Di., 12.03.2019

Haustenbecker Treffen: Heimat- und Verkehrsverein fühlt sich bei Planung übergangen »Wir werden ins Abseits gedrängt«

Der Gedenkstein erinnert an die Vertreibung des Dorfes Haustenbeck, der dem Truppenübungsplatz Senne weichen musste. Die Bewohner wurden vor 80 Jahren vertrieben.

Der Gedenkstein erinnert an die Vertreibung des Dorfes Haustenbeck, der dem Truppenübungsplatz Senne weichen musste. Die Bewohner wurden vor 80 Jahren vertrieben. Foto: Uwe Hellberg

Von Sonja Möller

Oesterholz-Haustenbeck (WB). Der Heimat- und Verkehrsverein Oesterholz-Haustenbeck fühlt sich hintergangen: »Seit 1971 haben wir als Verein alle zwei Jahre das Haustenbecker Treffen organisiert und ausgerichtet. Und jetzt, ausgerechnet 80 Jahre nach der Auflösung des Dorfs, sollen wir ins Abseits gedrängt werden«, sagt die Vorsitzende Petra Mücke: »Wir sind entsetzt!«

Hintergrund ist ein Bericht in dieser Zeitung vom 8. März 2019 über die Jahreshauptversammlung des Fördervereins Haustenbeck. Dort hatte sich Bürgermeister Ulrich Knorr zum Haustenbecker Treffen geäußert: Die Gemeinde habe die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben als Eigentümerin der Senne angeschrieben und den Antrag auf ein Haustenbecker Treffen im Spätsommer gestellt, hieß es.

»Vom Bürgermeister wird der Eindruck vermittelt, als habe die Gemeinde das Heft des Handelns in die Hand genommen. Das stimmt so aber nicht. Federführend beim Haustenbecker Treffen sind wir«, betont Petra Mücke.

Der Heimat- und Verkehrsverein hat das Treffen bislang 23 Mal durchgeführt

Am 9. Oktober 1971 ist die Gedenkstätte von der Interessengemeinschaft ehemaliger Haustenbecker eingeweiht worden. »Unser Verein hat in Zusammenarbeit mit der Interessengemeinschaft die Pflege der Gedenkstätte und die Durchführung eines alle zwei Jahre stattfindenden Haustenbecker Treffens übernommen«, teilt Fritz Weitner, ehemals langjähriger HVV-Vorsitzender, schriftlich mit. Seitdem habe der HVV das Treffen 23 Mal durchgeführt.

2017 wurde die Veranstaltung wegen Sicherheitsbedenken der Briten abgesagt, heißt es weiter. »An der Wanderung in die Senne nehmen im Schnitt 300 bis 400 Leute teil«, sagt Petra Mücke. Die Briten hatten auch ihr mitgeteilt, dass Teilnehmer abseits der offiziellen Wege unterwegs seien und dass dies zu gefährlich sei. Deswegen habe der Verein das Treffen erstmals seit Bestehen abgesagt.

»2019 jährt sich die Auflösung Haustenbecks nun zum 80. Mal. Um dem neuen Antrag für das Treffen einen offizielleren Ausdruck zu verleihen, haben wir vom Vorstand mit dem Bürgermeister vereinbart, er möge den Antrag im Namen der Gemeinde einreichen«, teilt Petra Mücke mit: »Aber die Federführung sollte weiter bei uns liegen.« Knorr habe damals gesagt, dass alles andere wie gehabt laufe und er sich melde, sobald er die Genehmigung habe. »Und jetzt steht mit dem 7. September ein Termin in der Zeitung, der mit uns nicht abgesprochen ist«, wundert sich Mücke.

»Wir möchten nicht mit denen zusammen arbeiten«

Aus dieser Zeitung erfuhr der HVV-Vorstand auch, dass sich der Förderverein Haustenbeck aktiv an Planung und Durchführung der Gedenkfeier beteiligen will. »Dieser Förderverein hat sich 2015 gegründet, ohne unseren Verein zu informieren. Bis heute gibt es keinen Kontakt zwischen beiden Vereinen«, schildert Petra Mücke die Situation: Dieser oder gar eine Zusammenarbeit sei vom HVV auch nicht gewünscht. Es gebe ein Zerwürfnis mit dem Fördervereins-Vorsitzenden, dass sich laut Mücke nicht ausräumen lasse: »Wir möchten nicht mit denen zusammen arbeiten«, sagt sie. Darüber wisse auch Bürgermeister Ulrich Knorr Bescheid.

