Ermittler entdecken Kontakte zwischen Verdächtigen – Wohnwagen nach Lippe verkauft?
Verbindungen zwischen Missbrauchsfällen Lügde und Bergisch Gladbach

Lügde/Bergisch Gladbach (WB). Polizisten der „Ermittlungsgruppe Berg“ haben – wie berichtet – Verbindungen zwischen dem Pädophilen-Netzwerk, das nach einer Hausdurchsuchung in Bergisch Gladbach im Oktober enttarnt wurde, und dem Missbrauchsfall von Lügde im Kreis Lippe aufgedeckt.

Mittwoch, 15.01.2020, 01:53 Uhr aktualisiert: 15.01.2020, 16:31 Uhr
Die Ermittler haben die Wohnwagen in den Fokus genommen. Foto: dpa
Die Ermittler haben die Wohnwagen in den Fokus genommen. Foto: dpa

Wie der „Kölner Stadt-Anzeiger“ aus Sicherheitskreisen erfuhr, soll der Cousin von Jörg L., dem mutmaßlichen Hauptverdächtigen von Bergisch Gladbach, einem der Hauptverdächtigen von Lügde einen Wohnwagen verkauft haben, der auf dem Campingplatz im Kreis Lippe abgestellt wurde.

Außerdem habe der Großvater von Jörg L., der selbst wegen Missbrauchs verurteilt wurde, in den 80er und 90er Jahren auf dem Campingplatz in Lügde Urlaub gemacht. Konkrete Beweise dafür, dass die Hauptverdächtigen zusammengearbeitet haben, gebe es derzeit noch nicht, berichtet der „Kölner Stadt-Anzeiger“ weiter. Der Großvater (84) bestreitet, dass er die Täter von Lügde persönlich kennengelernt habe.

Die Auswertung der Beweismittel in dem Netzwerk, das Jörg L. wohl unterhielt, dauern an. Dass es sich bei den bereits entdecken Verbindungen um pure Zufälle handelt, glauben die Fahnder nicht.

Keine Dokumente über Ermittlungen

Die Familiengeschichte von Jörg L. ist auch eine des Missbrauchs über Generationen. Der Großvater von Jörg L. soll eine seiner beiden Töchter sexuell missbraucht und dafür bereits in den 60er Jahren eine Haftstrafe abgesessen haben. Die zweite Tochter wurde nach bisherigen Erkenntnissen kein Opfer von Übergriffen.

Ihr Sohn wiederum, laut Polizei in der Vergangenheit nicht auffällig, hatte den Campingwagen nach Zeugenaussagen an einen Hauptverdächtigen von Lügde verkauft. Ob es sich bei dem Gefährt um den Tatort handelt, an dem massenhaft Kinder missbraucht wurden, blieb am Dienstag unklar.

Der Vater von Jörg L. soll laut Zeugenaussagen offenbar seine Frau vor den Augen des Kindes vergewaltigt haben. Dokumente über polizeiliche Ermittlungen gibt es nicht mehr. Die Fahnder haben mittlerweile alle Familienmitglieder vernommen. Auch Jörg L. selbst soll seine eigene Tochter im Alter von zwei Jahren zigfach missbraucht haben. Aufnahmen der Quälereien soll er in einschlägige Chats eingestellt haben. Über sein Handy und seinen PC, auf dem sich Zehntausende Kinderpornodateien und Gesprächsverläufe in Kinderschänder-Foren fanden, kamen die Ermittler auf die Spur weiterer Komplizen.

Den Beamten kommt es offenbar verdächtigt vor, dass der Modus Operandi in Lügde und Bergisch Gladbach Ähnlichkeiten aufweist. In beiden Fällen agierten die Täter hochmanipulativ. Sie legten den teils langjährigen Missbrauch so an, dass die Kinder „kein Störgefühl“ entwickelten. Allein in NRW wurden bis dato 22 Beschuldigte ermittelt.

21 Beschuldigte

Nach Angaben der Kölner Polizei gibt es in der Sache allein in Nordrhein-Westfalen derzeit 21 Beschuldigte, von denen acht in Haft sind.

Mutmaßliche Tatorte sind Bergisch Gladbach, Viersen, Krefeld, Dortmund, Aachen, Alsdorf, Kamp-Lintfort und Duisburg. Zudem hat die Polizei Köln 21 Hinweise auf Straftaten in zehn andere Bundesländer weitergeleitet. Dabei handelt es sich um Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Hamburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Hessen, Baden-Württemberg und das Saarland. Ein Beschuldigter lebt in Österreich.

Kindesmissbrauch in NRW

Die Zahl der bekanntgewordenen Fälle von Kindesmissbrauch ist im vergangenen Jahr in Nordrhein-Westfalen um 15,8 Prozent gestiegen. „Unsere Kreispolizeibehörden haben 2805 Verfahren eingeleitet. 2018 waren es noch 2422”, sagte Landesinnenminister Herbert Reul (CDU) jüngst dem WESTFALEN-BLATT.

 

 

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