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Fr., 23.01.2015

Augustdorfer Tor-Unfall: Fußballkreis reagiert auf Gerichtsurteil Hallenrunde abgesagt

Für die Schlänger F-Junioren, hier bei einem Turnier in der Rennekamphalle, fällt die Hallenkreismeisterschaft am Samstag aus. Nach dem Torunfall-Urteil hat der FC Augustdorf als Ausrichter das Turnier abgesagt und erntet dafür viel Verständnis.

Für die Schlänger F-Junioren, hier bei einem Turnier in der Rennekamphalle, fällt die Hallenkreismeisterschaft am Samstag aus. Nach dem Torunfall-Urteil hat der FC Augustdorf als Ausrichter das Turnier abgesagt und erntet dafür viel Verständnis. Foto: Uwe Hellberg

Von Maike Stahl

Detmold/Augustdorf/Schlangen (WB). Verunsicherung, Verständnislosigkeit und Enttäuschung sind auch in Schlangen groß, nachdem Volker Dierk, Jugendbetreuer des FC Augustdorf, am Mittwoch wegen fahrlässiger Körperverletzung verurteilt wurde. Als Reaktion auf das Urteil hat der Fußballkreis Detmold Donnerstagabend die Hallenrunde der Junioren komplett abgesagt.

Wie mehrfach berichtet, war vor zwei Jahren in Augustdorf ein Schüler bei einem D-Jugend-Fußball-Turnier durch ein nicht gesichertes Tor im Nebenraum schwer verletzt worden. Dierk, der vom Schlänger Rechtsanwalt Jann Henrik Popkes verteidigt wurde, wurde vorgeworfen, seine Aufsichtspflicht vernachlässigt zu haben. Popkes wird voraussichtlich in Berufung gehen. Als Konsequenz aus dem Urteil hatte zunächst der FC Augustdorf die Hallenrunde der F-Junioren, die der Verein am Samstag, 24. Januar, ausrichten sollte, abgesagt. Gestern Abend hat der Jugendausschuss des Fußballkreises dann entschieden, die komplette Junioren-Hallenmeisterschaft abzusagen. »Uns ist vollkommen klar, dass die Kinder die Verlierer dieser Situation sind«, sagte Kreisvorsitzender Gottfried Dennebier gestern Abend auf Anfrage des WESTFALEN-BLATTS. »Aber wir haben auch eine Fürsorgepflicht unseren Trainern und Betreuern gegenüber, die wir aus der Schusslinie nehmen müssen.«

Verantwortungsträger sind fassungslos

Dennebier ist wie viele Verantwortungsträger im Sport fassungslos und wütend über das Urteil. »Doch wir dürfen jetzt nicht kopflos reagieren, sondern wir müssen überlegen, wie wir das Ehrenamt künftig aus dieser Gefahrenzone herausnehmen können«, sagte er. Dabei gehe es nicht um die Tore, diese Gefahrenquelle sei leicht abzustellen und auch bereits abgestellt worden. »Wir müssen vielmehr mit dem Kreissportbund zusammen schauen, wie wir unsere Übungsleiter und Vereinsverantwortlichen unterstützen können, damit sie ihre Arbeit mit einem guten Gefühl fortsetzen können.« Denn, wenn die Ehrenamtlichen jetzt aufgeben würden, sei das für die Kinder und Jugendlichen und die Vereine fatal. Die Obleute der Verein würden für den 31. Januar eingeladen, um gemeinsam zu überlegen, welche Alternativen für die abgesagte Hallenrunde möglicherweise geschaffen werden können.

