Mo., 24.12.2018

Bei der Turmuhr der Kirche in Schlangen kommt es nicht auf die Sekunde an Laura Schreiber hütet ein Kleinod

Zu Laura Schreibers ehrenamtlichen Aufgaben gehört es, jeweils einmal in der Woche die Kirchturmuhr aufzuziehen. Die 24-jährige gebürtige Görlitzerin ist Uhrmacherin und arbeitet im benachbarten Bad Lippspringe.

Zu Laura Schreibers ehrenamtlichen Aufgaben gehört es, jeweils einmal in der Woche die Kirchturmuhr aufzuziehen. Die 24-jährige gebürtige Görlitzerin ist Uhrmacherin und arbeitet im benachbarten Bad Lippspringe. Foto: Klaus Karenfeld

Von Klaus Karenfeld

Schlangen (WB). Einmal in der Woche geht es für Laura Schreiber ganz hoch hinauf. Seit kurzem erst betreut die 24-Jährige die Turmuhr der evangelischen Kirche in Schlangen – ein Wunderwerk der Technik mit einer langen Geschichte.

Wer die Turmuhr besichtigen will, sollte schwindelfrei sein und keine Angst vor schmalen Gängen haben. Das wird schnell deutlich, als Laura Schreiber die schwere Eingangstür zum Kirchturm öffnet. Zunächst geht es über eine steinerne Treppe 23 Stufen hinauf. »Bitte den Kopf einziehen«, warnt sie. »Die Deckenhöhe ist hier nicht besonders üppig.«

Der Weg führt weiter über eine mehrstufige Holztreppe zum eigentlichen Ziel: die alte Turmuhr der evangelischen Kirche. »Die funktioniert noch rein mechanisch«, betont Laura Schreiber mit einem leicht anerkennenden Unterton. Die gelernte Uhrmacherin betreut die Turmuhr erst seit wenigen Monaten.

Die Fehlertoleranz soll die Zwei-Minuten-Marke nicht überschreiten

Vor ihr hat sich Klaus-Dieter Liers über Jahre um das Wunderwerk der Technik gekümmert. Anders als eine moderne Quartz- oder Digitaluhr geht die Schlänger Turmuhr nicht sekundengenau. »Aber gerade das macht ihren besonderen Charme aus«, betont Laura Schreiber. »Die Fehlertoleranz sollte aber die Zwei-Minuten-Marke nicht überschreiten.« Auch das gehört zu den Aufgaben von Laura Schreiber, wenn sie einmal in der Woche im Kirchturm nach dem Rechten sieht.

Die Schlänger Turmuhr stammt aus dem Jahre 1894 und wurde von der renommierten Bockenemer Firma J.F. Weule angefertigt. Und zwar in »bewährter Construction und bester Qualität«, wie der Hersteller seinerzeit in seinem Kostenvoranschlag betonte. Der Mechanismus der Räderuhr beruht im Wesentlichen auf zwei Werken, die Laura Schreiber zufolge unbedingt miteinander harmonieren müssen. Das Gehwerk gibt vor, wie schnell sich die Zeiger der Uhr bewegen. Das benachbarte Schlagwerk ist so eingestellt, dass es regelmäßig jeweils zur halben und zur vollen Stunde einen gut hörbaren Schlagton abgibt. Mit der Turmuhr verbunden ist die so genannte Gebetsglocke, die dreimal am Tag zum Einsatz kommt, und zwar um sieben, zwölf und um 18 Uhr. Einmal in der Woche muss die Kirchturmuhr neu aufgezogen werden. Das geschieht per Handkurbel.

Laura Schreiber lebt und arbeitet in Bad Lippspringe

Laura Schreiber wurde in Görlitz geboren, hat später aber über eine längere Zeit in Dresden gelebt. Die Ausbildung zur Uhrmacherin führte sie in die Kleinstadt Glashütte, die für ihre exzellente Uhrmacherkunst weltweit bekannt ist. Heute arbeitet die 24-Jährige für das Uhren- und Goldschmiedehaus Schäfers im benachbarten Bad Lippspringe. Die Turmuhr in Schlangen ist Laura Schreiber inzwischen sehr ans Herz gewachsen: »Sie steht für ein langes und traditionsreiches Kapitel Schlänger Geschichte. Und das sollte man sorgsam auch für die Zukunft bewahren.«

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6277140?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198397%2F2516024%2F