Mitarbeiter des Jugendamts Hameln-Pyrmont am Montag im Untersuchungsausschuss
Missbrauchsfall Lügde: Sagen Zeugen nicht aus?

Lügde/Düsseldorf (WB). Im Missbrauchsfall von Lügde (Kreis Lippe) sind die Täter zwar verurteilt, viele Fragen nach der Verantwortung der Behörden aber noch unbeantwortet. Und einiges spricht dafür, dass sich daran wenig ändern wird.

Montag, 25.05.2020, 03:59 Uhr aktualisiert: 25.05.2020, 05:00 Uhr
Februar 2019: Auf dem Campingplatz Eichwald steht ein versiegelter Campingwagen. Foto: Guido Kirchner/dpa
Februar 2019: Auf dem Campingplatz Eichwald steht ein versiegelter Campingwagen. Foto: Guido Kirchner/dpa

So berichtet die „Süddeutsche Zeitung“, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Jugendamts Hameln-Pyrmont, die am Montag im parlamentarischen Untersuchungsausschuss im Düsseldorfer Landtag befragt werden sollen, nicht aussagen würden.

Begriff „Systemversagen“ macht die Runde

„Das missfällt mir massiv“, sagt CDU-Landtagsabgeordnete Kirstin Korte aus Minden. „Wir werden sehen, ob die geladenen Zeugen von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht vollumfänglich Gebrauch machen oder einzelne Fragen zulassen werden”, so die stellvertretende Ausschussvorsitzende.

Laut „Süddeutsche Zeitung“ lassen sich die Zeugen durch eine gemeinsame Anwältin vertreten. Sie habe an den Vorsitzenden des Ausschusses geschrieben, dass vier ihrer Mandanten von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch machen würden. Das sei erlaubt, wenn jemand mit einer Aussage sich selbst belasten könnte. Es bestehe das Risiko, dass die Staatsanwaltschaft bereits eingestellte Ermittlungsverfahren wieder aufnehmen könnte. Das trifft vor allem auf den Hausbesuch bei Andreas V. zu, der folgenlos geblieben war.

Die Abgeordneten wollen aufklären, ob das Leid der Kinder hätte verhindert oder zumindest verkürzt werden können, wenn beteiligte Behörden anders entschieden hätten. Im Ausschuss macht auch der Begriff „Systemversagen“ die Runde. Denn bislang ist nicht hinreichend geklärt, wie dem Haupttäter Andreas V. (verurteilt zu 13 Jahren Haft und anschließender Sicherungsverwahrung) ein Pflegekind zugesprochen bekommen konnte, obwohl er ar­beitslos war, in einem heruntergekommenen Campingwagen lebte und es Hinweise gab, dass An­dreas V. eine pädophile Neigung haben könnte.

„Eigendynamik der Vernehmung“

Der SPD-Landtagsabgeordnete Jürgen Berghahn aus Blomberg (Kreis Lippe) setzt auf „die Eigendynamik der Vernehmung“ – trotz der Ankündigung mehrerer Zeugen des Landkreises Hameln-Pyrmont, keine Aussage machen zu wollen. „Weil es in erster Linie um die Kinder geht, hoffe ich, dass wir doch etwas erfahren und einige der Vorgänge aufklären können, die von der Staatsanwalt nicht aufgeklärt werden konnten“, so Berghahn. Aus seiner Sicht seien die Aussagen auch wichtig, um in Zukunft zu vermeiden, dass es bei länderübergreifenden Zuständigkeiten (Pflegekind aus Niedersachsen, Pflegevater in NRW) erneut zu Problemen komme.

Das Jugendamt des Landkreises Hameln-Pyrmont war verantwortlich dafür, dass auf dem Campingplatz in Lügde ein Mädchen in Pflegschaft von Andreas V. leben durfte. Er missbrauchte das Kind zwischen 2016 und 2018 hundertfach. Außerdem benutzte V. seine Pflegetochter, um Kontakte zu anderen Mädchen zu knüpfen.

Im Juni sollen Mitarbeiter des Kreisjugendamts Lippe und Landrat Axel Lehmann befragt werden.

www.westfalen-blatt.de/OWL/Missbrauchsfall-Luegde

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