Do., 01.11.2018

Fritz Stecker (79) aus Schlangen nimmt gezielt alte Hunde aus dem Tierheim auf Mischling Lotte ist jetzt zuhause

Schäferhundmischling Lotte (8) hat bei Fritz Stecker ein neues Zuhause gefunden. Viermal am Tag geht der 79-Jährige mit ihr spazieren, wie hier an der evangelischen Kirche.

Schäferhundmischling Lotte (8) hat bei Fritz Stecker ein neues Zuhause gefunden. Viermal am Tag geht der 79-Jährige mit ihr spazieren, wie hier an der evangelischen Kirche. Foto: Sonja Möller

Von Sonja Möller

Schlangen/Benhausen (WB). Lotte liegt in ihrem Hundebett neben der Couch und streckt die Beine in die Höhe. Der Schäferhundmix seufzt wohlig, während er schläft. »Wir nähern uns gerade an«, erzählt Fritz Stecker. Vor wenigen Wochen erst hat der 79-Jährige die Hündin aus dem Tierhort Albert Schweitzer geholt. Die ältere Hundedame (8) hat jetzt ein Zuhause für ihren Lebensabend.

Fritz Stecker lebt allein. Seit vielen Jahren schon nimmt der Tierfreund bewusst ältere Hunde aus dem Tierheim bei sich auf. »Das sind die tollsten Tiere«, schwärmt er regelrecht. Das Alter der Vierbeiner stört ihn dabei überhaupt nicht: »Ich bin ja auch alt. Wenn ich mir einen jungen Hund hole, werde ich ja verrückt. Der hat ja unheimlich viel Power und muss erzogen werden und braucht viel Bewegung. Ein alter Hund ist für mich genau passend.«

Doggenmix Cora (7) wartet nach dem Tod ihres Besitzers auf ein neues Zuhause. Foto: Sonja Möller

Für Lotte ist diese Einstellung ein Glücksfall. Sie lebte mit 33 anderen Hunden im Tierhort Albert Schweitzer. »Ursprünglich stammt sie aus Rumänien. Dort war sie in der Auffangstation Smeura für Straßenhunde«, erzählt Stecker. Was genau die Hündin erlebt hat, weiß er nicht. Lotte hat einen großen Beschützerinstinkt. Das hat Fritz Stecker bereits herausgefunden: »Und sie kann Türen aufmachen. Deswegen hatte ich sie in den ersten Tagen auch in der Wohnung an der Leine.« Die Türen lässt die trotz ihres Alters agile Hündin mittlerweile geschlossen. Die Haustür schließt der Schlänger trotzdem sicherheitshalber ab.

»Am Anfang haben alle erstmal nur Angst«

In der Wohnung verhält sich die Hündin neugierig und geht offen auf Besucher zu. Gerne kuschelt sie sich auch an ihr neues Herrchen. Draußen sieht das ganz anders aus: Viermal am Tag geht Fritz Stecker mit Lotte spazieren. Dann legt sie ihre Ohren zurück, klemmt ihre Rute ein und bleibt dicht bei Fritz Stecker. »Man weiß nicht, was die Tiere erlebt haben. Am Anfang haben sie alle erstmal nur Angst«, sagt er.

Jack-Russel-Hündin Lilly (10) verträgt sich mit Hunden und Katzen. Foto: Sonja Möller

Da hilft nur ganz viel Geduld. »Man muss sich die Zeit nehmen und warten, bis die Tiere die Angst überwunden haben. Das bekommt man aber gut hin und dann sind diese Tiere die treuesten Partner«, erzählt er.

Seit 35 Jahren nimmt der Schlänger Hunde aus dem Benhauser Tierhort auf. Da gab es zum Beispiel Amanda, die mit sieben Jahren mit Zucker und einen Achillessehnenriss zu ihm kam. Die Hündin wurde 14 Jahre alt. Oder Bordercollie Caesar, der aus schlechter Haltung kam und schon Arthrose hatte, als er bei Fritz Stecker einzog. Auch zwei spanische Pointer lebten bei ihm, »die in Spanien an einer kurzen Kette gehalten wurden«, wie er erfahren hat.

»So ein Hund ist eine wunderbare Sache«

»So ein Hund ist eine wunderbare Sache«, schwärmt er: »Da braucht man keinen Fernseher.« Für ihn ist das Zusammenleben mit Hund »ein ganz anderes Lebensgefühl und ein Trost. Ältere Hunde sind die tollsten und treuesten Partner«, ist er überzeugt.

Fritz Stecker würde sich für mehr ältere Menschen einen solchen Begleiter wünschen: »Wenn Hunde Altenheime besuchen, fangen bislang stumme Bewohner plötzlich wieder an zu sprechen. Leider trifft man in vielen Tierheimen auf Unverständnis. Dann wird gesagt: ›Wie lange wollen Sie denn leben?‹« Das findet der 79-Jährige sehr schade und ist nur froh, dass Gudrun Lumpp das anders sieht. Sie leitet den Tierhort Albert Schweitzer in Benhausen und nimmt nach eigenen Angaben seit mehr als 30 Jahren Fundtiere aus Schlangen auf.

Weimeraner-Hündin Quitte (10) wurde vom Kreisveterinäramt beschlagnahmt. Foto: Sonja Möller

Auf Anfrage dieser Zeitung erläutert sie: »Wir vermitteln Hunde an ältere Menschen, weil es uns darum geht, dass die Tiere ein Zuhause haben. Wir nehmen sie immer zurück, wenn sich Herrchen oder Frauchen nicht mehr kümmern können.«

Sie wünscht sich für jeden ihrer 34 Hunde ein liebevolles Zuhause. Dass Menschen mit einer kleinen Rente die Aufnahme eines alten Hundes scheuen, weil sie eventuelle Tierarztkosten nicht bezahlen können, versteht sie: »Mir geht es nur um die Tiere. Deswegen übernimmt der Tierhort alle anfallenden Tierarztkosten, wenn ein alter Hund aufgenommen wird.«

Für Fritz Stecker ist Lotte ein Glücksfall

Für Fritz Stecker ist Lotte ein Glücksfall: »Jeder kann sich einen gezüchteten Hund kaufen. Aber die Hunde aus dem Tierheim sind unheimlich treue Begleiter und bleiben immer an deiner Seite. Und man hat das Gefühl, den Tieren etwas Gutes getan und ihnen einen schönen Lebensabend bereitet zu haben.«

Kommentare

Das wünschen sich Tiere und Menschen!

Endlich ein Tierhort, der mitdenkt! Wenn die Bedingungen stimmen, können so viele Hunde und Menschen in einer win win Situation für alle leben!
Andere Tierheime verfahren nach rigiden Regeln, die dazu führen, dass gerade ältere Hunde zu lange im Heim bleiben.
Sicher muss man jeden Einzelfall genau prüfen, dann aber sehen: hier können ältere Menschen und ältere Hunde miteinander glücklich werden!

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