Michael Weber, im Bauamt der Gemeinde für die Sportstätten zuständig und selbst Trainer der F-Junioren des FC Fortuna Schlangen, kann verstehen, dass der Fußballkreis auf Nummer sicher gehen will. »Wir hätten am Samstag in Augustdorf gespielt, die Kinder sind natürlich enttäuscht, aber ich kann die Reaktion nachvollziehen.« Er sieht die Gefahr, dass es künftig noch schwerer wird, Ehrenamtliche für Vereinsarbeit zu gewinnen. »Wenn man Angst haben muss, gerichtlich belangt zu werden, überlegt man sich das zweimal.«

Aus Sicht der Gemeindeverwaltung gelte es nun, zusammen mit den Schulen und Vereinen die Sportstätten noch einmal genau unter die Lupe zu nehmen. »Die DFB-Auflagen zur Sicherung der Tore haben die Vereine nach dem Unfall umgehend umgesetzt. Aber es geht ja jetzt nicht mehr nur um Tore, sondern vor allem auch um die Geräteräume«, sagt er. Zwar sollen diese von den Kindern nicht betreten werden, »aber jeder Übungsleiter weiß, wie schwer es ist, in einer größeren Gruppe permanent alle Kinder im Blick zu haben«, gibt Weber zu bedenken.

Aus Sicht des Gemeindesportverbandsvorsitzenden Manfred Herzog ist das Urteil eine Katastrophe für das Ehrenamt. »Die Bürokratie nimmt immer mehr Überhand. Wir wissen jetzt schon kaum, wie wir Menschen dafür begeistern können, ehrenamtlich Verantwortung zu übernehmen.« Denn das Urteil betreffe nicht nur den Fußball, sondern alle, die im Vereinssport tätig sind. Herzog erwartet vom Landes- sowie vom Kreissportbund mehr Unterstützung. »Da gibt es Anweisungen, die in den Vereinen vor Ort kein Mensch kennt. Es müssen viel mehr Angebote gemacht werden, um die Arbeit der Übungsleiter zu unterstützen.« Schließlich sei es in den vergangenen Jahren nicht leichter geworden, eine Gruppe mit 20 Kindern zu betreuen.

KSB-Vorsitzender Wilfried Starke war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Kommentare

Fahrlässigkeit ist strafbar

Ich bin selbst seit 1978 als ehrenamtlicher Übungsleiter in verschiedenen Vereinen in Detmold tätig - und war lange auch Sportlehrer an ein Detmolder Gymnasien. Jeder Übungsleiter hat sich jederzeit davon zu überzeugen, dass von allen benutzten Geräten keine Gefahr ausgeht. Beim Turnen ist es sogar vorgeschrieben, dass sich der ÜL vor Beginn des Trainings von dem ordnungsgemäßen Zustand der Geräte überzeugt. Dass sich Kinder ohne Beaufsichtigung Zugang zu Nebenräumen verschaffen, muss durch entsprechende Maßnahmen (Verschließen der Zugänge...) unterbunden werden! Tore sind immer so aufzubewahren, dass sie nicht umfallen können! - Leider sehe ich jede Woche immer wieder in Sporthallen, dass Kleinfeldtore einfach in den Geräteraum geschoben und dort "irgendwie" aufbewahrt werden. Gleiches gilt für Minitramps, die oft sogar "sprungfertig" in den Geräteräumen stehen! Da sind Verletzungen sozusagen vorprogrammiert. - Am beunruhigsten für mich waren die Beobachtungen, dass ich als Vereinssportler nach dem Sportunterricht der Sportlehrer immer wieder auf diese unhaltbaren Zustände treffe. - Als jahrelanger Unfallsachbearbeiter einer Schule habe ich feststellen können, dass die meisten Schulunfälle auf unzureichende Aufsicht während der Pausen oder unzureichende Geräte(kontrolle) zurückzuführen waren. - Generell billige ich einem Gericht zu, ein angemessenes Urteil zu finden. Auch ein Ehrenamtler muss sich den üblichen Gesetzen unterwerfen!

Dem Jugendsport einen Bärendienst erwiesen

Da hat mal wieder ein übereifriger Richter dem Ehrenamt einen Bärendienst erwiesen. Ein Urteil ohne jegliches Fingerspitzengefühl, wie man es immer wieder in der deutschen Gerichtsbarkeit erlebt. Wie schon im Artikel erwähnt, die Leidtragenden sind die Kinder und Jugendlichen.

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