Missbrauchsfall Lügde: Korte und Lürbke kritisieren Kreisjugendamt Lippe
Lürbke: „Verantwortungs-Pingpong“

Lügde (WB). Marc Lürbke kann es nicht mehr hören. Im Untersuchungsausschuss zu den Fällen von Kindesmissbrauch auf dem Campingplatz in Lügde (Kreis Lippe) hat auch am Freitag niemand von „Fehlern“ gesprochen.

Samstag, 20.06.2020, 04:11 Uhr aktualisiert: 20.06.2020, 05:00 Uhr
Landtagsabgeordnete Kirstin Korte (CDU)

„Der Ausschuss musste erneut ein fragwürdiges Verantwortungs-Pingpong erleben, das dem Leid der missbrauchten Kinder überhaupt nicht gerecht wird”, sagte der FDP-Landtagsabgeordnete aus Paderborn dem WESTFALEN-BLATT.

Was Lürbke nervt: „Man hört immer, dass jeder alles richtig gemacht hat und keine Fehler passiert sind. Und wenn doch, dann zeigt jeder auf den anderen. Angesichts des Leids der missbrauchten Kinder ist das unendliche Hin- und Herschieben von Verantwortung eine Frechheit.“

Teamleiter befragt

Der Ausschuss befragte am Freitag den Blomberger Teamleiter des Kreisjugendamtes Lippe, der sich Vorwürfen einer Mitarbeiterin des Jobcenters Blomberg ausgesetzt sieht. Die Frau hatte am 11. Mai im Ausschuss ausgesagt, dass sie von ihm bedroht worden sei.

Er habe nicht gewollt, dass sie ihrem Verdacht gegen den mittlerweile zu 13 Jahren Haft und anschließender Sicherheitsverwahrung verurteilten Andreas V. weiter verfolgte. Bereits im November 2016 hatte die Jobcenter-Mitarbeiterin vergeblich versucht, die Behörden auf den Fall aufmerksam zu machen. Nach Informationen des WESTFALEN-BLATTES soll sie dabei auf Widerstand ei­ner Sachbearbeiterin in der Blomberger Außenstelle des lippischen Kreisjugendamtes gestoßen sein.

„Was zwischen den Jugendämtern der Kreise Lippe und Hameln-Pyrmont ablief, ist offenbar eher organisierte Verantwortungslosigkeit“, kritisiert Lürbke. Auch das Kreisjugendamt Lippe habe „eine Verantwortung für das Kind“ gehabt. Lürbke: „Die Mitarbeiter sind auf den Campingplatz und haben sich die verwahrlosten Verhältnisse angeschaut, haben aber selbst keine weiteren Nachfragen gestellt oder sich nach der damals noch sorgeberechtigten Mutter erkundigt.“

Korte: Landrat muss Erklärung liefern

Der Kreis Lippe beharrt weiterhin darauf, beim Missbrauchsfall von Lügde „nicht fallführend“ gewesen zu sein („Die Zuständigkeit hat immer beim Jugendamt Hameln-Pyrmont gelegen”). Das habe jetzt das LWL-Landesjugendamt Westfalen festgestellt. „Damit lösen sich die erneuten Attacken der lippischen CDU-Kreistagsfraktion auf die eigene Kreisverwaltung in Luft auf“, teilte der lippische Landrat Dr. Axel Lehmann am Freitag mit.

Lehmann wird am Montag (11.30 Uhr) im Untersuchungsausschuss des NRW-Landtags befragt. „Der Landrat ist Chef der Kreispolizei und des Kreisjugendamtes. Er muss uns erklären, was da in der Organisation los war”, sagte Kirstin Korte, die am Freitag den Ausschuss leitete, dem WESTFALEN-BLATT.

Der CDU-Landtagsabgeordnete aus Minden kündigte für Montag eine „klare, präzise Befragung“ an. „Wir sind fair und sachlich und stellen keine Personen an den Pranger. Der Ausschuss ist nicht die Staatsanwaltschaft und kein Gericht. Unser Ziel muss sein“, so Korte, „die Strukturen zu durchdringen und herauszufinden, woran es lag, dass dieser massenhafte Missbrauch nicht verhindert werden konnte.“

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