zum Missbrauchsfall von Lügde reißt nicht ab. Ein Abbruchunternehmer hat am Donnerstag und Freitag weitere Datenträger im Wohnwagen des Hauptverdächtigen Andreas V. (56) gefunden.

»Als wir in die Wohnwagen rein sind, den Ort selber gesehen haben und dann noch die CDs gefunden haben, das war schon hart. Da ist es uns eiskalt den Rücken runtergelaufen«, sagte Unternehmer Christopher Wienberg der »Süddeutschen Zeitung«.

Ende März wurde der Wohnwagen von Andreas V., der seit Jahrzehnten auf der Anlage in Lügde lebte und über viele Jahre Jungen und Mädchen missbraucht haben soll , von den Ermittlern freigegeben. Campingplatzbesitzer Frank Schäfsmeier erwirkte über den Anwalt des 56-Jährigen eine Erlaubnis zum Abriss. Die Spurensicherung der Polizei Bielefeld hatte die Behausung zuvor im März ausführlich unter die Lupe genommen. Bei der Durchsuchung wurde auch ein Spürhund eingesetzt.

Nach zwei Tagen machten Arbeiter eine erste Entdeckung

Am Dienstag begann der Abriss der Behausung. Nach zwei Tagen machten Arbeiter eine erste Entdeckung. Sie fanden laut Polizei eine CD und zwei Disketten, die in einem Zwischenraum des doppelten, fest verbauten Holzbodens des Wohnwagens versteckt waren. Am Freitag setzten Wienberg und sein Team schweres Gerät ein und entdecken im Schutt eine weitere CD. Laut Medienberichten waren die Datenträger zum Teil mit einer Jahreszahl, dem Wort »Video« sowie dem Buchstaben X beschrieben.

Erstaunlich ist, dass Mitarbeiter eines Abbruchunternehmens die Datenträger entdeckten und nicht die Spurensicherung. Von einer Panne will bei den Behörden aber niemand sprechen.

Die Polizei verweist in einer Stellungnahme darauf, dass das Abbruchunternehmen schweres Gerät eingesetzt habe. Das sei den Beamten nicht möglich gewesen. »Eine Zerstörung der Behausung kam bei den Durchsuchungen aus rechtlichen Gründen nicht in Betracht«, sagte eine Polizeisprecherin. Aufgrund der Lage in einem Hohlraum hätten die Beweismittel auch durch einen Datenträgerspürhund nicht gefunden werden können.

»Ein Ermittlerteam ist auf dem Campingplatz vor Ort«

Die Polizei Bielefeld hat auf die neuen Funde in Lügde reagiert. »Ein Ermittlerteam ist auf dem Campingplatz vor Ort«, sagte eine Polizeisprecherin. Die gefundenen CDs und Disketten sind vom Abrissunternehmer mittlerweile an die Polizei übergeben worden.

Über den Inhalt gibt es von der Polizei bisher noch keine Informationen. »Eine detaillierte Erörterung der Beweise vor der Hauptverhandlung in den Medien verbietet sich«, sagte eine Polizeisprecherin. Insgesamt sammelte die Polizei in dem Fall bisher mehr als 15 Terrabyte an Daten. Umgerechnet sind das mehr als 24.000 CDs.

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