Mo., 19.11.2018

Gedenkveranstaltungen zum Volkstrauertag in Oesterholz und Schlangen Dem Vergessen keine Chance geben

Der 2. stellvertretende Bürgermeister Marcus Püster (links) hat bei der zentralen Gedenkfeier der Gemeinde zum Volkstrauertag am Ehrenmal in Oesterholz eine emotionale Rede gehalten. Zahlreiche Schlänger Vereine und Bürger haben daran teilgenommen wie hier die Schützenvereine und die Freiwillige Feuerwehr.

Der 2. stellvertretende Bürgermeister Marcus Püster (links) hat bei der zentralen Gedenkfeier der Gemeinde zum Volkstrauertag am Ehrenmal in Oesterholz eine emotionale Rede gehalten. Zahlreiche Schlänger Vereine und Bürger haben daran teilgenommen wie hier die Schützenvereine und die Freiwillige Feuerwehr. Foto: Sonja Möller

Von Sonja Möller

Schlangen (WB). In bewegenden Wort hat Marcus Püster am Volkstrauertag am Ehrenmal in Oesterholz der Opfer der beiden Weltkriege gedacht: »Können wir verhindern, dass Erinnerungslücken entstehen? Die vielen Millionen Opfer haben uns gelehrt, nicht zu vergessen. Darum sind wir hier.«

Die freiwillige Feuerwehr Schlangen und die Schützenvereine hatten sich in einer Reihe aufgestellt. Ihnen gegenüber standen die Fahnenträger der Feuerwehr, der Schützenvereine, des Reitvereins und des VfL Schlangen. Der Musikzug spielte ein Lied zur Einstimmung.

Ehrenmal in Oesterholz. Foto: Sonja Möller

Dann sprach der 2. stellvertretende Bürgermeister Marcus Püster: »Der Volkstrauertag ist ein Anlass, sich mit unserer Geschichte auseinanderzusetzen und an die vielen Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft zu erinnern. Erinnerung, Tod und Trauer und das Bekenntnis zur nationalen Geschichte sind wichtige Begriffe, die in das Bewusstsein der ganzen Nation übergehen müssen.«

Marcus Püster erläutert, warum der Volkstrauertag aktueller denn je ist

Die Erinnerung an die Vergangenheit dürfe niemals aus dem persönlichen und nationalen Denken und Gedächtnis verschwinden. »Wer den Volkstrauertag in Frage stellt, sollte sich an den Spruch von Konfuzius erinnern: ›So wie ein Volk seine Toten verehrt, so offenbart sich seine Seele vor dir.‹«

Marcus Püster erläuterte detailliert, warum der Volkstrauertag noch immer aktuell ist: »Erinnerungen an unsere eigene Geschichte beeinflussen das politische Handeln und den verständnisvollen Umgang mit unseren ehemaligen Kriegsgegnern und Opfern. Diese Erinnerung an unsere Vergangenheit darf daher niemals aus unserem persönlichen und nationalen Denken und Gedächtnis verschwinden.« Weil Kriege, Gewalt und Terrorismus als eine Gefährdung des Gemeinwesens den Menschen täglich begegneten, in der Gewalt gegen ethnische Minderheiten, Ausländer und Flüchtlinge sowie in menschenverachtenden Terroranschlägen, in Gewalt in Familien, Schule, Beruf und der Freizeit.

»Nie wieder Krieg!«

»Gerade am Volkstrauertag geht von den Kriegsgräbern eine Mahnfunktion an die jetzt Lebenden und zukünftigen Generationen aus: Nie wieder Krieg! Verhindert Gewalt! Überwindet Hass, Vorurteile und Intoleranz und achtet die Menschenwürde.« Der Musikzug Schlangen stimmte die Nationalhymne an, die die Teilnehmer alle zusammen sangen. Dann legten die Ratsfraktionen SPD und CDU einen Kranz vor dem Ehrenmal nieder.

Die Gedenkfeier begann bereits zehn Minuten vor dem angesetzten Termin, weshalb einige Zuschauer zu spät kamen. Hier hatte es offenbar einen Absprachefehler gegeben. Feuerwehrchef Ralf Heuwinkel erläuterte auf Anfrage: »Wir stellen uns immer zehn Minuten vor Beginn auf. Der Bürgermeister eröffnet dann die Feier, wenn er bereit ist.« Marcus Püster hatte seinerseits nach eigenen Angaben das Stück des Musikzugs zum Anlass genommen, seine Rede direkt zu beginnen.

Ökumenische Gedenkfeier am jüdischen Friedhof

Pfarrer Georg Kersting hat auf dem jüdischen Friedhof in Schlangen an das Grauen des Nazi-Regimes erinnert. Foto: Sonja Möller

Zu einer ökumenischen Gedenkfeier hatten die evangelisch-reformierte und die katholische Kirchengemeinde auf den jüdischen Friedhof an der Gartenstraße eingeladen. Pastor Thomas Friebel zitierte bei strahlendem Sonnenschein den Psalm 146.

Dann übernahm Pfarrer Georg Kersting vom Pastoralverbund Bad Lippspringe-Schlangen. In bewegenden Worten erinnerte er an das Grauen des Nazi-Regimes: »Die Synagogen wurden von den Nazis in Brand gesteckt, Geschäfte geplündert, Menschen schikaniert und stigmatisiert, während die Bevölkerung zusah.« Er erinnerte an den Völkermord an Millionen europäischen Juden. Es sei gut und wichtig, dass jedes Jahr auf dem jüdischen Friedhof der ungeheuren Verbrechen an der jüdischen Bevölkerung gedacht werde. »Die Zeitzeugen werden weniger. Rechte Kräfte in unserem Land, die die Vergangenheit umdeuten wollen, nehmen zu«, sagte Kersting.

Er schilderte eine Begegnung nach einem Gottesdienst in Bad Lippspringe. In einem Gespräch mit einem älteren Mann habe dieser ihm gesagt, dass er nicht glaube, dass das mit der Massenvernichtung in Auschwitz so stimmen würde. »Die Verbrechen des Nationalsozialismus als Fliegenschiss in der Geschichte zu bezeichnen – ich hätte nicht gedacht, dass so etwas heute möglich ist«, äußerte Kersting seine persönliche Fassungslosigkeit und betonte: »Antisemitismus ist immer noch vorhanden und zeigt sich unverhohlener. Erhöhte Wachsamkeit und Zivilcourage, offenes und mutiges Eintreten für ein friedliches Miteinander sind jetzt gefragt.« Gemeinsam legten Friebel und Kersting einen Kranz am Gedenkstein nieder.

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