Fr., 07.06.2019

Vor dem Mähen werden die Felder systematisch abgesucht Dank Drohne ein Rehkitz gerettet

Gerettet: Dieses wenige Wochen alte Rehkitz haben (von links): Ole Fischer, Arnd Ostmann, Sebastian Grosse, Martin Grosse und die beiden Schüler Paul Reese und Johann Müller dank der Wärmebildkamera im hohen Gras gefunden.

Gerettet: Dieses wenige Wochen alte Rehkitz haben (von links): Ole Fischer, Arnd Ostmann, Sebastian Grosse, Martin Grosse und die beiden Schüler Paul Reese und Johann Müller dank der Wärmebildkamera im hohen Gras gefunden. Foto: Phil Hänsgen

Von Phil Hänsgen

Schlangen (WB). Um 5.30 Uhr surrt über dem Feld eine Drohne, die das hohe Gras systematisch abfliegt. Auf einem Bildschirm verfolgen zwei Jäger die Ergebnisse der Wärmebildkamera – und kontrollieren warme Flecken im Feld. Und tatsächlich entpuppt sich ein solcher Punkt als hilfloses Rehkitz, das von den Menschen in Sicherheit gebracht wird. Es ist eins von bereits 38 Jungtieren, die durch ein Schülerprojekt gerettet werden konnten.

Schüler vom Engelbert-Kämpfer-Gymnasium aus Lemgo haben dem Schlänger Landwirt Bernd Kaiser geholfen, seine Felder mit Drohnen nach Rehkitzen abzusuchen, damit die oft hilflosen Tiere gefunden und vor dem Mähen gerettet werden können. Möglich macht das eine Drohne, die die Jugendlichen in der technischen AG »save the kid« entwickelt und gebaut haben. Die Idee dazu hatte Naturwissenschaftslehrer Dr. Daniel Muschiol, der die AG mit 20 Schülern von der siebten Klasse bis zur Oberstufe leitet. Während der Treffen werden Drohnen gebaut, mit denen Flächen planmäßig abgeflogen werden können. In der eigenen Werkstatt haben sie zwei 3D-Druckern zur Verfügung, mit denen die Schüler aus Kunststoff und Metall bereits drei eigene Drohnen mit Carbon-Gestell konstruiert haben.

Früher mussten die Felder vor dem Mähen zu Fuß durchsucht werden

Auf der Suche nach einer zusätzlichen Nutzung der Drohnen hatte der Lehrer die Idee, Landwirten aus Lippe bei der Suche nach Rehkitzen zu unterstützen. »Früher mussten wir vor dem Mähen die Felder per Hand durchsuchen oder die Tiere mit Scheuchen verschrecken«, erläutert Sebastian Grosse, Mitarbeiter bei Landwirt Bernd Kaiser: »Das ist mittlerweile aber viel zu viel geworden und enorm anstrengend, wenn man bedenkt, dass ein Feld allein bei uns ungefähr drei Hektar groß ist.« Nur gut, dass Arnd Ostmann auf das Projekt von Muschiol aufmerksam wurde und den Kontakt herstellte.

Von 5.30 Uhr an schickten die Jäger Ole Fischer und Marco Wüstenbecker die Drohne los. Beide unterstützen das Projekt von Anfang an. Von den AG-Teilnehmern waren so früh die 15-jährigen Paul Reese und Johann Müller dabei, die extra aus Lemgo gekommen waren. »Die Strecke der Routen ist am Vortag von den Piloten Ole Fischer und Marco Wüstenbecker programmiert worden, nachdem sie die Daten des Gebiets von Bernd Kaiser hatten. Die Drohne wird dann manuell gestartet und das Programm in der Luft aktiviert«, erzählt Johann Müller.

Bei Bedarf kann die Drohne in der Luft angehalten werden

Auf den Bildschirmen suchten die Jäger mit Hilfe einer Wärmebildkamera nach heißen Punkten im Feld, die auf ein Rehkitz hindeuten können. »Das ist auch der Grund, warum wir so früh morgens starten. So ist das Feld noch kalt und die Tiere heben sich besser von der Umgebung ab«, sagt Paul Reese.

Bei Bedarf kann die Drohne in der Luft angehalten und die passende Stelle im Feld aufgesucht werden. Manchmal finden die Landwirte nur aufgeheizte Disteln oder Zaunpfähle, aber auch ein erst wenige Wochen altes Rehkitz. Das mussten sie per Hand in Sicherheit bringen, nachdem es am Ohr markiert worden war. »Würde es dort unentdeckt liegen bleiben, hätte es beim anschließenden Mähen der Felder mit der großen, neun Metern breiten Maschine, keine Chance rechtzeitig zu entkommen«, erläutert Muschiol.

Die Schüler freuen sich: »Das war in diesem Jahr schon das 38. Rehkitz, welches wir mit Hilfe unseres Projektes retten konnten. Wir waren auch schon in Detmold, Lemgo, Lage und Dörentrup unterwegs«, sagt Johann Müller. Und die Suche geht weiter: Noch sei die Zeit nicht rum, in der Kitze nicht allein davonlaufen können und Ricken neue Jungtiere werfen. Paul Reese sagt: »Wir hoffen, wir können noch möglichst viele Landwirte unterstützen und zahlreiche Tiere retten.«

Jeder Teilnehmer hat zusätzlich eine eigene kleine Drohne

Neben den Drohnen der Jägern haben die Kinder auch schon ihre selbst gebauten Drohnen einsetzen dürfen. Um das Fliegen und Steuern damit zu üben, hat jeder Teilnehmer zusätzlich eine eigene kleine Drohne, die auch mal herunterfallen darf und dabei nicht kaputt geht.

Die Felder vor dem Mähen mit den Drohnen abzusuchen ist ein neuer Trend, den die Schlänger Landwirte um Bernd Kaiser begrüßen: »Das war eine enorme Arbeitserleichterung. Wir konnten die Felder direkt im Anschluss ohne große Probleme mähen. Die Idee von Herr Muschiol und seiner AG ist wirklich super und wir hoffen, dass andere Landwirte davon Gebrauch machen werden.«

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