Do., 27.06.2019

Taten, Opfer, Daten, Spuren Der Fall in Zahlen

Der Campingplatz in Lügde.

Der Campingplatz in Lügde. Foto: dpa

Von Christian Althoff

2400

Hinweisen und Spuren sind die Polizisten seit November nachgegangen. Manche verliefen im Sand, andere führten zu weiteren Opfern. Nach unbestätigten Informationen umfassen die Akten inzwischen mehr als 10.000 Seiten. Die Zahl der Überstunden wurde nicht erfasst.

4

oder fünf Jahre, da ist die Staatsanwaltschaft nicht sicher, soll das jüngste Opfer gewesen sein, als es von An­dreas V. mehrmals vergewaltigt worden sein soll. Diese Verbrechen soll er 2017 oder 2018 begangen haben – lange nachdem Jugendämter und Polizei erste Hinweise auf ihn hatten.

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Stellen hat die Staatsanwaltschaft Detmold, die kleinste in NRW. Trotzdem hat sie es geschafft, die wesentlichen Anklagen zügig fertigzustellen. Dass andere Ermittlungen im Lügde-Komplex nocht nicht beendet sind, liegt nach Ansicht des Behördenleiters auch an »ausufernden Berichtspflichten« gegenüber vorgesetzten Stellen.

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ist die Nummer des Schwurgerichtssaals, in dem heute der Prozess beginnt. Es ist mit etwa 60 Zuschauerplätzen der größte Saal im Detmolder Landgericht. Hier wurden schon spektakuläre Fälle wie der »Ehrenmord« an Arzu Özmen (18) verhandelt.

28

mutmaßliche Opfer hat das Gericht auf ihren Antrag hin als Nebenkläger zugelassen, vor allem Kinder. Sie werden von 18 Anwälten vertreten. Die Anwälte können im Namen der Opfer Anträge stellen und am Ende des Prozesses plädieren und eine bestimmte Strafe fordern.

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Beamte wurden bisher für Ermittlungspannen zur Rechenschaft gezogen: Der Polizeichef des Kreises Lippe wurde in eine Verwaltungsbehörde der Polizei versetzt, der Kripochef suspendiert und der Polizist, der einen Polizeischüler mit der Auswertung sensibler Dateien beauftragt hatte, in eine andere Dienststelle versetzt.

31.040

Fotos und 11.679 Videos wurden bei dem Angeklagten Heiko V. entdeckt. 30.744 dieser Fotos und 11.049 der Videos stuft die Staatsanwaltschaft als Kinderpornographie ein. Heiko V. hat ausgesagt, täglich mehrere Stunden Kinderpornos konsumiert zu haben.

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Richter werden über Schuld und Unschuld der drei Angeklagten urteilen. Anke Grudda ist die Vorsitzende der Kammer. Ihr zur Seite sitzen die Richterinnen Sabine Tegethoff-Drabe und Heide Günther. Zwei Schöffen – eine Frau und ein Mann – komplettieren das Gericht.

226

Vergewaltigungen von Kindern will die Staatsanwaltschaft dem Angeklagten Andreas V. im Prozess nachweisen. Diese Taten sollen nach Aussagen der Kinder auf alle nur denkbaren Arten begangen worden sein. Die Ermittler nehmen an, dass die tatsächliche Zahl deutlich höher ist. Mario S. werden 48 Vergewaltigungen vorgeworfen.

30

Zuschauer und 30 Reporter dürfen in den Gerichtssaal. Während Journalisten feste Plätze haben, müssen sich andere Zuschauer zeitig anstellen. Das Gericht öffnet die Türen um 7.30 Uhr. Alle Besucher werden durchsucht.

79

Polizisten gehörten in Spitzenzeiten zu der Bielefelder Polizeiorganisation »Eichwald«, die die Missbrauchsserie aufgeklärt hat. Mit dabei waren auch Beamte anderer Behörden, die für Wochen in Bielefeld in Hotels lebten. Angefangen hatten die Ermittlungen im Kreis Lippe. Die dortige Polizei hatte mit neun Polizisten ermittelt.

14

Terabyte Dateien hat die Kripo nach eigenen Angaben bei den Angeklagten sichergestellt – umgerechnet in JPEG-Fotos wären das etwa 28 Millionen Bilder. Der Fall Lügde hat das grundsätzliche Problem riesiger Datenmengen offenbart und dazu geführt, dass die Auswertung demnächst vor allem im Landeskriminalamt gemacht wird.

41

mutmaßliche Oper sind in den Ermittlungsakten aufgeführt. In 34 Fällen geht die Staatsanwaltschaft davon aus, den Angeklagten den Missbrauch beweisen zu können. Es handelt sich um neun Jungen und 25 Mädchen. Sechs Opfer sollen von beiden Hauptangeklagten missbraucht worden sein.

155

CDs und DVDs, die dem Angeklagten Andreas V. gehörten, sind aus den Räumen der Detmolder Polizei verschwunden. Die Staatsanwaltschaft geht von einer vorsätzlichen Tat aus und ermittelt, hat aber keine Spur.

7000

Euro soll die Bielefelder Polizei bezahlt haben, um die Unterkunft des Angeklagten Mario S. auf dem Campingplatz abreißen zu lassen. Die Behörde fürchtete, dass bei einem Abriss unter privater Aufsicht weitere Beweisstücke auftauchen könnten.

203

Tage sitzt Dauercamper Andreas V. heute in Untersuchungshaft. Er war der erste der drei Beschuldigten, die festgenommen wurden, und schweigt bisher zu den Vorwürfen.

53

Zeugen hat das Gericht geladen. Das sind vor allem die mutmatlichen Opfer, aber auch Thorsten Stiffel als Leiter der Ermittlungskommission »Eichwald« und sein Kollege Norbert Freier, der als Aktenführer den Überblick über die Spuren behalten musste.

15

Jahre Haft – das ist die Höchststrafe, die das Gericht gegen die Angeklagten verhängen kann. Es kann allerdings zusätzlich die anschließende Sicherungsverwahrung anordnen. Dann kämen die Männer erst frei, wenn Gutachter sie für ungefährlich hielten.

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