Di., 28.05.2019

Bürgermeister Andreas Bee enttäuscht über Ausschussentscheidung Gartenschaustadt lehnt Ökostrom ab

Ökostrom oder Kohle- und Atomstrom? Der Bad Lippspringer Hauptausschuss lehnte jetzt mit zehn zu fünf Stimmen den Bezug von Ökostrom aus Kostengründen ab. Bürgermeister Andreas Bee votierte vergeblich für den Bezug von Ökostrom.

Ökostrom oder Kohle- und Atomstrom? Der Bad Lippspringer Hauptausschuss lehnte jetzt mit zehn zu fünf Stimmen den Bezug von Ökostrom aus Kostengründen ab. Bürgermeister Andreas Bee votierte vergeblich für den Bezug von Ökostrom. Foto: dpa

Von Bernhard Liedmann

Bad Lippspringe (WB). Bad Lippspringes Bürgermeister Andreas Bee ist zutiefst enttäuscht. Der Hauptausschuss der Gartenschaustadt hat sich mit den Stimmen von CDU, FDP und FWG für Strom aus Kohle und Atomkraft (Graustrom) und gegen Ökostrom entschieden. Bee: »Ich bin bestürzt über die Entscheidung.«

Der Bürgermeister will jetzt alles unternehmen, um dieses Votum des Hauptausschusses für den heilklimatischen Kurort noch zu kippen. Eventuell über die nächste Sitzung des Hauptausschusses Anfang Juli oder über einen Ratsentscheid. In der Sitzung des Hauptausschusses (16 Mitglieder) sahen die Vertreter von CDU (6), FDP (1) und FWG (3) vor allem die Kostenfrage im Vordergrund. Einen anderen Blickwinkel insbesondere für den heilklimatischen Kurort und die Gartenschaustadt hatten jedoch die Vertreter von SPD (2), Grünen (1), Linke (1) und der Bürgermeister selbst. Damit fiel die Entscheidung schließlich bei einer Enthaltung mit 10:5 deutlich und klar für den günstigen Graustrommix vorwiegend aus Kohle und Atomkraft aus. »Gerade uns sollte es aber wert sein, den Mehrpreis für Ökostrom zu zahlen«, kommentierte der Bürgermeister den Beschluss.

Der Hauptausschuss sollte sich in seiner jüngsten Sitzung über den künftigen Strombezug der Stadt im Vorfeld einer Ausschreibung entscheiden. Hintergrund ist auch die mögliche Teilnahme der Stadt an dem Einkaufspakt des Kreises für Ökostrom, der jetzt erneuert werden muss. Es geht um eine Gesamtmenge von etwa 22 Millionen Kilowattstunden.

Etwa 2,2 Millionen Kilowattstunden

Bad Lippspringe selbst bezieht für seine öffentlichen Gebäude und Schulen etwa 2,2 Millionen Kilowattstunden. Derzeit kostet der Strom etwa 422.000 Euro im Jahr. Die Verwaltung hatte dem Hauptausschuss vorgerechnet, dass nach derzeitigem Stand der Ökostrom bis zu zehn Prozent teurer werden könnte in einem »Worst-Case-Szenario«. Gleichzeitig wies die Verwaltungsspitze aber auch darauf hin, dass bei einem Einkaufspakt über den Kreis Paderborn sich diese Differenz erheblich verringern würde. Auch die Gemeinde Borchen hatte sich an dem Einkaufspakt des Kreises beteiligt und stellt jetzt dafür die Daten zusammen. »Ein marginaler Unterschied unterm Strich bei der Größenordnung«, befürwortete jüngst auch Borchens Bürgermeister Reiner Allerdissen die erneute Teilnahme der Gemeinde an der Gemeinschaft.

Vor zwei Jahren hatte die Stadt Bad Lippspringe es nicht geschafft, sich an der zentralen Ausschreibung für Ökostrom zu beteiligen, weil man sich angesichts der damals laufenden Vorbereitungen für die Landesgartenschau zeitlich nicht in der Lage sah, die dafür erforderlichen 350 Seiten zur Ausschreibungsbeteiligung zusammenzustellen. Beim nächsten Mal wolle man es auf jeden Fall schaffen, sagte seinerzeit schon Bauamtsleiter Ferdinand Hüpping, zumal sich die Differenz bei dem Gesamtpaket mit dem zehnfachen Bezugsvolumen schließlich erheblich reduzieren würde. Dennoch kämpfte im Ausschuss Bürgermeister Bee vergebens für den Bezug von ökologisch zertifiziertem Strom. »Immerhin waren wir die erste Stadt im Kreis mit einem Klimaschutzkonzept«, sagt Bee.

Die Frage der Stromart wird demnächst auch die anderen Kommunen im Kreis und den Kreis selbst beschäftigen. Seit vielen Jahren wird Strom als Paket aus Kostengründen ausgeschrieben, und auch im Jahr 2016 wurde unter Federführung des Kreises das Ökostrompaket ausgeschrieben. Beteiligt war zudem das Medizinische Zentrum für Gesundheit (MZG) in Bad Lippspringe.

Salzkotten, Lichtenau, Borchen, Altenbeken, Bad Wünnenberg, Hövelhof und Delbrück saßen mit dem Kreis im Boot, als für die Jahre 2017 bis 2019 das Volumen von 22,8 Millionen Kilowattstunden für 1100 Lieferstellen ausgeschrieben wurde. Büren konnte erst mit einem Jahr Verzögerung in das Paket mit seinen 181 Lieferstellen einsteigen. Am Begriff Ökostrom hatte Westfalenwind bei den Ausschreibungen immer kritisiert, dass dieser Kauf über sogenannte Herkunftszertifikate vorgenommen werde. Wasserstrom aus Norwegen könne beispielsweise gar nicht direkt geliefert werden.

Kommentar

Peinlich und offenbar nicht zuende gedacht, könnte man sagen. In jedem Etat tauchen Zahlungen und Leistungen auf, die verantwortungsvolle Politiker angesichts der Kosten mehrfach auf den Prüfstand zu stellen haben. Dazu gehören sicherlich auch Anschub- oder Unterstützungsfinanzierungen für Öko-Projekte. Doch am Strombezug kommt trotz aller Energieeinsparungen niemand vorbei. Nach außen hin mit Blumen, Kurwald, Heilklima und Heilquellen zu werben und gleichzeitig Strom nur unter Kosten­punkten zu sehen, ist schon fragwürdig. Und zu kurz gedacht: Bei der Alleinausschreibung eines Zehntels der Gesamtmenge kommt man allein schon aus Kostengründen niemals auf den grünen Zweig. Bernhard Liedmann

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6646310?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198397%2F2516024%2F