Sa., 03.11.2018

Vor 140 Jahren wurde die Evangelische Kirche in Schlangen eingeweiht Merckels letztes großes Werk

Die Evangelische Kirche in Schlangen wurde vor 140 Jahren eingeweiht.

Die Evangelische Kirche in Schlangen wurde vor 140 Jahren eingeweiht. Foto: Klaus Karenfeld

Von Klaus Karenfeld

Schlangen (WB). Er gilt als der bedeutendste lippische Kirchenbaumeister des 19. Jahrhunderts: Ferdinand Merckel (1808-1893). Sein letztes großes Projekt war der Neubau der Evangelischen Kirche in Schlangen, die fast auf den Tag genau vor 140 Jahren feierlich eingeweiht wurde.

Etwa um das Jahr 1875: Die Evangelische Kirchengemeinde in Schlangen steht vor einer folgenschweren Entscheidung: Soll das alte Kirchengebäude abgerissen und durch ein neues ersetzt werden? Der damalige Pfarrer Gustav Schmidt ist ein glühender Verfechter dieser Idee. Für ihn steht fest: Im Innenraum des Gotteshauses ist eine »dumpfe, feuchtkalte Kellerluft«, die gesundheitsgefährdend, vielleicht sogar lebensbedrohlich sei.

Schmidts Einsatz zeigt Wirkung: Das Konsistorium als oberste kirchliche Verwaltungsbehörde stimmt den Neubauplänen zu. Im Februar 1878 wird die alte Kirche in Schlangen abgerissen; nur der Turm bleibt erhalten. Der örtlichen Kirchengemeinde steht ein versierter Fachmann zur Seite: der fürstlich-lippische Domänenbaurat Ferdinand Ludwig August Merckel aus Detmold. Der zu diesem Zeitpunkt 70 Jahre alte Kirchenbaumeister hat im Laufe des 19. Jahrhunderts nicht weniger als acht Kirchenneubauten, vier Kirchenrestaurierungen und 13 Pfarrhäuser geplant. Die neue Evangelische Kirche in Schlangen ist sein letztes großes Auftragswerk.

Merckel bleibt auch in Schlangen seinem Baustil treu

Merckel bleibt auch in der Sennegemeinde seinem Baustil treu. Der für die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts prägende romantische Historismus lässt sich an vielen der von ihm geplanten Sakralbauten in Lippe ablesen.

Die Kirche von 1878 ist ein Rechteckbau mit angebautem Chor mit 5/8 Schluss. Die Gesamtlänge beträgt circa 36 Meter (einschließlich Turm), die Breite etwa 17 Meter. Bei ihrer Fertigstellung bietet die Kirche Sitzplätze für insgesamt an die 700 Personen.

Für die Arbeiten am neuen Kirchenschiff zeichnet der Schlänger Bauunternehmer und Maurermeister Heinrich Poppe verantwortlich. Mit dem Neubau wird am 18. Oktober 1877 begonnen. Zunächst legt man die neuen Fundamente um den alten Bau herum, bevor dieser im Februar 1878 abgerissen wird. Die Kosten samt Innenausstattung und neuer Orgel belaufen sich laut Endabrechnung auf 42.000 Mark. Die Summe wäre deutlich höher ausgefallen, hätten sich nicht viele Gemeindemitglieder unentgeltlich mit umfangreichen Spanndiensten beteiligt. Merckel selbst hatte nur ein bescheidenes Honorar von 3000 Mark in Rechnung gestellt. Am 13. November 1878 wird die neue Kirche im Beisein des lippischen Generalsuperintendenten Koppen feierlich eingeweiht. Merckel geht 1887 im Alter von 79 Jahren in den Ruhestand, er stirbt am Heiligen Abend 1893.

Literatur: Heinrich Stiewe, Die Kirche in Schlangen: Vom Mittelalter bis zum 19. Jahrhundert, in: Geschichte der Dörfer Schlangen, Kohlstädt, Oesterholz und Haustenbeck, Band 1, Hrsg. von Heinz Wiemann, Bielefeld 2008.

Heinz Wiemann. (Hrsg.) Die Kirche zu Schlangen, Schlangen 1978.

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