Mo., 15.07.2019

Dreitägige Jubiläumsfeier verdeutlicht die entscheidende Bedeutung für den Ort 100 Jahre Sport in Kohlstädt

Einer der Höhepunkte des Programms: In einem Einlagespiel liefen jene Mannschaften erneut auf, die vor der Fusion das letzte Derby gegeneinander gespielt hatten. Alle Beteiligten zeigten noch mal ihr ganzes Können.

Einer der Höhepunkte des Programms: In einem Einlagespiel liefen jene Mannschaften erneut auf, die vor der Fusion das letzte Derby gegeneinander gespielt hatten. Alle Beteiligten zeigten noch mal ihr ganzes Können. Foto: Nicole von Prondzisnki

Von Nicole von Prondzinski

Kohlstädt (WB). Ein Jahrhundert voller sportlicher Aktivitäten: Unter dem Motto »100 Jahre Sport in Kohlstädt« waren drei Tage mit abwechslungsreichem Programm gefüllt.

1919 wurde der TSV Kohlstädt gegründet, und so begann der »Festkommers« am Freitagabend um 19.19 Uhr. Die wolkenbruchartigen Regenfälle in den Stunden zuvor erklärte Michael Reimann in seiner Begrüßung kurzerhand zur Tradition, da es bereits bei den Festivitäten zu »50 Jahre Fußball in Kohlstädt« ähnliche Wetterverhältnisse gab. Er ist der Vorsitzende der Sportfreunde Oesterholz-Kohlstädt, dem Verein, zu dem sich der TSV Kohlstädt mit dem SSV Oesterholz-Haustenbeck im Jahre 2011 zusammenschloss.

Zahlreiche Gratulanten freuten sich mit dem Vorstand über das Jubiläum. Bürgermeister Ulrich Knorr bewunderte die Kondition der Kohlstädter, die bereits am vorherigen Wochenende ein Dorffest ausgetragen hatten: »Kaum sind die Birken vom Schützenfest abgeschmückt, schon wird das Festzelt am Sportplatz aufgebaut.« Er lobte den Verein für den Einsatz seiner Mitglieder und die Wartung der Sportanlagen – im Jahre 1977 habe der Sportplatz einen eigenen Sonderpreis im Rahmen des Wettbewerbs »Unser Dorf soll schöner werden« erhalten. Auch der erste stellvertretende Landrat des Kreises Lippe, Kurt Kalkreuter, sprach Worte der Begeisterung über das sportliche Engagement im Ortsteil: »Sport ist eine Gemeinschaft. Und die sportliche Gemeinschaft kann man hier und heute leben und erleben.«

Wilfried Starke, Präsident des Kreissportbundes Lippe, nahm die anwesenden Sportler mit auf eine imaginäre Zeitreise und erzählte von den 25 Männern, die sich am 23. Februar 1919 zusammengefunden hatten und den TSV Kohlstädt gegründet haben. In dieser Zeit, kurz nach dem 1. Weltkrieg in politisch unruhigen Zeiten, standen Arbeit und Familie im Mittelpunkt des Alltags. Trotzdem seien diese 25 Männer auf der Suche nach Ablenkung und Sport gewesen und eröffneten eine Turngruppe. Bereits vier Jahre später gab es auch eine Frauenturngruppe – ebenfalls ungewöhnlich für die Zeit. Auch heute seien Kohlstädter für außerordentliches Engagement im Sport zu würdigen.

Drei Vereinsmitglieder für ihren langjährigen Einsatz geehrt

Der Präsident nahm das Jubiläum zum Anlass, um drei Vereinsmitglieder für ihren langjährigen Einsatz zu ehren. Nach 25 Jahren ehrenamtlicher Tätigkeit im Sportverein wurde Heiko Biere mit der silbernen Ehrennadel ausgezeichnet. Die goldene Ehrennadel für 35 Jahre im Ehrenamt erhielten gleich zwei Sportler: Klaus Stab, stellvertretender Vorsitzender Breitensport der SF Oesterholz-Kohlstädt, und der Vorsitzende Michael Reimann.

Werner Tegeler, Sprecher des Gemeindesportverbandes Schlangen, wies auf das Motto des Jubiläums hin »Erfolgreich, modern, zukunftsorientiert«. Er hob die kontinuierlichen Erfolge hervor. Dank der Ausgewogenheit zwischen Ehrenamt und Professionalität komme der Verein zu einer maximalen Kommerzialisierung. Als besonders zukunftsweisend bezeichnete er die Fusion im Jahre 2011. »Zukunft braucht Herkunft« – diese Worte, so Tegeler, träfen auf die Situation in Kohlstädt sehr gut zu.

