Di., 26.03.2019

100 Jahre alte Schalttafel in der neuen Ausstellung des Strommuseums Als Elektrik erstmals Glocken bewegte

Reinhard Fleege-Althoff führt gerne interessierte Besucher durch das Strommuseum. In der neuen Ausstellung sind diese Schalttafel und ein Elektromotor zu sehen, die den Antrieb Schlänger Kirchenglocken übernahmen.

Reinhard Fleege-Althoff führt gerne interessierte Besucher durch das Strommuseum. In der neuen Ausstellung sind diese Schalttafel und ein Elektromotor zu sehen, die den Antrieb Schlänger Kirchenglocken übernahmen. Foto: Phil Hänsgen

Von Phil Hänsgen

Schlangen (WB). Wie die Glocken in unserer Gemeinde früher funktioniert haben, können Besucher ab sofort im Strommuseum der Trafoturmstation in Erfahrung bringen. Eine 100 Jahre alte elektrische Schalttafel und ein Elektromotor für den Antrieb von Glocken sind dabei die Höhepunkte der neuen Ausstellung.

In den Jahren 1412 und 1656 wurden zwei Glocken für die evangelische Kirche in der Gemeinde Schlangen gegossen, die bis heute noch zu den verschiedensten Anlässen läuten. Noch vor ungefähr 100 Jahren schwang man diese per Handarbeit mit einem Seil, bis man die anstrengende Arbeit schließlich durch eine elektrische Schalttafel ersetzte. Sie wurde von der Firma »Herforder Glockenantriebe Voco, Bockelmann und Kuhlo« gefertigt und ist heute noch vollständig funktionsfähig erhalten.

Reinhard Fleege-Althoff (80) war Diplom-Ingenieur bei der Pesag und für die Stromversorgung in der Gemeinde Schlangen zuständig. Er führt in seiner Freizeit Besucher durch das Strommuseum in der Trafoturmstation an der Langetalstraße.

Zwei Schalter und zwei Messgeräte

Die Freude über das neue Ausstellungsstück ist ihm deutlich anzumerken und er erklärt dessen Herkunft: »Die Geräte sind von Elektromeister Werner Bornefeld aus Altbeständen von Elektromeister Fritz Tracht gestiftet worden. Die Schalttafel war sehr verdreckt, weswegen ich sie sauber gemacht und dabei versucht habe, diese in einem möglichst ursprünglichen Zustand zu lassen.«

Auf der Tafel sind zwei Schalter zu sehen, welche damals die Motoren zum Glockenläuten in Gang gesetzt haben. Zudem sind oben zwei Messgeräte eingearbeitet, um die Stromaufnahme der Motoren in Ampere zu messen. Hinten am Ausstellungsstück sind Klemmen angebracht worden, wodurch man die Tafel mit den Motoren verbinden konnte.

»Wer Interesse daran hat, wie das mit dem Glockenläuten im Laufe der Jahre funktioniert hat, sollte auf jeden Fall der Station einen Besuch abstatten. Mir bereitet die Führung besondere Freude, wenn viele Leute kommen und ich versuche das Ganze stets durch Späße aufzulockern«, so Fleege-Althoff.

Geräte von 1935 noch funktionsfähig

Neben der Schalttafel kann in dem Museum zudem ein Elektromotor für den Antrieb einer Glocke besichtigt werden. Außerdem ist das Haupt-Ausstellungsthema vom vergangenen Jahr neben den vorhandenen technischen Schaltgeräten, Sicherheitsmaterialen und Vorschriften weiterhin zur Besichtigung vorhanden.

Dazu zählen alte analoge und neue digitale Messgeräte mit verschiedenen Anzeigen aus der Elektrotechnik, die eine Dauerleihgabe von Westfalen Weser Energie sind. Das älteste Exemplar stammt aus dem Jahre 1935, ist in ein Holzgehäuse eingebaut und immer noch vollständig funktionsfähig. Zudem können in der Station alte elektrische Haushaltsgeräte sowie diverse alte und moderne Leuchten bewundert werden.

Das Strommuseum Trafoturmstation hat 2019 voraussichtlich an vier Terminen geöffnet: Am Ostermontag, 22. April, Sonntag, 19. Mai, Sonntag, 8. September. und am 3. November, dem Schlänger- Markt-Sonntag. Auch für spontane Termine ist Fleege-Althoff stets bereit, das Museum zu öffnen. Anmeldungen zu Führungen an der Geschichtsstation sind möglich bei Reinhard Fleege-Althoff, Telefon 05252/7698.

Ausgezeichnet als »Leuchtturmprojekt«

Die erste Transformatorenturmstation wurde 1925 in Schlangen erbaut. 1956/57 wurde diese Station erweitert und erhielt die Bezeichnung Schlangen-Mitte. Die Trafoturmstation war bis zum Jahr 1998 in Betrieb, um Schlänger Haushalte mit Strom zu versorgen. Im Jahr 2007 wurde die Station renoviert.

Im Dezember 2013 hat der Energieversorger Westfalen-Weser Energie (WWE) die Trafoturmstation in Schlangen als »Leuchtturmprojekt« ausgezeichnet. Der Preis ging an den Förderverein Ortsgeschichte, weil er die Trafoturmstation zum Museum umgebaut hat. Ein solches Museum sei einzigartig für Ostwestfalen-Lippe und damit auch eine touristische Attraktion für Schlangen. Das Strommuseum ist auch Teil des geschichtlichen Rundwanderweges in Schlangen.

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