Mo., 20.05.2019

Schlangen 4.0 will rechtlichen Status der Sennevereinbarung klären lassen Spaziergänger fordern: Schranken hoch!

50 Teilnehmer nutzten die Möglichkeit, beim Spaziergang der privaten Initiative Schlangen 4.0 durch die Senne zu spazieren. Mit dem Banner »Open Senne« bekräftigen sie ihre Meinung, dass die Senne ein wichtiges Naherholungsgebiet ist und offen bleiben muss.

50 Teilnehmer nutzten die Möglichkeit, beim Spaziergang der privaten Initiative Schlangen 4.0 durch die Senne zu spazieren. Mit dem Banner »Open Senne« bekräftigen sie ihre Meinung, dass die Senne ein wichtiges Naherholungsgebiet ist und offen bleiben muss. Foto: Sonja Möller

Von Sonja Möller

Schlangen (WB). Mit einem Spaziergang durch die Senne hat sich die private Initiative Schlangen 4.0 zu Wort gemeldet, um gegen die beabsichtigte Schließung des Truppenübungsplatzes über weite Teile des Jahres zu protestieren. Mehr als 50 Teilnehmer schlossen sich der Aktion an.

Schlangen 4.0 möchte die nahezu dauerhafte Schließung der Senne verhindern . »Ab dem kommenden Jahr planen die Briten, den Truppenübungsplatz 50 Wochen pro Jahr zu schließen. Das ist nicht akzeptabel, und dagegen wehren wir uns«, betont Henning Schwarze, Mitbegründer von Schlangen 4.0. Dafür soll es in der nahe Zukunft viele Aktionen geben.

»Wir wollen mit dem Spaziergang ein kleines Zeichen setzen«

Zum Auftakt hat die private Initiative alle Interessierten zu einem Spaziergang durch die Senne eingeladen. Dieser führte knapp drei Kilometer über öffentliche Wege durch die unberührte Natur. Treffpunkt war das Freibad in Schlangen. »Wir wollen mit dem Spaziergang ein kleines Zeichen setzen. Es gibt Pläne, die Senne ganzjährig zu schließen. Für viele ist die Senne aber ein wichtiger Lebensraum, ob zur Erholung oder als Pendler. Deswegen planen wir Aktionen wie diesen Spaziergang, mit dem wir ein Zeichen setzen wollen«, begrüßte Schwarze die Teilnehmer.

Diese durften, angeführt vom Freibad-Fördervereinsvorsitzenden Marcus Püster, einmal quer über die Liegewiese zum hinteren Tor. Von dort aus ging es über die Mühlenstraße in die Senne. An der ersten geschlossenen Schranke stoppte die Gruppe. Martin Nowosad von Schlangen 4.0 erzählte etwas über die Entstehung der Senne: »In der Eiszeit gab es hier eine dicke Eisschicht bis zum Teutoburger Wald. Als das Wasser abfloss, schwemmte es über viele Jahrhunderte Sand in die Senne.«

»Die Senne muss offen bleiben«

Anfangs hätten die Menschen aus Schlangen und Bad Lippspringe hier Gemüse und Korn angebaut. Nach dem 30-jährigen Krieg sei dann erst Haustenbeck und später Augustdorf gegründet worden. Nowosad schilderte, dass der Kurwald in Bad Lippspringe nur angepflanzt worden sei, um den Sand zu binden, der von der Senne in die Stadt wehte. »Wer hier wohnt, weiß das«, stichelte Nowosad, und viele lachten. 1892 sei die Senne dann anfangs in Schloß Neuhaus und Staumühle als Truppenübungsplatz genutzt worden. »Das Ausweiten der dafür genutzten Flächen führte dazu, dass Haustenbeck in einer Art Schlauch lag und nur noch über diesen betreten werden konnte«, erzählte Nowosad.

1936 sei im Faschismus beschlossen worden, dass das Dorf Haustenbeck weichen müsse. 1989 hätten alle Anrainer-Kommunen die Sennevereinbarung dann unterschrieben. »Darauf beziehen wir uns. Die Senne muss offen bleiben. Es darf keine Totalsperrung geben«, ergriff Henning Schwarze das Wort.

Ein Teilnehmer fragte, was für einen rechtlichen Status diese Vereinbarung habe. Dazu Schwarze: »Wir lassen gerade prüfen, ob es sich um eine rechtlich bindende Vereinbarung handelt oder eine lockere Absichtserklärung. Da sind wir dran.«

Vor dem Eingang war eine geschlossene Schranke

Auch viele Kinder nahmen an dem Spaziergang von Schlangen 4.0 teil. »Wir können dieses Naturparadies doch nicht unseren Kindern vorenthalten. Hier hängt unser Herz dran«, betonte Martin Nowosad. Auch Dieter Vollmer sieht es so: »Kinder im Grundschulalter wissen gar nicht mehr, was es hier für einen Naturschatz gibt.« Von der Ringstraße bog die Gruppe in einen Fußweg ab. Vor dem Eingang war eine geschlossene Schranke. Zwei Schilder dahinter informierten, dass dieser Wanderweg zu Fuß betreten werden darf, Spaziergänger aber auf den befestigten Wegen bleiben müssen und keinesfalls Munition oder Geräte berührt werden dürfen.

Die Gruppe spazierte entlang eines lichtdurchfluteten Nadelwaldes. Auf der anderen Seite war ein sattgrüner Laubwald zu sehen. »Ist das schön hier«, sagte eine Teilnehmerin. »Diesen Naturschatz müssen wir für die Öffentlichkeit doch bewahren«, gab sich auch Dieter Vollmer kämpferisch.

An einer Wiese mit Weiden erzählte Henning Schwarze von einem blauen Haus, das hier einst stand und seinen Namen durch die besondere Färbung der speziell mineralisierten Steine erhalten habe. »Diese Wiese ist aus Naturschutz-Sicht eine der wertvollsten Wiesen in ganz Nordrhein-Westfalen. Hier wachsen ganz seltene Orchideen.«

Auch Bad Lippspringer nehmen an dem Spaziergang teil

Unter den Teilnehmern waren auch einige Bad Lippspringer. Eine von ihnen ist Anna Achtstetter: »Ich habe Angst vor dem Lärm, der herüber schallt. Das wird immer mehr. Ich frage mich, wie das erst werden soll, wenn die Senne 50 Wochen pro Jahr vermietet ist.« Die Badestädterin habe noch versucht, andere Einwohner der Nachbarkommune zu mobilisieren, sich ebenfalls anzuschließen. Doch ohne Erfolg.

Die Organisatoren waren trotzdem zufrieden: »Genau so eine bunte Gruppe habe ich mir gewünscht«, sagte Dieter Vollmer: »Mit Hund, mit Bollerwagen, mit Fahrrad, Kinder, junge und ältere Erwachsene – alle sind dabei.«

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