Mit einer Stoppuhr ausgerüstet, erschien Katrin Dröge, 2. Vorsitzende der Leichtathletik-Gemeinschaft Lippe-Süd, um einen Rekord im Ausrichten von Grußworten aufzustellen. Innerhalb von 64,8 Sekunden schaffte sie es, die Athleten der Gemeinde hervorzuheben. Im Gemeindesport sei Leichtathletik nicht die größte Sparte, es handle sich um das »Familienunternehmen Bornefeld«, welches nur aus vier Personen besteht, dafür aber beachtliche Leistungen vollbringe. Auch im Volleyball sind die Kohlstädter erfolgreich, so Bertolt Lampe, Vorsitzender des Volleyballkreises Lippe. Er lobte die Frauen, die sich bereits seit mehr als zehn Jahren erfolgreich in der Bezirksliga halten. »Volleyball und Kohlstädt – das passt zusammen«, betonte er und wies auf die Aktualität dieser Sportart hin – was den Verein, dem Jubiläumsmotto getreu, »modern« mache. »Nicht nur Beachvolleyball ist modern. Es gibt bereits Überlegungen zu ›Snow-Volleyball‹. Kohlstädt mit seinen Bergen wäre der perfekte Austragungsort dafür.« Mit einem Augenzwinkern legte Lampe seine Pläne mit dem sportaffinen Ortsteil dar.

In der Festrede trug Michael Reimann nicht nur historische Ereignisse aus 100 Jahren Sport in Kohlstädt vor, er hielt auch einige Gegenstände bereit, die von Geschichtsträchtigkeit zeugen. So existiert bis heute das Kassenbuch aus dem Gründungsjahr 1919 und auch das originale Bargeld aus dieser Zeit konnte von den Gästen begutachtet werden. Ein historischer Pokal, den der TSV Kohlstädt vom SSV Oesterholz-Haustenbeck erhalten hat, ähnelt nur wenig den heutigen Exemplaren. Im Laufe der Vereinsgeschichte von 1919 bis zur Fusion 2011 sei einiges geschehen, und auch wenn die Fusion der beiden Vereine noch wenige Jahre vor dem Zusammenschluss undenkbar gewesen sei, sei es die richtige Entscheidung gewesen, so Reimann. »Wenn du entdeckst, dass du ein totes Pferd reitest, dann steig ab«, verdeutlichte er mit einem Zitat der Dakota-Indianer.

Auch Gastvereine ließen sich beim Jubiläum blicken. Die Sportfreunde pflegen enge Freundschaften mit dem FC Fortuna Schlangen und dem SSV Pivitsheide, deren Vertreter ihren Dank dafür aussprachen. Im Namen des Schützenvereins Kohlstädt überreichte Frank Albert dem Vorsitzenden des Sportvereins ein Präsent.

Einlagespiel eines der Höhepunkte des Tages

Im Anschluss an den offiziellen Beginn der Feierlichkeiten am Freitagabend wurde es am Samstag sportlich. Nach einem Werbespiel der A-Junioren der Sportfreunde kam es zu einem Höhepunkt des Programms: In einem Einlagespiel liefen jene Mannschaften erneut auf, die vor der Fusion das letzte Derby gegenein­ander gespielt haben. »Auf dieses Spiel haben sich einige Spieler so sehr gefreut, dass sie extra mehrere hundert Kilometer hierhergefahren sind«, erzählte Michael Dreier, der als erster Trainer nach der Fusion die Fußballer zusammenbrachte. Die Kohlstädter waren sicherlich guter Hoffnung, dieses Heimspiel zu ihrem Jubiläum gewinnen zu können, doch bereits in der ersten Halbzeit brachte Marc Pospischil den SSV in Führung. In der zweiten Halbzeit erzielte Heiner Haase per Elfmeter das nächste Tor für Oesterholz. Es folgten ein weiterer Treffer von Pospischil und zum Endstand von 4:0 schoss Eugen Schley das letzte Tor. Die Stimmung blieb trotzdem auf beiden Seiten ausgelassen. Nach dem Spiel sah man sehr schnell, dass auf dem Feld eigentlich keine Gegner, sondern Freunde standen. »Es war ein faires Spiel, die Spieler waren vor allem für den Spaß hier und freuen sich gleich darauf, den Abend gemeinschaftlich zu verbringen«, resümierte Dreier.

Für einen geselligen Ausklang hatte der Verein gesorgt: Im Festzelt war alles vorbereitet, um das Jubiläum bei Musik in der Cocktailbar und auf der Tanzfläche gebührend zu feiern. Am Sonntag standen beim Familientag nach dem Frühschoppen Werbespiele der Minikicker, F- und E-Junioren auf dem Programm.

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