Fr., 12.07.2019

Missbrauchsfall Lügde: Mädchen sollte sich nach eigener Aussage vor Livekamera halbnackt zeigen Mit Missbrauch Geld verdient?

In dieser Behausung auf dem Campingplatz soll sich ein Mädchen vor einer Livekamera halbnackt gezeigt haben.

In dieser Behausung auf dem Campingplatz soll sich ein Mädchen vor einer Livekamera halbnackt gezeigt haben. Foto: Christian Althoff

Von Christian Althoff

Lügde (WB). Andreas V. (56), der im Missbrauchsprozess vor dem Landgericht Detmold die hundertfache Vergewaltigung von Kindern gestanden hat, soll gegenüber einem Mädchen die Andeutung gemacht haben, dass er Geld von Männern bekommt, die über das Internet beim Missbrauch zusehen.

Das ergibt sich aus der Vernehmung eines Mädchens, das von den Ermittlern zu den Opfern gezählt wird. Die Zeugin gab bei der Polizei an, sie sei noch ein Kind gewesen, als sie zum ersten Mal bei »Addi« auf dem Campingplatz gewesen sei. Später habe Andreas V. sie oft freitags von zu Hause abgeholt und sonntags wieder zurückgebracht. »Addi« habe immer sehr viele Süßigkeiten in seinem Wohnwagen gehabt und Ausflüge mit ihr und anderen Kindern unternommen.

Chats fanden anonymisiert statt

An manchen Wochenenden habe Andreas V. sie und ein anderes Mädchen abends aufgefordert, in seiner Behausung vor einer Webcam den Pullover hochzuziehen und ihre Brüste in einem Livechat zu zeigen. An­dreas V. habe zu ihr gesagt, dass sie sich damit Geld für einen Laptop verdienen könne. Einmal soll der Mann die Mädchen auch aufgefordert haben, sich anzufassen, »damit Geld hereinkommt«. Wer bei den Chats zugesehen hat, konnte nicht ermittelt werden, da sie anonymisiert stattgefunden haben sollen.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass sich das Mädchen auf Anweisung von Andreas V. etwa ein dreiviertel Jahr vor der Webcam zeigte. Dann soll Andreas V. dem Mädchen einen Computer besorgt haben. Danach soll es – zumindest mit diesem Opfer – zu keinen weiteren Liveübertragungen gekommen sein.

Zahlten die pädokriminellen Zuschauer also für Livebilder aus Lügde? Johannes Salmen aus Lage, der Anwalt von Andreas V., sagt, die monatelangen Ermittlungen der EK »Eichwald« hätten überhaupt keinen Beweis dafür erbracht, dass sein Mandant tatsächlich Geld für solche Livechats erhalten habe. Die Anklage wirft dem 56-Jährigen deshalb auch nicht das gewerbsmäßige Verbreiten von Kinderpornographie vor.

Hartz-IV-Leistungen und Pflegegeld

Auch die Vernehmung des Mitangeklagten Heiko V. (49) aus Stade ergab keinen Hinweis darauf, dass Andreas V. von ihm Geld für das Zusehen beim Kindesmissbrauch verlangt hätte. Heiko V. hat zugegeben, von Stade aus über eine Webcam beim Missbrauch auf dem Campingplatz zugesehen zu haben. Einmal, so hat er gestanden, habe er sich auch befriedigt, während drei Kinder von Lügde aus zugesehen hätten.

Andreas V. hat Hartz-IV-Leistungen sowie nach Angaben des Kreises Hameln-Pyrmont etwa 1000 Euro Pflegegeld im Monat bekommen. Ob diese Einnahmen reichten, um den Lebensunterhalt für zwei Personen zu bestreiten und ein Auto, Tauchausrüstungen, Quads und ein Pferd anzuschaffen und immer wieder Ausflüge ins Freibad und in den Freizeitpark »Funtastico« in Schieder zu unternehmen – das bleibt unklar.

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