So., 17.03.2019

31-Jähriger zu eineinhalb Jahren auf Bewährung verurteilt Falschaussage mit Folgen

Die 21-jährige Frau wurde für sechs Monate im Zentrum für Forensische Psychiatrie in Eickelborn untergebracht.

Die 21-jährige Frau wurde für sechs Monate im Zentrum für Forensische Psychiatrie in Eickelborn untergebracht. Foto: imago

Von Ulrich Pfaff

Oerlinghausen (WB). Die Justiz ist nicht zimperlich, wenn sie für dumm verkauft wird. Das hat ein 31-Jähriger aus Oerlinghausen jetzt merken müssen: Eineinhalb Jahre Bewährungsstrafe bekam er vom Amtsgericht dafür, dass er seine Freundin wegen eines angeblichen Tötungsversuchs vor Gericht gebracht und dort selbst im Prozess gelogen hatte.

In der Anklage ging es nicht nur um falsche Verdächtigung und uneidliche Falschaussage – vielmehr sollte der Angeklagte seinerseits die jetzt 21-Jährige 20 Mal mit Handschellen und Fahrradschlössern gefesselt und somit Freiheitsberaubung begangen haben. Das gab der 31-Jährige vor dem Schöffengericht auch zu, aber was sich in der Beweisaufnahme auch zeigte: Die ganzen Vorfälle sind nur erklärbar mit einer seelischen Störung des Angeklagten

Herausgekommen waren die angeklagten Taten im vergangenen Dezember. Da sagte der 31-Jährige vor dem Landgericht in einem Prozess gegen seine ehemalige Freundin aus, die er selbst bezichtigt hatte, ihm mehrmals mit einem Messer nach dem Leben getrachtet zu haben. Das Schwurgericht jedoch entlarvte die Angaben als Lügen, und sprach die junge Frau frei, die bis dahin ein halbes Jahr lang in der Psychiatrie zwangseingewiesen war.

Seine Freundin habe psychische Probleme gehabt

Jetzt erklärte der 31-Jährige in seinem eigenen Prozess, wie es aus seiner Sicht gewesen war. Seine Freundin habe psychische Probleme gehabt und die Medikation nicht vertragen. Sie sei aggressiv geworden, habe herumgetobt, so dass er sich nicht habe anders helfen können, als sie zu fixieren. »Um sie und mich zu schützen«, bekannte der Angeklagte. Sobald sie wieder ruhig gewesen sei, habe er seine Lebensgefährtin wieder losgemacht.

Diese schilderte es etwas anders: Der 31-Jährige habe ihr eine Skala von 1 bis 10 genannt, auf der sie ihren eigenen Unruhezustand schildern solle – und sie dementsprechend gefesselt. Aus Angst habe sie stets einen Wert angegeben, der zum Fesseln gereicht habe. Die Fesselungen spielten jedoch später im Urteil keine Rolle mehr, weil die Anklagepunkte eingestellt wurden.

Die falschen Anschuldigungen und die Falschaussage ahndete das Gericht mit einer 18-monatigen Bewährungsstrafe. Warum er seine Freundin beschuldigt hatte, konnte der 31-Jährige selbst nicht sagen. Der Hintergrund aller Vorfälle ist eine seelische Störung des 31-Jährigen. Traumatische Vorfälle in Kindheit und Jugend machen dem Mann so schwer zu schaffen, dass er mitten im Prozess wohl wegen der Anspannung einen psychogenen Anfall erlitt: Steif wie ein Brett und zuckend saß er auf seinem Stuhl, kam aber ohne notärztliche Hilfe wieder zu sich.

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