Di., 22.01.2019

Neu: Ausstellung zeigt historische Hochzeitsgruppe und Brautkleider Geschenke fürs Dorfmuseum

Im Dorfmuseum ab sofort zu sehen: die historische Tracht des Hochzeitsbitters, daneben Hochzeitskleid und Festanzug der Eheleute Friedrich und Luise Steinmeier. Mit im Bild: Carl-Wilhelm Mansfeld, der 50 Jahre Hochzeitsbitter in Schlangen war.

Im Dorfmuseum ab sofort zu sehen: die historische Tracht des Hochzeitsbitters, daneben Hochzeitskleid und Festanzug der Eheleute Friedrich und Luise Steinmeier. Mit im Bild: Carl-Wilhelm Mansfeld, der 50 Jahre Hochzeitsbitter in Schlangen war.

Von Klaus Karenfeld

Schlangen (WB). Das Dorfmuseum in Schlangen lässt Geschichte anschaulich lebendig werden. Und regelmäßig gibt es hier etwas Neues zu entdecken – wie jetzt. Im so genannten Trauzimmer ist seit wenigen Tagen eine historische Hochzeitsgruppe zu sehen.

Der lippische Hochzeitsbitter war eine legendäre Person. Seine Berufung ging auf Graf Simon Heinrich (1649-1697) zurück. Dem war zu Ohren gekommen, dass Hochzeitsgesellschaften immer häufiger mit der gesamten Dorfgemeinschaft gefeiert wurden und deshalb nicht selten in einem großen Trinkgelage endeten. Mit einer strengen Verordnung wollte er 1684 dem ausufernden Treiben ein unbedingtes Ende setzen.

Das Brautpaar hatte von da an eine detaillierte Gästeliste vorzulegen. Sie wurde anschließend dem Hochzeitsbitter zu treuen Händen übergeben. Der zog sodann durch das Dorf, um die einzuladenden Gäste über den Tag der Hochzeit zu informieren. Dazu sagte er seinen bis heute überlieferten Vers auf, der mit folgenden Worten begann: »Ich bin zu Euch hierher geschritten, hätt’ ich ‘n Pferd, wär’ ich geritten. Zu Samstag freundlich Euch gebeten, ins Haus der Brauteltern zu treten.«

Bis zuletzt die lange Hochzeitsbitter-Tradition wachgehalten

In Schlangen hat Carl-Wilhelm Mansfeld bis zuletzt die lange Hochzeitsbitter-Tradition wachgehalten. 50 Jahre war er Teil der über den Ort hinaus bekannten Hochzeitsgruppe. An die Anfänge erinnert sich der heute 86-Jährige noch sehr genau: »Das alte Leinenhemd mit schmuckem Stehkragen hatte mir Familie Kaiser zur Verfügung gestellt. Und die Schuhe bekam ich von Adolf Schäferjohann. Beides habe ich über all die Jahre in Ehren getragen.«

Zusammen mit der Hochzeitsgruppe hat Mansfeld unzählige Auftritte in und außerhalb von Schlangen absolviert. 2018 nahm er Abschied von seiner traditionsreichen Aufgabe. Ein Nachfolger ist bis heute nicht gefunden. Mansfelds historische Kleidungsstücke sind jetzt im Trauzimmer des Dorfmuseums zu sehen.

Ein 90 Jahre altes Brautkleid sowie einen Hochzeitsanzug

Ein weiteres besonderes Geschenk hat die Familie Steinmeier Museumsleiter Joachim Burchart überlassen: ein 90 Jahre altes Brautkleid sowie einen Hochzeitsanzug. Friedrich Steinmeier und seine Frau Luise, geborene Rebbe, hatten sich am 8. Dezember 1926 in Schlangen das Ja-Wort gegeben. Ein Schwarz-Weiß-Foto, das ebenfalls in der Ausstellung zu sehen ist, dokumentiert das festliche Ereignis. Die Braut trug ein champagnerfarbenes Kleid aus Seide und ihr Ehemann einen schwarzen Anzug mit prächtigem Zylinder. »Um die Kleidung des Hochzeitsbitters wie auch des Brautpaares im Museum optisch ansprechend präsentieren zu können, wurden eigens drei Schaufensterpuppen erworben und entsprechend dekoriert«, erinnert sich Burchart.

Bereits Teil der Ausstellung ist das Hochzeitskleid (1908) von Charlotte Kuhlmeier (1882-1959), den Schlängern besser bekannt als »Schinken Charlotte«. Auffällig hierbei: Das Kleid ist ganz in Schwarz gehalten, der Schleier dagegen in Weiß. »Man dachte damals sehr zweckmäßig«, weiß Burchart weiter zu berichten. »Das Hochzeitskleid war schon zu damaliger Zeit eine teure Anschaffung und sollte deshalb nicht nur einmal getragen werden. Anlässe in den folgenden Jahren gab es viele. Die meisten waren ernst und nicht so erfreulich. Ein schwarzes (Hochzeits-) Kleid auszuwählen war da langfristig gesehen vorteilhafter.«

Ebenfalls in der Ausstellung zu sehen sind eine Hochzeitsbibel, ein Brautkranz, ein Paar Hochzeitsstrümpfe mit Monogramm sowie vieles Interessante mehr.

Das Dorfmuseum in der Rosenstraße in Schlangen ist jeden dritten Sonntag im Monat zwischen 15 und 18 Uhr geöffnet oder nach Vereinbarung.

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