Aber weitere Panne im Missbrauchsfall bekanntgeworden
Fall Lügde: Polizist entlastet

Lügde (WB). Im Missbrauchsfall Lügde (Kreis Lippe) hat die Staatsanwaltschaft Detmold das Ermittlungsverfahren gegen den Polizisten eingestellt, der die erste Anzeige gegen den Haupttäter An­dreas V. (56) nicht weitergeleitet haben sollte.

Dienstag, 24.12.2019, 03:00 Uhr aktualisiert: 24.12.2019, 09:00 Uhr
Oberstaatsanwältin Katja Erfurt, hier am Tatort in Lügde, stellte das Verfahren gegen den Polizisten ein. Foto: Christian Althoff
Oberstaatsanwältin Katja Erfurt, hier am Tatort in Lügde, stellte das Verfahren gegen den Polizisten ein. Foto: Christian Althoff

Der Polizist aus Horn-Bad Meinberg arbeitete in der Wache Blomberg, als dort im August 2016 der Hinweis auf Andreas V. einging. Ein Familienvater war mit seinen sechs und acht Jahre alten Töchtern auf einem Grillfest gewesen, bei dem sich auch Andreas V. herumgetrieben hatte. Dort hatte der Zeuge nach eigener Aussage beobachtet, wie Andreas V. Mädchen hochgehoben und ihnen dabei in den Schritt gefasst hatte.

Verbleib der Anzeige unbekannt

Diese Anzeige bekam die Staatsanwaltschaft aber nie zu Gesicht. Dass es sie überhaupt gegeben hatte, wurde erst 2018 mit Aufdecken des Falls Lügde bekannt. Der Polizist geriet unter den Verdacht der Strafvereitelung, doch er wies den Vorwurf von sich. Er gab an, das polizeiinterne Computersystem habe damals, wie so oft, nicht funktioniert. Deshalb habe er die Anzeige nicht in die entsprechende Computermaske eingeben können, sondern sie auf Papier ausgedruckt. Das Blatt habe er in den Ausgangskorb gelegt. Üblicherweise werden Vorgänge aus dem Ausgangskorb an die Führungsstelle weitergegeben, die sie an die zuständige Stelle in der Behörde leitet – in diesem Fall wäre das die Kripo gewesen.

Ob das geschehen ist, ist bis heute unklar. Der Verbleib der Anzeige ist ebenso unbekannt wie der eines Koffers mit 155 CDs und DVDs aus dem Besitz von Andreas V., der 2018 bei der Kripo in Detmold verschwunden war.

Rechtsanwalt Dr. Detlev Binder, der den inzwischen aus Altersgründen pensionierten Polizisten vertritt: „Die Ermittlungen haben nichts ergeben, das meinen Mandanten in irgendeiner Form belastet. Seine Darstellung war nicht zu widerlegen.” Deshalb habe die Staatsanwaltschaft in der vergangenen Woche die Ermittlungen eingestellt. Von der Staatsanwaltschaft Detmold war dazu am Montag keine Stellungnahme zu bekommen.

„Dass der Pensionär angeschrieben wurde, war ein Versehen”

Unterdessen wurde bekannt, dass es im Fall Lügde kürzlich eine weitere Panne gegeben hat: Auf der Suche nach pensionierten Polizisten, die den Parlamentarischen Untersuchungsausschuss im Fall Lügde unterstützen sollen, hat die Personalabteilung der Polizei Lippe im November ausgerechnet den pensionierten Beamten aus Horn-Bad Meinberg angeschrieben, gegen den damals noch ermittelt wurde. Im Innenministerium würden pensionierte Polizisten für eine befristete Tätigkeit gesucht, heißt es in dem Brief, der Hinzuverdienst werde nicht auf die Pension angerechnet. Die Polizisten sollten in den Lügde-Akten die Namen der Opfer durch Pseudonyme ersetzen.

Hätte sich der Polizist beworben, hätte er Zugriff auf zumindest einen Teil der Akten gehabt. „Dass der Pensionär angeschrieben wurde, war ein Versehen”, erklärte Polizeisprecherin Dr. Laura Merks. Der Landtagsabgeordnete Marc Lürbke aus Paderborn, Sprecher der FDP im Ausschuss, sagte, er hätte „mehr Sensibilität” erwartet. So viele pensionierte Polizisten, gegen die ermittelt werde, gebe es schließlich in Lippe nicht.

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