Mi., 17.04.2019

Ermittler äußern sich zu neuen Funden in Lügde Bei Abriss gefundene Datenträger sind nicht relevant

Oberstaatsanwalt Ralf Vetter.

Oberstaatsanwalt Ralf Vetter. Foto: Christian Althoff

Lügde (WB/ca). Tatort Campingplatz: Nach vereinzelter Kritik an den Ermittlungsbehörden hat die Staatsanwaltschaft Detmold gestern Stellung bezogen.

Demnach werden sämtliche Funde und Feststellungen im Zusammenhang mit den Abrissarbeiten auf dem Campingplatz »Eichwald« als »nicht beweiserheblich« eingestuft. Das teilte Oberstaatsanwalt Ralf Vetter mit.

Es war kritisiert worden, dass bei Abbrucharbeiten auf dem Campingplatz noch CDs und Videokassetten aufgetaucht waren . »Diese Funde überwiegend alter Datenträger ungeklärter Herkunft besitzen keinerlei Relevanz und haben die Ermittlungen auch in keiner Weise weitergebracht«, sagte Vetter.

Deshalb werde die Polizei in Bezug auf das Missbrauchsverfahren keine weiteren Ermittlungen auf dem Campingplatz zu den zuletzt gefundenen Videokassetten und den anderen Datenträgern durchführen. Das gelte auch für einen Geräteschuppen, den der Hauptbeschuldigte Andreas V. genutzt haben soll.

Vorhandene Beweise reichen für Überführung aus

»Nach der Freigabe der Tatorte am 27. März handelt es sich bei den Parzellen auf dem Campingplatz nicht mehr um Einsatzorte der Strafverfolgungsbehörden, die weitere polizeiliche Maßnahmen erfordern«, sagte der Oberstaatsanwalt.

Aus seiner Sicht sei die Relevanz von Dateien für die Beweisführung hinsichtlich der Missbrauchstaten als geringer anzusehen als die vorliegenden Zeugenaussagen. Nach wie vor gelte die Einschätzung, dass die vorhandenen Beweise für eine Überführung der Täter ausreichten.

Die Staatsanwaltschaft und die Polizei Bielefeld ermitteln wegen schweren sexuellen Kindesmissbrauchs gegen mehrere Beschuldigte, der Prozess soll im Juni beginnen .

Alle Informationen zum Missbrauchfall gibt es auf unserer Themenseite .

Kommentare

Sei Abriss gefundene Datenträger sind nicht relevant

An die Redaktion: Falls Sie meinen Lb abdrücken wollen, verwenden Sie bitte diese korrigierte Version. Die unkoorigierte hatte ich versehentlich abgeschickt.

Schatten auf Sicherheisbehörden

Mein Leserbrief Kommentar im Westfalen-Blatt vom 17.4.19 zum Fall Lügde

Dieser Versuch, seine Fehler zu entschuldigen, ist eine Unverschämtheit von dem Oberstaatsanwalt!
Seit Wochen schon trägt er die Verantwortung dafür, dass Dutzende von Datenträgern als Beweismittel aus dem Archiv seines Verantwortungsbereichs verschwunden sind. Darüber hinaus waren die vorangegangenen Ermittlungen so schlampig durchgeführt worden, dass mehrere Male „nachträglich“ nicht etwa von der Polizei, sondern durch ein Abbruchunternehmen weitere Datenträger gefunden wurden, als der freigegebene Tatort ohne Polizeibegleitung abgebrochen wurde.
Hätten solche Datenträger wichtige Einzelheiten zu den tausendfachen Missbrauchsverbrechen dort enthalten, hätte man sie kaum vor Gericht verwerten können, weil die Verteidiger des/der Angeklagten dann behaupten könnten, sie seien womöglich nachträglich dort deponiert worden.
Und solche Schlampereien der Ermittler werden von ihm als vorgesetzten Oberstaatsanwalt nun kleingeredet, weil man auch mit den noch verbliebenen Beweismitteln eine Verurteilung des Untersuchungshäftlings erwirken könne.

Hallo, Herr Oberstaatsanwalt, wollen Sie die Öffentlichkeit für dumm verkaufen? Statt Ihre schlampigen Ermittler zu disziplinieren, kommen Sie der Öffentlichkeit mit einem derartigen verfahrenstechnischen Unsinn daher? Woher hätten Sie denn wissen können, was in den nicht gefundenen Beweismitteln enthalten sein könnte?
Jetzt fällt Ihr Schatten auch auf Ihren Vorgesetzten, auf Herrn Innenminister Reul.
Der wollte doch als Nachfolger dieses Verantwortlichen für das Totalversagen im Fall Amri wie ein „scharfer Hund“ in der Sicherheitspolitik die Ermittler wieder auf Vordermann bringen. Gelandet ist Reul aber eher als „großmäuliger Kläffer“, der nicht mehr zubeißen kann, um der schlampigen Staatsanwaltschaft mitsamt den Polizeikräften wieder Beine zu machen.
Ministerpräsident Laschet (CDU) sollte nicht vergessen, dass die Wähler*innen seine ansonsten beliebte Vorgängerin Frau Kraft (SPD) gerade auch deshalb aus dem Amt entfernt haben, weil sie ihren Innenminister Jäger mit den von ihm zu verantwortenden Mängeln nicht wirksam genug korrigiert hatte.
Auf die Sicherheitsbehörden ist erneut ein dunkler Schatten der Unfähigkeit gefallen.

1 Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6550472?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198397%2F2949437%2F