Als dann weder der Bürgermeister noch einer seiner Stellvertreter zur Jahreshauptversammlung des HVV Oesterholz-Haustenbeck kam, fühlte sich der Vorstand vor den Kopf gestoßen. Mücke: »Wir haben auch erwartet, dass jemand vom Förderverein kommt und seine Vorstellungen bezüglich des Haustenbecker Treffens nennt. Immerhin wollen sie sich ja bei der Planung und Durchführung einbringen.«

Der HVV-Vorstand betont in einem Schreiben: »Wenn überhaupt, dann bleibt für uns, der wir die Treffen Jahrzehnte in Eigenregie gemacht haben, nur noch die Drecksarbeit.« Das werde der Verein nicht mitmachen. Mücke: »Wir fühlen uns hintergangen und haben das Gefühl, andere wissen mehr. Es sind jetzt 80 Jahre nach der Auflösung Haustenbecks. Wenn ausgerechnet dann der Verein, der es immer gemacht hat, das Treffen nicht mehr ausrichten kann, ist das bitter traurig.« Der Vorstand stehe nach wie vor für Gespräche mit Knorr bereit.

Bürgermeister widerspricht Aussage der Vorsitzenden

Auf Anfrage widerspricht Bürgermeister Ulrich Knorr der Aussage Mückes, der HVV richte in diesem Jahr das Haustenbecker Treffen federführend aus: »Das stimmt so nicht. Wir haben vereinbart, dass wir das gemeinsam durchführen. Wenn die Gemeinde den Antrag stellt, kann nicht ein anderer der Ausrichter sein. Ich werde das Heft nicht aus der Hand geben.« Die Gemeinde übernehme die Federführung, damit das Treffen auf jeden Fall stattfinde.

Zum Hintergrund erläutert Knorr: »Zum 75. Jahr der Vertreibung wollten wir 2014 ein Treffen ausrichten. Damals hat Frau Mücke gesagt, dass der HVV damit nichts zu tun hat, da es sich nicht um ein reguläres Treffen handelt.« Damals sei die Gemeinde eingesprungen. 2017 dann habe der HVV die Genehmigung für ein Haustenbecker Treffen bekommen, allerdings ohne Wanderung. »Die ehemaligen Haustenbecker hätten sich aber auf dem Gelände treffen können«, betont Knorr. Doch der HVV habe das Treffen komplett abgesagt. Knorr betont: »Und das, obwohl es eine Genehmigung gab. Danach gab es viel Kritik.«

2019 soll das Haustenbecker Treffen auf jeden Fall stattfinden

In diesem Jahr soll das Haustenbecker Treffen laut Knorr auf jeden Fall stattfinden: »Vor fünf Jahren wollte der HVV kein Treffen und 2017 hat er es komplett abgesagt. Dieses Mal soll es, wenn möglich, auf jeden Fall stattfinden.« Deswegen habe die Gemeinde den Antrag auf Genehmigung gestellt. »Und dafür brauchen wir viele Leute. Ich habe dem britischen Militär zugesichert, dass ich einen Sicherheitsdienst organisiere«, sagt Knorr.

An der Jahreshauptversammlung habe er übrigens wegen eines anderen Termins nicht teilnehmen können. Seine Stellvertreterin Melanie Struck sei im Urlaub gewesen und Marcus Püster habe sich wegen eines Fehlers in der HVV-Einladung den falschen Termin notiert. Bezüglich des Fördervereins Haustenbeck, der sich gerne in Planung und Durchführung des Treffens einbringen wolle, betont Knorr: »Wenn eine Seite sagt, sie will mit dem und dem nicht zusammenarbeiten, dann muss sie es lassen. Aber deswegen lasse ich doch niemanden vor der Tür stehen, der helfen will. Wo bin ich denn?«

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