Sa., 02.03.2019

Else Steinmeier aus Schlangen wäre fast auf falsche Polizisten hereingefallen »Ich hatte keinerlei Zweifel«

Else Steinmeier ist Ende Januar fast Opfer von angeblichen Polizeibeamten geworden. Ein »Kommissar Bach« rief die Schlängerin dreimal täglich an und erzählte von Einbrechern in der Schützenstraße und einem Maulwurf bei der Bank.

Else Steinmeier ist Ende Januar fast Opfer von angeblichen Polizeibeamten geworden. Ein »Kommissar Bach« rief die Schlängerin dreimal täglich an und erzählte von Einbrechern in der Schützenstraße und einem Maulwurf bei der Bank. Foto: Sonja Möller

Von Sonja Möller

Schlangen (WB). Else Steinmeier ist eine Seniorin, die sich nicht so leicht hinters Licht führen lässt. Die 84-Jährige hat bereits erfolgreich windige Anrufer abgewimmelt. Doch als jetzt ein ›Kommissar Bach‹ sie anrief und von einem angeblichen Einbruch in der Schützenstraße erzählte, »hatte ich keine Zweifel. Dass ich mal auf falsche Polizisten reinfalle, hätte ich nie gedacht!«, berichtet die rüstige Rentnerin.

Else Steinmeier lebt in einer Wohnung in Schlangen. Als am 29. Januar um 16 Uhr das Telefon klingelte, meldete sie sich mit »Ja bitte?« Das mache sie bei unbekannten Nummern immer so, sagt die 84-Jährige. Es meldete sich ein ›Kommissar Bach‹ und sprach sie sofort mit ihrem Namen an.

Betrüger rief immer öfter an

Er wollte wissen, ob sie schon vom Einbruch an der Schützenstraße gehört habe. Dort hätten seine Kollegen drei Männer festgenommen und eine Namensliste sichergestellt. »Dieser Herr Bach sagte, ich sei die nächste auf der Liste, aber ich müsse mir keine Sorgen machen. Ich stehe unter Polizeischutz«, berichtet Else Steinmeier vom ersten Anruf. Das war am Dienstag. Tags drauf meldete sich der angebliche Kommissar erneut und erkundigte sich, wie es der Seniorin geht. Diese Anrufe wiederholte er fortan dreimal täglich. Steinmeier: »Er war immer nett und freundlich. Ich habe mir nichts dabei gedacht.«

Am Donnerstag fragte der angebliche Kommissar erstmals nach Geld: »Er wollte wissen, wie viel ich habe. Ich sollte die genaue Summe nachgucken, aber ich hatte die Unterlagen nicht zur Hand«, erzählt die Seniorin. Der Anrufer wurde drängender, berichtete von einem Maulwurf bei ihrer Bank, der bereits 20.000 Euro von einem anderen Konto nach Russland überwiesen habe.

Ihre gesamten Ersparnisse wollte sie abheben

»Ich sollte helfen, den Maulwurf zu überführen und dafür mein komplettes Geld abholen«, erzählt Else Steinmeier. Für die Seniorin klang das schlüssig. Und sie wollte tatkräftig mithelfen, den angeblich betrügerischen Bankmitarbeiter zu überführen. »Herr Bach sagte mir, ich würde die ganze Zeit unter Polizeischutz stehen und sollte mir keine Sorgen machen. Also bin ich zu meiner Bank gefahren und wollte alles abholen.«

Die Mitarbeiterin des Geldinstituts wurde misstrauisch und warnte Else Steinmeier vor einem möglichen Betrugsversuch. Doch die Seniorin hatte sich für diesen Fall ihre Geschichte zurecht gelegt: Sie brauche das Geld für ihren Sohn, sagte sie überzeugend.

Wieder zuhause bekam Else Steinmeier den nächsten Anruf: »Haben Sie das Geld? Dann verstecken Sie es gut. Am Wochenende sollte alles vorbei sein. Ich komme am Montag vorbei und erzähle Ihnen alles bei einer Tasse Kaffee«, habe der falsche Kommissar gesagt. Misstrauisch war sie immer noch nicht.

Beim Sohn schrillen die Alarmglocken

»Am Sonntag war dann mein Sohn Ralf zufällig zu Besuch, als Herr Bach wieder anrief. Ralf hat nur Bruchstücke vom Gespräch mitbekommen, aber bei ihm schrillten wohl alle Alarmglocken. Er schob mir einen Zettel mit der Aufschrift ›Falsche Polizei‹ zu«, erzählt Else Steinmeier. Als der Anrufer nach ihrer Kontonummer fragte, nahm der Sohn das Telefon vom Strom und besprach seinen Verdacht mit seiner Mutter. Den nächsten Anruf nahm er dann an und gaukelte vor, seine Mutter müsse notärztlich versorgt werden. Danach informierte Ralf Steinmeier umgehend die Polizei.

Die schnitt den nächsten Anruf des angeblichen Kommissars mit. »Ich hatte den Lautsprecher an und Herr Bach hat mich aufgefordert, diesen auszustellen«, erinnert sich Else Steinmeier, die die verwirrte Seniorin spielte. Sie sei an einen falschen Knopf gekommen und wann genau der Kommissar denn Montag vorbeikäme, weil sie Waffeln backen wollte, hakte sie nach. Danach legte der Anrufer auf. Ihre Söhne und ihr Enkel blieben die ganze Zeit bei ihr. Doch das Telefon blieb still.

Mit echter Polizei Passwort vereinbart

»Erst um 17 Uhr meldete sich jemand. Er sei von der Polizei. Man habe Herrn Bach festgenommen«, erzählt Else Steinmeier. Auch dieser Anruf war gefälscht. »Mit der echten Polizei hatte ich ein Passwort vereinbart, dass sie sagen, wenn sie mich anrufen. Damit ich weiß, dass es die echte Polizei ist. Und dieses Passwort wollte der Anrufer von mir wissen«, erzählt die Schlängerin. Sie stellte sich dumm, da legte der Anrufer auf. Danach war Schluss.

Ihr Geld lag da schon wieder sicher bei der Bank. »Es ist noch mal alles gut gegangen«, sagt sie. Fassungslos ist Else Steinmeier trotzdem: »Ich dachte immer: Sowas kann mir nicht passieren. Aber als sich Herr Bach so souverän gemeldet und mit Namen angesprochen hat, hatte ich keinen Verdacht.«

Die 84-Jährige möchte jetzt andere Senioren mit ihrer Geschichte warnen: »Jeder sollte sofort die Familie informieren oder eine Vertrauensperson zu Rate ziehen. Egal wie überzeugend die Geschichte klingt. Es war mein großes Glück, dass Ralf an dem Sonntag zufällig zu Besuch war und stutzig geworden ist.«

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